Solothurn

«Leute mit speziellen Gesichtern faszinierten Nico»

Draussen vor der «Krone» ein bisschen mit Opernsängerin Noemi Nadelmann herumschäkern, das war ganz nach Nicos Gusto. Foto: ww

Draussen vor der «Krone» ein bisschen mit Opernsängerin Noemi Nadelmann herumschäkern, das war ganz nach Nicos Gusto. Foto: ww

Die letzten fünf Jahre lebte der Cartoonist Klaus Cadsky in der Stadt Solothurn und hinterliess viele Spuren. In der Krone, wo er Tag für Tag verbrachte, und bei vielen seiner Freunde und Bekannten, hinterlässt Nico eine Lücke.

Eigentlich müsste er jeden Moment auftauchen. Wir sitzen an Nicos Tisch in der «Krone». «Zum Zmorge, zum Zmittag, zum Zvieri, zum Znacht war er da.» Marie-Thérèse Dörfler, die zusammen mit ihrem Sohn Gregory das Hotel führt, vermisst den Dauer-Stammgast der letzten fünf Jahre. Irgendwie wirkt die «Krone» leer ohne ihn. Klaus Cadsky hiess er eigentlich, aber das wussten wohl gar nicht alle, die mit Nico gesellige Stunden in der Gaststube verbrachten. Oder in der Bar. «Früher war er oft dort.

Zuletzt aber nicht mehr. Wegen seiner Gesundheit.» Nico ist allgegenwärtig im Haus. An den Wänden der Bar hängen Nicos Konterfeis von unbekannten wie bekannten Gästen, Nationalrat Pirmin Bischof, Peter Handke, aber auch der verstorbene «Kronen»-Seniorchef Gerry Dörfler. Seine Frau zeigt auf die Speisekarte der «Krone» mit vielen Köpfen, made by Nico: «Wenn er reingekommen ist, hat er alles und alle auf einen Blick gesehen. Die meisten haben es gar nicht gemerkt.»

Zum «Käfele» in die Krone

Dass Nico sie zeichnet. Wie den japanischen Generalmajor und «Kronen»-Gast Sato, was fast zu «diplomatischen Verwicklungen geführt hätte. Einmal aufgeklärt, nahm es der Militär locker. «Leute mit speziellen Gesichtern faszinierten ihn», weiss Marie-Thérèse Dörfler, die einen ganzen Stapel von Nico-Zeichnungen besitzt. «Er brachte mir sie jeweils am Abend vorbei, auch Entwürfe, die gar nicht publiziert wurden.»

Nun fehlt er. Mit Hans Schwarz war er jeweils ab 10 Uhr beim «Käfele», mit der ebenfalls hoch betagten Friedel Ochsenbein pflegte er in der «Krone» eine innige Freundschaft. «Die beiden unterhielten oft das ganze Restaurant und sorgten für viele Lacher», erinnert sich Dörfler. «Nico war immer sehr charmant zu den Frauen.» Ein bestimmter schräger Winkel der Mundecke – nennen wir es ein Lächeln – kündete dagegen Spott an, beissenden vielleicht.

«Nico umgab sich gerne mit Prominenz»

«Was ist Dein Coiffeur eigentlich von Beruf?» war eine Nettigkeit, an die sich Kurt Uebelhart erinnert. In den fünf Jahren Solothurn sass der Journalist fast täglich in der «Krone« mit Nico zusammen. Dieser meinte einst: «Eigentlich sött ich vo däne do übere loh dürebräche.»

Schlafen und Arbeiten war in der Wohnung neben der «Krone», wo auch Nicos Sohn Philip arbeitet, angesagt, sonst suchte Nico die Geselligkeit im und vor dem Restaurant. «Er umgab sich gerne mit Prominenz, suchte aber auch das Gespräch mit jedermann.» Nico liebte das Wortspiel, den Witz – Kurt Tuckolsky war sein Lieblingsautor – «er konnte aber auch schön singen.» Und zeichnen. Auch für Solothurn. 2006 hielt Nico sogar die 1.-August-Rede – als «1.-August-Zeichner».

Eine Zeichnung im Tag

Auch für die Fasnachtszeitung «Postheiri» war sich Nico nicht zu schade, den Stift zu spitzen. Eine heikle Mission. Dem Zeichner von 35000 Cartoons in 37 «Tagi»-Jahren Aufträge zu erteilen, ging das überhaupt? Denn sonst entschied Nico stets selber, was er karikieren, kompakt in eine Szene packen wollte. «Ich kenn mich in Solothurn nicht so aus, Ihr müsst mir schon sagen, was Ihr wollt!» Ein Blick in die «Krone» – war der Meister gut drauf? Bereit fürs Ideen spinnen? Eine spannende Gratwanderung.

Beim Zeichnen durfte man ihm ohnehin nicht zusehen, Nico musste sich konzentrieren. Das hatte schon seine Tochter Natalie als Kind erfahren müssen. Doch die Umsetzung brachte auf den Punkt, was vorher locker diskutiert worden war. Eine zweite «Postheiri»-Mittelseite kam leider nicht zustande. «Weisst Du, ich habe gerade noch die Ruhe in der Hand für die eine Zeichnung im Tag, die ich abliefern muss», sagte Nico ein zweites Fasnachtsexperiment ab. Die Konzentration aufs Wesentlichste, das war seine Stärke. Und so zeichnete er bis zuletzt. Marie-Thérèse Dörfler: «Er hätte es wohl nicht ertragen, wenn ihm das Zeichnen nicht mehr möglich gewesen wäre.»

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