Altes Spital
Letztes Sommerfest im Oberen Winkel

In Solothurn gibt es zu viele Feste. So war das diesjährige Sommerfest beim Alten Spital denn auch das letzte. Trotz kühlem Wetter genossen die Gäste beste Unterhaltung durch heissen Sound.

Ralph Möll
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Siebtes und letztes Sommerfest im Oberen Winkel in Solothurn
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Das Festzellt war gut gefüllt
Gefährt für die ganz Kleinen
Siebtes und letztes Sommerfest im Oberen Winkel in Solothurn 003

Siebtes und letztes Sommerfest im Oberen Winkel in Solothurn

Felix Gerber

Nein, als Wetterfrosch taugt Phipu Gerber nun wirklich nicht. Just in dem Augenblick als der Frontmann der Hardcore Bluesband am Samstagabend einen Sonnenstrahl im Unteren Winkel auszumachen glaubte, setzte nämlich wieder der Regen ein, und zwar mit Vehemenz!

Genauso vehement und intensiv, aber mit deutlich mehr Durchhaltevermögen als das bisschen Niederschlag, rockte die Hardcore Bluesband die Gasse. Schliesslich waren Phipu Gerber und Co. ja auch nicht als Meteorologen engagiert, sondern um den Gästen des Sommerfestes ordentlich einzuheizen. Für die Solothurner Bluesrocker war der Auftritt am Sommerfest eine Premiere. Entsprechend freute sich der Sänger und Gitarrist Gerber, endlich einmal openair vor dem Alten Spital auftreten zu können.

Premiere ist auch Dernière

Einen zweiten Auftritt wird es aller Voraussicht aber nicht mehr geben. Mit der siebten Auflage des Sommerfestes erlebte der Anlass nämlich gleichzeitig seine Dernière. «Das hat sich schon im vergangenen Jahr abgezeichnet», erklärt Eva Gauch, Betriebsleiterin Altes Spital. Man wolle einen Schlussstrich unter das Sommerfest ziehen, weil es in der Stadt mittlerweile sehr viele solche Feste nach dem gleichen Schema gebe. «Und wir wollen nicht machen, was alle anderen machen. Das ist nicht unsere Aufgabe. Unser Anspruch ist, etwas Neues zu entwickeln.» Daher sei der Zeitpunkt gut, um aufzuhören.

Um kurz vor acht war auch für Jamoon der Zeitpunkt zum Aufhören gekommen, und zwar nach einem Set, den das Publikum sehr wohlwollend aufgenommen hatte. Die Solothurner Funk-Combo machte den Auftakt des musikalischen Abendprogramms und animierte dabei den einen oder die andere zum Tanzen. Aufgrund der empfindlich kühlen Witterung war dies eine willkommene Möglichkeit, um sich etwas aufzuwärmen. Wie später auch bei der Hardcore Bluesband blieben Rufe nach Zugaben unerhört. Der enge Zeitplan liess schlicht keine Supplements zu, damit «The Incredible Vegetables» den Besuchern nicht als Mitternachtssnack offeriert werden mussten.

Die Solothurner Partyband bildete schliesslich den musikalischen Abschluss des Sommerfestes. Und mit ihrem bunt gemischten Set, in dem Hits aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, also einer der wichtigsten Epochen der Musikgeschichte, vereint werden, zieht die Band jedes Publikum sofort auf ihre Seite. Dieses «Gemüse» ist garantiert Ehec-frei, dafür hat es einen hohen Suchtfaktor.

Bands bringen «ihr» Publikum mit

Die Verpflichtung dieser drei bekannten Solothurner Bands erwies sich im Nachhinein als kluger Schachzug. «Jede Band bringt quasi ihr eigenes Publikum mit. So hat es trotz des mässigen Wetters ordentlich Festbesucher», erklärte Eva Gauch. Aber das Wetter habe das Fest wohl dennoch etliche Spontanbesucher gekostet, glaubt sie.

Am Samstagnachmittag, an dem ein Programm für die Kinder angeboten wurde, habe man halt improvisieren müssen, sagt Eva Gauch. Damit zum Beispiel die angekündigten Schlangenbrote gebacken werden konnten, musste auf der Krummturm-Schanze mit Zelten eine überdachte Feuerstelle eingerichtet werden. Den Kindernachmittag organisierte das Alte Spital jeweils mit Unterstützung von Insieme und Plusport Solothurn.

Mit dem Kinderkonzert von Christian Schenker und den Grüüveli Tüüfeli ging die Ära des Solothurner Sommerfestes am Sonntagvormittag schliesslich definitiv zu Ende. Ideen für ein neues Projekt sind vage vorhanden: «Wir möchten versuchen, die Themen Jugendarbeit, Integration und Kultur unter einen Hut zu bringen. Dies unter dem Dach des Alten Spitals.» Schliesslich sei dieses heterogene Gebäude das, was das «Alte Spital» ausmache.