Tätowierung
Liebes-Beweis mit Tinte: Wenn die Stadt Solothurn unter die Haut geht

Wir haben zwei Männer in den Dreissigern getroffen, die sich die Skyline der Barockstadt auf den Arm tätowieren liessen.

Lea Durrer
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Philippe Kurth und Pascal Streit zeigen ihre Solothurn-Tattoos.

Philippe Kurth und Pascal Streit zeigen ihre Solothurn-Tattoos.

om/bar

Die St.-Ursen-Kathedrale thront über allem. Davor zeichnen sich das «Solheure» mit einem kleinen Teil der Kreuzackerbrücke, dem Palais Besenval, einigen Dächern und Bäumen ab. Die Aare schimmert im Vordergrund und rundet die ganze Skyline sanft ab. «Eigentlich wollte ich den Abschnitt bis zum Landi-Gebäude auf meinem Arm, aber dafür müsste er 20 Zentimeter länger sein», lacht Philippe Kurth-Saleh. Sein Tätowierer hat ihm deshalb davon abgeraten. «Bei dieser Länge der Skyline konnten die Details eingearbeitet werden. Und es wirkt auch von einer gewissen Distanz aus», erklärt Ben Hubler seine Überlegung zum ersten Tattoo mit Solothurn-Bezug, das er bisher gestochen hat. Der 34-Jährige hat eine traditionelle Technik angewendet und das Tattoo anhand des Spiels von Dunkelheit und Hautfarbe aus einzelnen Punkten aufgebaut. Weiss kam nicht zum Einsatz. «Es ist fast wie eine Kugelschreiber-Zeichnung», so Hubler. Als «Künstler vom Geiste her» wird er von seinem Gegenüber bezeichnet.

Kennengelernt haben sich die beiden 2013 in der Fahrschule. Kurth war Fahrlehrer, Hubler sein Schüler. Die beiden verstehen sich so gut, dass Ben sogar als Trauzeuge bei Philippes Hochzeit, die Anfang August gefeiert wurde, amtete.

Nun sitzen die Männer auf einem Sofa im Solothurner Tattoo-Studio «House of Styles». So ganz zufrieden ist der 36-jährige Kurth an diesem Tag im August noch nicht mit seinem Tattoo. Die Haut ist kurz nach der zweiten und letzten Sitzung – das Tattoo entstand in neun Stunden – leicht gerötet, eine Verletzung, die er sich an seiner Hochzeit durch einen Manschettenknopf zugezogen hatte, ist noch nicht verheilt. «Das muss noch nachgestochen werden.»

Der Fahrlehrer hat sich mit diesem Tattoo – es ist sein zwölftes – einen weiteren Solothurn-Traum erfüllt. Einen weiteren, weil er auf seiner linken Wade bereits das Kantonswappen trägt – im Gegensatz zum neusten Werk in zwei Farben. «Sonst könnte es ja auch der Kanton Freiburg sein», sagt er lachend.

Für ihn stand immer fest: Beim zweiten Solothurn-Tattoo sollte es eine Skyline sein. Wieso so angefressen? Die Liebe zur Stadt wurde im praktisch in die Wiege gelegt. Seinen Vater bezeichnet Philippe Kurth als «Ur-Solothurner». «Einer, der bekannt ist in der Stadt.» Das ging nicht spurlos an den Kindern vorbei – auch wenn alle in Flumenthal aufwuchsen. Als die Familie nach Solothurn zog, war für Kurth klar, dass er nie wieder wegziehen würde.

Die Skyline ist Teil eines Projektes auf dem Unterarm und das Wichtigste für den 36-Jährigen. Über der Stadt werden noch Umrisse der Schweiz und England – «im Geiste meine zweite Heimat» – und ein «Öufi»-Logo in einen wolkenbehangenen Himmel gesetzt.

Auch Philippes Bruder hat sich Solothurn unter die Haut gebannt. Er trägt einen Ausschnitt mit der St.-Ursen-Kathedrale auf dem Unterarm.

