Trachtenfrauen

«Ledertäschli oder Plastiksack geht gar nicht zur Tracht»

Theres Munzinger (l.) in der Solothurner Ausgangs- oder Werktagstracht, Maja Ochsenbein und in der Sonntagstracht.

Theres Munzinger (l.) in der Solothurner Ausgangs- oder Werktagstracht, Maja Ochsenbein und in der Sonntagstracht.

Maja Ochsenbein und Theres Munzinger sind in der Trachtenvereinigung der Stadt Solothurn aktiv — es ist die zweitälteste im Kanton. Die beiden Frauen freuen sich auf die Delegiertenversammlung, wo alle kantonalen Trachtenvereine vertreten sein werden.

Frauen in Trachten sieht man gewöhnlich eher auf dem Land als in der Stadt. Doch was nur wenige wissen: In der Stadt Solothurn existiert die zweitälteste Trachtenvereinigung des Kantons Solothurn. Präsidentin Maja Ochsenbein (69) und Tanzleiterin Theres Munzinger (52) besuchten in ihren wertvollen Kleidern die Redaktion «auf einen Kaffee» und berichteten von ihrem volkskundlichen Hobby.

Grund für dieses Zusammentreffen ist der kommende Freitag. Dann findet nämlich in Solothurn die 82. Delegiertenversammlung der Solothurner Trachtenvereine statt. Seit 82 Jahren existiert im Kanton also dieser Verband; doch noch länger, nämlich schon 90 Jahre, gibt es die Trachtenvereinigung Solothurn Stadt und Umgebung.

Bekanntlich hat jeder Kanton und gar auch manche Region eine eigene Tracht. Auch der Kanton Solothurn. Insgesamt 18 verschiedene Gewänder sind in einer Dokumentation, welche der Solothurner Trachtenverband 2011 herausgab, aufgezählt. Neben der Solothurner Tracht, die es als Ausgangs- und Werktagstracht, als Sonntagstracht und als Festtagstracht gibt, hat die Stadt Olten, Dulliken, das Schwarzbubenland und der Bucheggberg eine eigene Tracht.

Die Männertrachten sind mehrheitlich identisch – schwarz in der Stadt, braun auf dem Land –, ausser bei den Schwarzbuben. Sie kleiden sich seit etwa zehn Jahren mit ihrem typischen schwarzen grossen Hut. Das erklärt Maja Ochsenbein. Sie ist eine «strenge» Trachtenfrau. «Ledertäschli oder gar Plastiksack zur Tracht, das geht gar nicht».

In der Pubertät gar nicht gerne

Maja Ochsenbein ist von ihrem bäuerlichen Elternhaus her mit dem Trachtenwesen verbunden. «Ich wusste nichts anderes. Tracht tragen im Verein oder zu speziellen Veranstaltungen war immer normal». Und auch bei Theres Munzinger war schon der Vater ein begeisterter Trachtentänzer. «Allerdings gab es dann in der Pubertät bei mir einen Bruch und ich zeigte mich bei meinen Kollegen gar nicht mehr gerne in der Tracht», erinnert sie sich. «Doch heute ist das wieder ganz anders. Ich liebe das Trachtentragen.»

Meist sei es noch immer so, dass eine Tracht und die Begeisterung dazu von Mutter zu Tochter weitergegeben werde. «Doch wir haben auch Vereins-Mitglieder, die sich von sich aus fürs Trachtenwesen interessieren und sich die Gewänder auch selbst anschaffen.» Wann hat man denn heute noch Gelegenheit, eine Tracht zu tragen? Vor allem bei den Vereinsaktivitäten meinen Maja Ochsenbein und Theres Munzinger, an unserer GV, beim Abendbummel und natürlich an unseren Tanzanlässen.

Eine Tracht ist ein wertvolles, mehrteiliges Kleidungsstück. Entsprechend müsse auch darauf geachtet werden. «Glücklicherweise gibt es in Flumenthal eine Trachtennäherin. Sie kann eine Tracht ausbessern oder fachmännisch ‹auslassen›, wenn das nötig wird, und natürlich auch eine nähen», berichtet Ochsenbein. Wer für ein Familienfest oder einen anderen Anlass auch einmal in eine Solothurner Tracht schlüpfen will, könne sich gar bei der Solothurner Trachtenvereinigung melden. Dort werden Trachten nämlich auch vermietet.

Frauen tanzen mit Frauen

In der Trachtenvereinigung Stadt Solothurn und Umgebung sind zwei Abteilungen, eine Tanz- und eine Singgruppe integriert. «Jede Woche probt alternierend die eine oder andere Gruppe im Vorstadtschulhaus», sagt Munzinger. Sie ist die Tanzleiterin und erklärt, dass man in Solothurn mehrheitlich das traditionelle Tanz-Repertoire pflege.

In der Singgruppe seien es die beliebten Josef Reinhardt-Lieder, die immer wieder gesungen würden. Derzeit zählt die Solothurner Vereinigung 32 Mitglieder, jedoch – wie bei vielen anderen Vereinen auch – fehle die Generation 20 bis 40. «Die jungen Leute kommen und gehen», sagt Theres Munzinger.

Zur kommenden Delegiertenversammlung am Freitag werden Vertreter aller kantonalen Trachtenvereine, sowie der befreundeten ausserkantonalen Vereine erwartet. «Wir haben die DV schon lange nicht mehr durchführen können. Zu unserem 90-jährigen Bestehen denken wir, dass es passend ist», sagt die Präsidentin.

Auf einen weiteren Höhepunkt im Trachtenleben freuen sich die zwei Frauen heute schon: auf das kommende Unspunnenfest 2017 in Interlaken. Bereits heute würden dafür Tänze und Lieder geprobt.

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