Lichtblicke

Noëlle Karpf
Merken
Drucken
Teilen

Zappenduster. So sieht die Welt aus, wenn morgens der Wecker klingelt. Und wenn abends der Feierabend ruft. Es gibt Menschen, die mögen die «goldene Jahreszeit». Andern graut es vor dem «grauen Herbst». Umso wichtiger werden schon jetzt Lichtblicke gegen den jährlich wiederkehrenden Blues.

Fröhlich funkeln wird in etwas über einem Monat schon die Weihnachtsbeleuchtung in der Altstadt. Alle Jahre wieder ein echter Lichtblick. Letztes Jahr wurde noch besser. In der Wohnung einer Freundin an der Hauptgasse fiel am Stromkasten ein Detail auf: «Weihnachtsbeleuchtung». Das stand dort tatsächlich über einem Schalter. Ohne allzu grosse Erwartungen legte die kichernde Truppe diesen um. Auf einen Schlag wurde es drinnen still – und draussen dunkel. Zumindest auf dem einen Platz vor dem Fenster. Die Anwesenden stellten sich aber gern vor, Macht über die ganze Stadt zu besitzen. Im Kopf reifte die Idee, vielleicht auch schon im Oktober, bei schlimmen Herbstblues, Lichterketten zu verlegen, und den Schalter nach einem besonders grauen Tag umzulegen. Von Beginn weg wohl nicht die zündenste Idee, mittlerweile wurde sie gänzlich ausgelöscht. Bevor der Herbst hereinbrach, zog die Freundin um. 2020 müssen also andere Lichtblicke her.

Oder gar Erleuchtung, die erfahrungsgemäss auch mit der Konsumation von Glühwein einhergeht. Da 2020 weder Chlause- noch Wienachtsmäret stattfinden, wird man den nicht in der Gruppe vor schön dekorierten Hüttli trinken können. Lichtblick: Man muss auch nicht eine halbe Stunde lang anstehen. Und wer wirklich, wirklich möchte, kann schon im Oktober Glühwein trinken. Einfach Sangria im Denner kaufen und erwärmen. Wir geben 2 von 5 mittelmässig funkelnde Sterne dafür – aber immerhin.

Wir dimmen die noch etwas verfrühte Weihnachtsstimmung runter. Lassen es uns lieber aufgrund von bunten Kürbissen auf dem Märet und quasselnden Kindern, die «biiiiitte Marroniiiiii» möchten, warm ums Herz werden. Anfang November sollte zudem Räbeliechtli Licht ins Dunkle bringen. Nebst den Rüben halten wir auch Manderindli bereit. Seit der Primarschule wissen wir schliesslich, wie wir aus der Schale für einen kurzen Augenblick immerhin ein Flämmchen hinbringen. Wenn das scheitert: Das Flämmli gibt’s natürlich auch in der Bar Ihres Vertrauens. So als kleiner Lichtblick.

noelle.karpf@chmedia.ch