«Die Neueröffnung ist am 1. September geplant.» Lange hatten Christine und Hans-Peter Lindt es nicht gewagt, diesen Satz auszusprechen. Denn andere Termine hatten sie für ihr Fachgeschäft Lindt Dessous-Moden schon genannt, aber sie waren ohne Umzug verstrichen. Beispielsweise den 1. Februar 2016. Aber angefangen hatte alles viel früher.

An der Hauptgasse 14. Seit 1999 waren Lindts in der dortigen Mall eingemietet, inzwischen sind auch ihre Töchter Sabine und Katja im Geschäft aktiv. Im Mai 2014 änderte sich für die Familie alles auf einen Schlag: Jörg Eichhorn, Geschäftsführer der Firma Newport Highstreet, eröffnete ihnen, dass die Zuger Firma das gesamte Geschäftshaus mit der Mall erworben hätten.

Bald wurden die Pläne in Zug konkret: Alle bisherigen Mieter sollten Platz machen für einen kompletten Umbau und zwei neue Grossmieter, die inzwischen eingezogenen Firmen der Deichmann-Gruppe, Dosenbach und Ochsner Sport. «Unser Mietvertrag wäre noch bis Ende 2019 gelaufen. Hätten wir damals geahnt, was uns erwartet, wären wir wahrscheinlich nicht gegangen», blickt Christine Lindt auf ein Jahr voller Unsicherheiten zurück.

Umbau verzögert sich

Die neuen Zuger Besitzer an der Hauptgasse 14 hatten sich redlich bemüht, ihren bisherigen Mietern Alternativvarianten nicht nur aufzuzeigen, sondern auch auf Wunsch zu organisieren. Jörg Eichhorn wurde auch für Lindts fündig, die möglichst keine schlechtere Geschäftslage als bisher in Kauf nehmen wollten.

Dosenbach war an der Hauptgasse 40 eingemietet, und mit dem Umzug in das ehemalige Geschäftsdomizil von Lindt-Dessous lag ein Ersatz dort fast auf der Hand. «Wir versprechen uns einiges davon», freuten sich Lindts damals über die bessere Lage näher am Märetplatz.

Angesichts der beginnenden Bauarbeiten an der Hauptgasse 14 räumten sie deshalb ihr dortiges Geschäft, denn ganz in der Nähe hatte Max Shoes an der Hauptgasse 9 die ehemalige Drogerie Nagel gerade verlassen. Bereits im Mai 2015 waren Hans-Peter und Christine Lindt dort eingezogen und hatten ihr Interims-Geschäft eingerichtet – vermeintlich nur für ein gutes halbes Jahr.

Doch es sollte ganz anders kommen: Die Besitzerfamilie des Hauses an der Hauptgasse 40, wo die Dosenbach-Filiale inzwischen geräumt war, konnte sich nicht darüber einigen, ob und und wie überhaupt umgebaut werden sollte. Ein durch einen der beiden Söhne veranlasster Baustopp verhinderte vorderhand jegliche Aktivität. Monat um Monat verstrich, und längst war auch der geplante Bezug im Februar 2016 – gleichzeitig Beginn des Mietverhältnisses mit Lindts – vorbei.

Seiteneingang bleibt

Doch inzwischen hatten Lindts eine neue grosse Sorge am Hals: Bruno Nagel, Eigentümer ihrer Interimsbleibe, musste ihnen eröffnen, dass er selbst ab Ende August wieder sein Ladenlokal benötige. Der Grund ist eine weitere grosse Verwerfung in der Solothurner Geschäftswelt: Manor Food verlässt bekanntlich 2018 die Schanzmühle als Mieter der Kantonalen Pensionskasse. Und Nagel mit seiner dortigen Impuls Drogerie als Untermieter von Manor will nun so rasch als möglich weg – zurück an die heimische Hauptgasse 9. «Wir werden dort im Herbst wieder eröffnen», bestätigt Bruno Nagel.

Damit wurde der Druck für Lindt massiv: Entweder kam es zu einer Einigung in Sachen Hauptgasse 40 oder «wir müssen unser Geschäft sogar aufgeben», meinte Christine Lindt noch vor einigen Wochen äusserst besorgt. Es kam zu einem Kompromiss: Es wird nur das umgebaut, was nicht baubewilligungspflichtig ist, also im Innern des Ladenlokals. «Der bestehende Seiteneingang wird damit beibehalten und die Schaufensterfront nicht umgestaltet», bestätigt Hans-Peter Lindt.

Glaube an Solothurn

Nachdem die Familie Lindt schon im Herbst die Planung fürs neue Geschäft in Gang gesetzt hatte, muss sie sich nun neu motivieren, mit veränderten Rahmenbedingungen nochmals anzufangen und das Beste aus der Situation zu machen. «Sicher ein Gewinn wird die erweiterte Herrenabteilung im Obergeschoss sein», sieht Hans-Peter Lindt das Positive. Der Raum sei mit Parkettboden und Cheminée sehr schön, freuen sich Lindts doch ein bisschen auf die neue Aufgabe an der Hauptgasse 40.

Lindts sehen die Probleme des Detailhandels, der «auch in Solothurn durchgerüttelt wird». Online-Shops, hohe Mieten für Geschäftsflächen und den Einkaufstourismus sehen auch sie im Sorgenbarometer. «Doch glauben wir längerfristig an den stationären Handel, und an die Stadt Solothurn.» Mit ihrem Motto, eine persönliche Kundenbedienung und -Beratung zu gewährleisten, «wollen wir etwas zu einem funktionierenden Branchenmix in unserer Stadt beitragen». Was Lindts übrigens auch in Thun mit ihrem dortigen Geschäft und drei Angestellten unter Beweis stellen.