Theater Mauesfalle

Liebe und Hass sind Geschwister

Sie zanken sich in «Play Strindberg» (v. l.): Kurt (Patrick Streit), Edgar (Rudolf Fischer) und Alice (Franziska Bussmann).

Sie zanken sich in «Play Strindberg» (v. l.): Kurt (Patrick Streit), Edgar (Rudolf Fischer) und Alice (Franziska Bussmann).

Das Teatro Moblie zeigt in einer überzeugenden Aufführung das eher selten gespielte «Play Strindberg» von Friedrich Dürrenmatt.

August Strindberg schrieb 1900 das Drama «Totentanz». Allerdings nicht als mystisches Spiel um des Lebens letzte Dinge, sondern als Szenen einer Ehe, die sich nach 25 Jahren totgelaufen hat. Alice und Edgar sind nicht nur klaustrophobisch in ihrer Beziehung gefangen, sondern auch isoliert in einem Festungsturm auf einer Insel. Alice, eine ehemalige Schauspielerin, und Edgar, ein ehemaliger Militärschriftsteller, ersinnen immer neue Möglichkeiten, ihr Gegenüber zu demütigen, und können doch nicht voneinander lassen. Grenzenlose Liebe und abgrundtiefer Hass begegnen sich in einer absurden Symbiose.

Strindberg ist in seiner Zeichnung der Figuren seiner Zeit weit voraus. Das hat auch Friedrich Dürrenmatt erkannt, als er als Co-Direktor der Basler Theater 1968 dieses Stück von Strindberg auf den Spielplan setzen wollte. Schliesslich hat er auf eine reine Bearbeitung verzichtet und stattdessen ein neues Stück geschrieben, eben «Play Strindberg». Er übernimmt zwar im ersten Teil recht viel von Strindberg, löst sich aber gegen Schluss ganz von der Vorlage. Mit «Der Ehe des Herrn Mississippi» hat Dürrenmatt bereits früher eine satirische Ehe-Komödie geschrieben. Da kam ihm offensichtlich die Vorlage von Strindberg eben recht, um noch böser und zynischer die Institution Ehe zu karikieren.

Die Ehe – ein Kampf

Den verbalen Schlagabtausch der beiden Ehegatten hat Dürrenmatt an einen Boxkampf erinnert. Deshalb hat er «Play Strindberg» in zwölf Runden eingeteilt. In der ersten Runde kann das Publikum Alice und Edgar bei alltäglichen, langweiligen Gesprächen zusehen. Gespräche, mit kleinen ironischen Boshaftigkeiten versetzt, die sich wohl jeden Tag so oder ähnlich abspielen. Dann aber taucht nach fünfzehnjähriger Abwesenheit Kurt, der Cousin von Alice und ehemals mit Edgar befreundet, auf. Er mischt diese ehelichen Rituale auf, denn einst wollte er Alice heiraten. Edgar bezichtigt ihn dagegen nun, seine Ehe mit Alice arrangiert und für sein jetziges Unglück verantwortlich zu sein. Die immer wieder wechselnden Allianzen machen die Spannung des Stückes aus.

Parforce-Leistung der Darsteller

Ein abendfüllendes Dreipersonenstück bedeutet für die Protagonisten eine grosse Herausforderung, nicht nur hinsichtlich des Textlernens, sondern auch der Bühnenpräsenz. Für die Regie zeichnet Rudolf Fischer verantwortlich und die Technik, die für die präzise Einspielung der Geräusche zuständig ist, liegt bei Melanie Egger. Rudolf Fischer verleiht auch dem Edgar Profil. Dieser Edgar poltert, jammert, überschätzt sich und lässt seiner Frustration freien Lauf. Einmal ist er der alte, kranke Mann, der ohnmächtig darniederliegt, sodass Alice voller Hoffnung fragt: «Ist er endlich tot?», dann wieder der bärbeissige Haustyrann. Kurt, gespielt von Patrick Streit, ist Zuschauer der häuslichen Szenen, aber auch Parteigänger auf wechselnden Seiten. Streit vermag diese Oberflächlichkeit gut über die Rampe zu bringen.

Eine hervorragende Performance ist indessen das Spiel von Franziska Bussmann als Alice. Ihr glückt die Gratwanderung, sowohl Schauspielerin als auch Hausfrau darzustellen. Es ist kaum erkennbar, ob sie den beiden Männern was vorspielt oder ob sie es ernst meint. Das ist wohl das, was Dürrenmatt gewollt hat. Diese Doppeldeutigkeit durchzieht fast alle seine Werke. Wer Dürrenmatt liebt, kommt bei dieser Aufführung auf seine Kosten.

Nächste Aufführungen: Freitag, 10. Februar, 20 Uhr, Sonntag, 12. Februar, 17 Uhr, Samstag, 18. Februar, 20 Uhr.

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