«Ein Drittel unseres Energieverbrauchs wenden wir für den Verkehr auf.» In der Debatte um zu Neige gehende fossile Brennstoffe, deren Verbrennung dazu einen massiven CO2-Ausstoss verursacht, müsste der Verkehr also heftig diskutiert werden.

Weit gefehlt, wie Marius Christen, Programmleiter von «so!mobil» zeigt: «Dieses Thema hat man lange vernachlässigt.» Grund genug für «2000-Watt-Region Solothurn», zur Veranstaltung «Zurück zur Mobilität?» einzuladen.

Gäste waren, neben Christen, Manfred Josef Pauli (Mobilitätsakademie Bern), Paul Stopper vom Verkehrs-Club Schweiz sowie Hermann Knoflacher, emeritierter Professor an der Technischen Uni Wien. Die österreichische Ikone eigens für einen Abend einzufliegen, befand Präsidentin Marguerite Misteli als «nicht 2000-Watt-freundlich», weshalb Knoflacher via Skype zugeschaltet wurde.

Dies aber erst zur Diskussion; als Einstiegsreferat diente die Aufzeichnung einer Rede, die der gewitzte Mobilitäts-Experte im Herbst gehalten hat. Um die Zuhörer von seiner Sicht zu überzeugen - nämlich dass die Geschwindigkeit in unserer Gesellschaft mehr Fluch denn Segen ist - griff Knoflacher zu logisch begründeten, aber provokativen Aussagen - «Wir lieben unser Auto mehr als unsere Kinder» - und nicht selten zu unbequemen Lösungsansätzen: «Der Weg zum geparkten Auto muss mindestens so lang sein, wie der zur öV-Haltestelle.»

Denn derzeit sei der Mensch durch Strukturen dazu gezwungen, Autofahrer zu sein. In Deutschland brauche es von Gesetzes wegen keine Kinderzimmer. «Aber Sie müssen einen Parkplatz haben.»

«Mobilität bedeutet für viele Menschen eine gewisse Freiheit.» Das Votum aus dem Publikum wies auf ein Kernproblem der späteren Diskussion zwischen den Experten hin. Wie kann der Verkehr - der nachweislich Probleme in Form von Stau, vollen Zügen und Gefahren verursacht - reduziert werden, ohne die Mobilität einzuschränken?

«Es gibt keine Patentlösung», lautete die ernüchternde Antwort von Marius Christen. Die Ansätze müssten eine Mischung aus technologischen Neuerungen, der Verkehrsstruktur und nicht zuletzt aus Verhaltensänderungen sein.

Der Autofahrer macht die Politik

Rasch war klar: die Krux liegt bei der Verhaltensänderung. «Das Auto ist bequem und stets zur Verfügung», so Paul Stopper. Manfred Pauli wies auf eine politische Problematik hin: «Wir haben 500 bis 600 Autos auf 1000 Einwohner. Der Autofahrer entscheidet also, aus seinem Blickwinkel wird die Politik gemacht.»

Eine schwierige Ausgangslage, herrschte doch der Konsens vor, Strukturen und Anreize könnten eine Verhaltensänderung begünstigen. So muss nach Stopper der öV besser - und nicht günstiger - als der Individualverkehr werden.

Für eine physische Trennung von Mensch und Auto, etwa durch Parkplätze am Stadtrand, plädierte Knoflacher. Pauli vertrat die Elektrifizierung von Fahrzeugen, um Energie zu sparen. Und Christen setzte sich für das autoarme Wohnen ein. «In Solothurn besteht diesbezüglich ein riesen Potenzial. Etwa im Wohnpark Wildbach.»

Den Worten Taten folgen lassen will «2000-Watt-Region Solothurn» auf verschiedenen Wegen. So stehen die Energieerlebnistage für Kinder, der SIA-Treff sowie die Ausstellung CLEVER auf dem Jahresprogramm. Weiter soll der Fokus auf dem Motto «nur nehmen, was wir brauchen», liegen.