Ein grosser Solothurn-Fan: Philippe Kurth hat sich die Skyline der Solothurner Altstadt auf den Arm tätowieren lassen.
6 Bilder
Dieses Foto des Tattoos entstand gleich nach der letzten Sitzung. Es wurde in zwei Sitzungen à 5 und 4 Stunden gestochen.
An der Wade hat der 36-Jährige ein Solothurner Wappen – das einzige in Farbe
Tätowierer des Vertrauens: Philippe Kurth mit Ben Hubler im Tattoo-Studio
Pascal Streit ist ebenfalls ein riesen Fan der Stadt Solothurn und trägt die Skyline mit sich herum.
 Tatoo mit Solothurner Skyline: Pascal Streit

Ein grosser Solothurn-Fan: Philippe Kurth hat sich die Skyline der Solothurner Altstadt auf den Arm tätowieren lassen.

Oliver Menge

Tattoo als Geburtstagsgeschenk

Gleiche Stadt, gleiche Skyline, anders umgesetzt. Bei Pascal Streit kommt seine geliebte Barockstadt wuchtiger daher. Dunkel zeichnen sich Kathedrale und die Altstadthäuser auf der Haut ab. Die fehlenden Details machen es aber auch möglich, die ganze Altstadt auf dem inneren rechten Unterarm zu präsentieren. Der Schriftzug Solothurn dazu musste sein. «So ist für andere gleich klar, welche Stadt es ist und sie müssen nicht nachfragen.»

Den Innenarm hat er bewusst gewählt: So kann er sein Tattoo zeigen, es aber ebenso verbergen. Das ist dem 30-Jährigen wichtig, denn er wird sehr oft auf das Tattoo angesprochen. «Ich kann nirgends absitzen, ohne dass jemand einen Kommentar dazu abgibt.» Er bekommt so viele Reaktionen, dass es ihm manchmal schon zu viel wird – «vor allem dann, wenn ich etwas Wichtiges mit meinen Kollegen bespreche».

 Tatoo mit Solothurner Skyline: Pascal Streit

Tatoo mit Solothurner Skyline: Pascal Streit

Hanspeter Bärtschi

Streit findet die Stadt mit ihrem barocken Baustil sehr schön. «Es ist eine kleine, herzige und übersichtliche Stadt», schwärmt er. Aufgewachsen ist er ausserhalb des Stadtrandes in Langendorf, dort wohnt er noch immer. Dennoch fühlt er sich «durch und durch als Stadtsolothurner». Selbst wenn er Solothurn einmal verlassen sollte, werde er diese Identität immer behalten, denn die Stadt habe ihn zu dem gemacht, was er jetzt sei. Ein «gewöhnlicher Typ», der keinen Match des FC Solothurn verpassen will, der in der Sappi in Biberist Papiertechnologe gelernt hat und jetzt in der ETA arbeitet.

Die Skyline mit dem Schriftzug ist das erste Tattoo des 30-Jährigen. Seine Mutter hat es ihm zu seinem runden Geburtstag im letzten November beschert. «Sie wollte mir etwas schenken, das ich ein Leben lang behalten kann.» Dass es ihm irgendeinmal nicht mehr gefällt, glaubt der Langendörfer nicht. «Ich werde es mir nie reuig sein, dass ich das Tattoo gemacht habe.»

Weitere Verzierungen sind bei beiden in Planung oder frisch umgesetzt. Bei Pascal Streit hat dies jedoch nichts mit Solothurn zu tun: Er hat sich sein Sternzeichen Skorpion mit 3D-Effekt auf seinen linken inneren Unterarm tätowieren lassen. Bei Philippe Kurth entsteht nach Fertigstellung des Kunstwerks auf dem Arm ein weiteres Liebes-Tattoo: Eine Marktszene in der Gurzelngasse kommt aufs Schienbein.