Als Passant geht man kaum mit einem guten Gefühl an leeren Schaufenstern vorbei. Zu sehr erinnert die Lücke an einen eingestellten Betrieb, an Zerfall. Nicht so in der leerstehenden Liegenschaft Zuchwilerstrasse 41, beim Südausgang des Hauptbahnhofs, wo Lea Fröhlicher und Sebastian Rotzler mit «Passage» bereits im Mai aus der Not eine (kulturelle) Tugend gemacht haben.

Während des Monats November läuft die zweite Sequenz.

Impro-Musik und visuelle Kunst

Der künstlerische Ansatz, Leerbestände für die kulturelle Bespielung zu nutzen, ist dem Kontrabassisten Rotzler länger bekannt. So war er bereits vor über 20 Jahren bei der Nutzung des Kofmehl-Areals für Rock-Anlässe beteiligt. Zusammen mit Fröhlicher hat er nun im Gebäude beim Hauptbahnhof einen Leerraum mit Ideen gefüllt.

Am Ausgangspunkt stand für den Musiker und «Tonwerker» – wie er sich nennt – auch die Erkenntnis, dass für experimentelle, improvisierte Musik in Solothurn kaum der örtliche Rahmen besteht. «Solothurn ist, im Gegensatz zu Biel, weniger als Stätte für improvisiert-experimentelle Musik bekannt.» So entstand die Idee der Leerraum-Nutzung, die er zusammen mit Lea Fröhlicher, Kunst- und Kulturvermittlerin sowie selbst Kunstschaffende, vertiefte. In diesem Zweiergespann kam es dazu, dass in den Anlässen die Musik und die «Kunst fürs Auge», an der während der Woche gearbeitet wird, gleichberechtigt zur Geltung kommen, ja gar zueinander in einen Bezug gestellt werden.

Wie Lea Fröhlicher ausführt, ist die temporäre Kunststätte bewusst auf Niederschwelligkeit ausgerichtet: «Es ist mein Anliegen, dass wir einen Ort haben, wo auch Unfertiges, Prozesshaftes Platz hat. Die Werke dürfen Verwirrung auslösen und sollen unmittelbar sein.» Kein Grundwissen oder Kunstexpertenstatus soll für einen Besuch nötig sein. Und auch Fragen wie «Ist dies Kunst?» oder «Ist dies Musik?» müssen erlaubt sein.

Der Aufbau der Freitagsprogramme erlaubt zudem ein Kommen und Gehen – oder ein ohrvoll, das lediglich «vom Türrahmen aus» genommen wird.

Eine durchaus mobile Kulturidee

Für ihr Projekt haben Fröhlicher und Rotzler nun zum zweiten Mal die Unterstützung der kantonalen Kulturförderung erhalten. «Und die Liegenschaftsverwalter, die sich für die Idee begeistern liessen, sind uns sehr entgegengekommen», finden beide. Darüber hinaus werden die Hauptkosten – Gagen und Werbeausgaben – auch mit Kollekten finanziert.

Ob es zu einer dritten Sequenz kommen wird, wissen die beiden Kulturschaffenden noch nicht. Und auch nicht, ob eine solche gleichenorts stattfindet: «Es handelt sich ja bewusst um eine Zwischennutzung», so Rotzler. Und irgendwo wird es sie immer geben, die Leere, die sich mit Kultur befüllen lässt.