Solothurn
Leere Stühle und Kassen: FC Solothurn sucht nach finanzkräftigem Präsidenten

Auch die Generalversammlung brachte noch keine Ruhe in den Traditionsverein. Noch immer fehlt dem FC Solothurn ein Präsident, der auch finanziell Abhilfe schaffen kann. Der Verein kämpft nämlich weiterhin mit Schulden.

Wolfgang Wagmann
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Leere Sitze sind vor allem in der Geschäftsleitung des FC Solothurn zu besetzen.

Leere Sitze sind vor allem in der Geschäftsleitung des FC Solothurn zu besetzen.

Hanspeter Bärtschi

Es wurde knapp dazu eingeladen und sie wurde eher diskret abgewickelt: die auch spät im Jahr angesetzte Generalversammlung des FC Solothurn. Zurück blieben 60 offenbar nicht sehr zufriedene Vereinsmitglieder, denn der Geschäftsleitung wurde die Décharge verweigert. Immerhin konnten Erhard Lüthi als Sport- und Claudio Capelli als Marketingchef gewählt werden, neu in der Geschäftsleitung ist das bisherige Vorstandsmitglied Francisco Fernandez, verantwortlich für Transfers.

Doch fehlt neben dem Finanzchef immer noch ein Präsident, denn formell bestätigt wurden die Abgänge von Ex-Präsident Stefan Aegerter und -Vize Meinrad Schönbächler nach der turbulenten und laut der restlichen FC-Führung nicht abgesprochenen Entlassung von Trainer Roland Hasler im Frühling. Der zwar noch den FC Solothurn vor dem Abstieg bewahren konnte, den Club aber dann doch auf die neue Saison hin verliess.

Über die Klinge gesprungen war in diesem Zusammenhang auch Sportchef Peter Grütter. Die nun bestätigten Rücktritte hätten eine Lösung «zum Wohl des Vereins» herbeigeführt, betont Medienchef Jürg Naegeli. Und bestätigt: «Wir sind auf der Suche nach einem neuen Präsidenten. Nebst Führungsqualitäten sollte er einen soliden finanziellen Background haben. Alle Clubs in der Schweiz suchen solche Persönlichkeiten, nur 10 Prozent davon verfügen über solche.»

Noch mehr Schulden

Bei der Suche setzt die Geschäftsleitung auf das Netzwerk der «Freunde des FC Solothurns», die auch wieder für Einnahmen von 94 000 Franken sorgen sollen. «Zudem setzen wir in der ersten Mannschaft auf junge, eigene Kräfte, was uns 56 000 Franken weniger Kosten bringt», so Naegeli. Mitgliederbeiträge von 154 000 und Werbeeinnahmen von 291 000 Franken ergaben ein Budget mit 35 000 Franken Gewinn vor Abschreibungen, nachdem das diesjährige weit am Ziel «ausgeglichen» vorbeigeschossen war.

Transfererlös: 70 000 Franken für Renato Steffen sind weg

Vor zwei Jahren hatte sich der FC Solothurn an den Weltfussballverband FIFA gewandt, um allenfalls aus dem 21-Mio.-Transfer von Gökhan Inler von Udinese nach Napoli Kapital schlagen zu können (wir berichteten). Der Transfererlös für den FCS als Ausbildnerclub des jungen Inler wurde jedoch abgeblockt. Ein solcher werde nur entrichtet, wenn ein Wechsel zu einem Club in einem anderen Land erfolge. So müsste der FC Solothurn weiterhin auf einen Inler-Transfer nach England, Deutschland oder Spanien hoffen. Mehr Glück hatte der FCS beim Transfer Renato Steffens vom FC Thun zu YB. «70 000 Franken Transfererlös sind geflossen», bestätigt Jürg Naegeli für den Solothurner Club. Allerdings ist das Geld im Aufwand versickert - wohin, dazu gebe er keinen Kommentar ab, so Naegeli. Und dementiert lediglich, dass das Geld für Verpflichtungen des FCS gegenüber Ex-Trainer Roland Hasler gebraucht worden sei. «Das ist purer Unsinn», meint der Medienchef. (ww)

Trotz eines erklecklichen Transfererlöses (vgl. Kasten) resultierte ein Defizit von 4500 Franken, sodass die Gesamtschulden auf 169 000 Franken kletterten. Rechnung und Budget mussten von FCS-nahen Finanzfachleuten in Fronarbeit erstellt werden – trotzdem fanden die Mitglieder, es gebe noch einiges abzuklären und verweigerten deshalb der Klubführung die Entlastung. Dazu Jürg Naegeli: «Wir haben jedoch alles auf den Tisch gebracht.»

Im übrigen muss der FC Solothurn bis Ende 2014 noch den Rest an den 2009 erstellten Kunstrasen an die Stadt abstottern – «75 000 der insgesamt 150 000 Franken Vereinsbeitrag hat der FC Solothurn bis jetzt bezahlt», bestätigt Solothurns Finanzverwalter Reto Notter auf Anfrage.

An der von Ehrenpräsident André Miserez geführten Versammlung wurden zudem das Spiel der Schweizer Olympia-Auswahl gegen Senegal und das Jubiläumsspiel Basel gegen Kaiserslautern gewürdigt, ebenso die herausragenden Erfolge der Nachwuchsabteilung . Zu diskutieren gaben weiter die Anforderungen ans Sicherheitsdispositiv in der 1. Liga, insbesondere im Spiel gegen den FC Baden. Zu Ehrenmitgliedern wurden Ueli Trüssel und Silvio Bähler ernannt.