Solothurn
Leere Strassen aber ausverkauftes Gebäck: Kann die Maske den Märet retten?

Ein Rundgang über den Samstagsmarkt in Solothurn, wo jetzt auch Maskenpflicht gilt.

Hans Peter Schläfli
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Diszipliniertes Marktpublikum: Praktisch alle Besucher hielten sich anstandslos an die Maskenpflicht.

Diszipliniertes Marktpublikum: Praktisch alle Besucher hielten sich anstandslos an die Maskenpflicht.

Michel Lüthi

Zu normalen Zeiten kommt man an einem Samstagmorgen mit einem Kinderwagen kaum durch die Solothurner Altstadt. Diesmal passte aber auch ein doppelt breiter Zwilling-Sportwagen problemlos durch die Leute, die auf dem Solothurner Märet frische Lebensmitteln aus der Region direkt von den Produzenten kaufen wollten. War der hartnäckige Nebel oder die Maskenpflicht daran schuld?

Die Prominenz liess sich den Marktbesuch nicht vermiesen. Obergerichtspräsident Daniel Kiefer und Nationalrätin Franziska Roth plauderten beim Stand der «Perspektive», die für die Gassenküche Geld sammelte. Weil das traditionelle Röstiessen wegen dem Virus abgesagt werden musste, gab es bei der «Perspektive» diesmal nur den Rohstoff, also rohe Kartoffeln zu kaufen.

«Es ist wie es ist, und wir müssen es akzeptieren»

Die Anbieter hielten sich mit einer einzigen Ausnahme, einer jungen Frau hinter einem Stand mit biologischen Naturprodukten, konsequent an die Maskenpflicht.

Auch bei den Kunden trugen 99 Prozent einen Nasen-Mundschutz. Das freute Stadtschreiber Hansjörg Boll, der wie fast jeden Samstag auf dem Märet anzutreffen war: «Es ist wichtig, dass sich alle an die vom Bund angeordnete Maskenpflicht halten, sonst müssen wir den Markt wieder schliessen, und das wäre schade», sagte Boll, der wie viele Maskenträger damit zu kämpfen hat, dass sich in der Kälte die Brillengläser bei jedem Atemzug beschlagen. «Für die Marktfahrer ist es eine Frage des finanziellen Überlebens, dass wir uns aus Solidarität an die Vorschriften halten. Ob es einem gefällt oder nicht, es ist wie es ist, und wir müssen es akzeptieren.»

Das Gebäck der Familie Lanz vom Berghof Montpelon oberhalb Gänsbrunnen war um elf Uhr schon fast ausverkauft. «Unser Ziel ist es, dass nichts mehr übrig bleibt», erklärte Elsbeth Lanz die Planung für ihren Stand. Sie ist auch die Stimme der Interessengemeinschaft Märet und sagt: «Wir hoffen, dass durch die Maskenpflicht nun auch die Kunden, die unsicher waren oder sind, sich wieder vermehrt zum Einkauf auf dem Markt wagen», zog sie eine erste Bilanz. «So gesehen würde die Maskenpflicht für uns Vorteile bringen und uns Marktfahrern ein gesichertes Einkommen ermöglichen.» Denn was würde zum Beispiel Manuel Schletti aus Seewen mit seinen Pilzen machen, sollte der Märet wieder ganz verboten werden? «Darüber habe ich noch gar nie nachgedacht», meinte Schletti. Das Bein gipst man sich ja auch erst dann ein, wenn es tatsächlich gebrochen ist.