Solothurn
Lichtstärke dieser Strassenbeleuchtung wird durch Sensoren gesteuert

In der Solothurner Weststadt wird eine neue, sensorgesteuerte Strassenbeleuchtung getestet. Die Lichter werden erst verstärkt, wenn sich ein Fahrzeug oder Passant nähert.

Andreas Kaufmann
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Die Regio Energie Solothurn testet in der Weststadt neue Beleuchtungen mit Sensoren.

Die Regio Energie Solothurn testet in der Weststadt neue Beleuchtungen mit Sensoren.

Hansjörg Sahli

Ein Kniff zum Energiesparen, der für private Liegenschaften längst salonfähig geworden ist, findet langsam seinen Weg in den öffentlichen Raum. Die Rede ist von einer Strassenbeleuchtung, deren Lichtstärke durch Bewegungsmelder gesteuert wird. Kommt ein Fahrzeug oder ein Passant in den Sensorbereich, so wird das gedimmte Licht verstärkt.

Was zurzeit schweizweit lediglich in einigen Gemeinden getestet wird, kommt nun versuchsweise auch nach Solothurn. Anhand zweier Strassenzüge in der Weststadt soll sich zeigen, ob sich der Stromspareffekt wirklich auszahlt. Konkret handelt es sich um Streckenabschnitte entlang der Brühlgrabenstrasse und Hans-Huber-Strasse: vom Kofmehl Richtung Badi und danach nordwärts zu den Sonnenpark-Blöcken bis zum östlichen Kreisel beim Brühl-Areal.

An 31 Kandelabern

Das System wird zurzeit und voraussichtlich bis noch Ende Woche durch die Regio Energie Solothurn (RES) an insgesamt 31 Kandelabern installiert und soll im Verlaufe des ganzen Monats Juni feinjustiert und getestet werden. «Anhand dieses Tests werden wir feststellen, ob sich das System bewährt. Das Ziel ist, einen niedrigeren Stromverbrauch zu erreichen», informiert RES-Mediensprecherin Sandra Hungerbühler. Mit dem Versuch soll auch eruiert werden, inwiefern das Dimmen der Leuchten von der Anwohnerschaft wahrgenommen wird und wie sehr es allenfalls störend wirkt. Durch LED-Lampen, die zeitgleich an den betreffenden Kandelabern installiert werden, soll aber weniger Streulicht verursacht werden.

Aus Eigeninitiative entstanden

Bereits im Januar 2013 wurde eine Motion der Jungen Grünen erheblich erklärt, die das Stadtpräsidium und die Regio Energie auffordert, ein Konzept für die städtische Strassenbeleuchtung zu schaffen. Darin stellten die Motionäre in Aussicht, dass sich durch bedarfsgerechte Steuerung, die auch Bewegungsmelder beinhaltet, bis zu 15 Prozent Energie sparen lassen.

Das gegenwärtige Projekt der Regio Energie sei aber von diesen politischen Impulsen unabhängig und vielmehr aus Eigeninitiative entstanden, bestätigt Daniel Odermatt, Leiter Netze Strom: «Wir haben schon in der Vergangenheit immer beobachtet, was an neuen Technologien auf dem Markt vorhanden ist.» Gegenüber den Vorschlägen, die 2013 eingebracht wurden, sei die Technologie bis heute perfektioniert worden, weil die jetzt eingesetzten Sensoren der einzelnen Leuchten untereinander kommunizieren.

Hightech im Test

Hinter der Radartechnologie, die unter dem Namen «Comlight Eagle Eye» läuft, steckt die Firma Elektron aus Au ZH. Sie will mit dem Patent der Lichtverschmutzung und auch dem Energieverbrauch entgegenwirken, ohne aber damit Einbussen in Sachen Sicherheit in Kauf nehmen zu müssen.

Das Funktionsprinzip der Technik sieht wie folgt aus: Da die einzelnen, an den Kandelabern installierten Radarsensoren untereinander kommunizieren, können die Strassenlampen vorauseilend auf eine höhere Lichtstärke gebracht werden. Alle Objekte, die sich zwischen 2 und 200 Stundenkilometern bewegen, erfasst das System. Das sind sowohl Fussgänger und Langsamverkehr, wie auch motorisierter Verkehr, die es voneinander unterscheiden kann.

Schreitet nun ein Fussgänger in den Sensorbereich einer Leuchte, so werden beispielsweise vier Kandelaber hochgedimmt, bei Autoverkehr deren acht. Anhand der Geschwindigkeit des Objekts erkennen die Sensoren, wie viele Leuchten wie schnell hochgefahren werden müssen. Ebenso erkennt und filtert das System Umgebungsverhältnisse, die den Sensor potenziell auslösen könnten, beispielsweise Bäume, die durch Wind in Bewegung geraten, oder starken Regen.

Auf Testresultate angewiesen

In der Grundkonfiguration soll das Licht zunächst zwischen 100 und 20 Prozent umschalten, die möglichen Feinabstimmungen werden dann in der Versuchsphase folgen. «Mit diesem Standort in der Weststadt haben wir eine sinnvolle Anwendungsstelle ausgewählt, nämlich eine, wo nicht andauernd Verkehr herrscht», so Odermatt. Allerdings werden auch erst die Testresultate zeigen, wo eine Einführung dieser neuen Technologie wirklich Sinn ergibt.