Theater Mausefalle
Liebeswirren im Barock und heute

Das Theater Mausefalle spielt «Cardenio und Celinde» von Andreas Gryphius im Park von Schluss Blumenstein.

Helmuth Zipperlen
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Liebesbrief (v. l.): Sofia Meszaros, Léonie Schütz und Christoph Stapfer.

Liebesbrief (v. l.): Sofia Meszaros, Léonie Schütz und Christoph Stapfer.

zvg

Wer erwartet, dass das Drama «Cardenio und Celinde» von Andreas Gryphius als historisches Spektakel aufgeführt wird, sieht sich enttäuscht. Vielmehr ist eine zeitgenössische, amüsante Komödie daraus inszeniert worden. Was beweist, dass Liebeswirren vor etwa 400 Jahren nicht viel anders aussahen als die heutigen. Sie sind einfach zeitlos.

Das Leitungsteam, bestehend aus Silvan Andraschko, Felix Fels, Sofia Mészàros, Sophie Nyfeler, Léonie Schütz und Jana Zimmermann, haben nach einem für diese Freilichtaufführung im barocken Rahmen geeigneten Stück recherchiert und sind auf diese von Heidi Hartmann bearbeitete Version des barocken Trauerspiels von Andreas Gryphius gestossen.

Sie haben den Schauplatz, die Eingangsfront des Schlosses, gut genutzt. Szenen auf dem Kies vor dem Schloss, auf der Treppe und auf dem Balkon der Bel Etage wechseln sich in bunter Folge ab. Längere Dialogpassagen werden durch Rückblenden aufgelockert, was der Inszenierung einen filmischen Touch gibt. Mit dem Einfügen von Actionszenen wird von den Darstellern auch voller Körpereinsatz verlangt.

So wird aus einem vermutlich etwas verstaubten Klassiker ein heutiges Stück, das trotz allem irgendwie zeitlos wirkt. Es werden beispielsweise keine Liebesbriefe in unbekannter Handschrift geschrieben, sondern ein SMS mit unbekanntem Absender verschickt. Aus der im Original dichtenden Celinde wird eine Slam Poetin. Bereits die am Vorabend stattgefundene Premiere atmete den Reiz, der die Abendvorstellungen sicher zum Erlebnis werden lässt. Denn viele Szenen spielen ohnehin in einem Park und manchmal sogar nachts.

Spielfreudiges Ensemble

Wie im Barock-Theater üblich wird der Handlung ein Prolog vorangestellt. Der Student Porphilio ist es, der das Publikum begrüsst und durch die Handlung begleitet, von Johnny Sollberger souverän dargeboten.

Cardenio, ein spanischer Student in Bologna, wird von Liebe und Verlangen durchgeschüttelt. Er hat ein Auge auf die hübsche Olympia geworfen, doch während er längere Zeit abwesend ist, vermählt sich diese mit Professor Lysander. Cardenio flattert zu Celinde, doch muss er diese mit einem reichen Liebhaber teilen, was nicht ohne Komplikationen verläuft. Dieses Hin- und Hergerissensein lotet Christoph Stapfer auch in seiner Körperhaltung nachvollziehbar aus.

Celinde ist unsterblich in Cardenio verliebt, möchte aber die Geschenke des reichen Liebhabers nicht missen. Sofia Mészàros findet die richtige Mischung zwischen Verzweiflung und weiblicher Selbstbestimmung. Olympia, um welche es anfänglich geht und deretwegen Cardenio Lysander ermorden will, ist eine Rolle mit wenig Bandbreite, weshalb sie von Léonie Schütz als etwas stolze und unnahbare Dame der Gesellschaft gespielt wird.

Anne-Catherine Kramis kann sich als Esoterikerin Tyche – im Original vermutlich eine Zauberin – originell und berechnend präsentieren. Als Celindes Freundin Sylvia ist Sophie Nyfeler mehr als nur Stichwortgeberin. Auch die kleineren Rollen verfügen über Profil, das darstellerisch umgesetzt wird. Dies sind Felix Fels als Virenio, Lukas Rhiner als Lysander, Silvan Andraschko als Marcellus und Jana Zimmermann als Dora.

Der verdiente, grosse Applaus bei der Premiere belohnte die vorzügliche Leistung des Ensembles des Teatro Mobile. Nur zur Erinnerung: Es sind durchwegs Laienschauspieler am Werk.

Nächste Aufführungen: Freitag, 3./Samstag, 4. Juli je 19.30 Uhr, Sonntag, 5. Juli 17.30 Uhr, Donnerstag, 9. bis Samstag, 11. Juli je 19.30 Uhr.

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