Katharina Arni

Leben für die Zeitung: Immer wieder sonntags gab es viel zu tun

Katharina Arni schreibt seit 48 Jahren für die "Solothurner Zeitung".

Katharina Arni schreibt seit 48 Jahren für die "Solothurner Zeitung".

1972 fand die Solothurnerin Katharina Arni ganz zufällig den Weg zum Schreiben für die Tageszeitung. Eine Passion, der sie bis heute treu geblieben ist. Und eine Zeit, in der sie sich ein enormes Wissen über lokale Themen angeeignet hat.

«Katharina, hesch am Samschdi Zyt für üs?» Wie oft hat sie diesen Satz gehört. Und «Ja» gesagt. Auch wenn es um den Montag, Dienstag oder Freitag ging. Doch oft waren ihre Artikel am Wochenende gefragt. «Ich habe manchen Sonntagmorgen gearbeitet», erinnert sich Katharina Arni an Einsätze auf dem geliebten Märet, im Stadttheater oder an Versammlungen. Es waren wohl Tausende seit 1972. «Nur zweimal habe ich einen Auftrag vergessen.» So die Eröffnung des Naturmuseum-Depots im «Rosengarten» an einem Samstag. «Am Sonntag um 8 Uhr ist es mir eingefallen. Mittags hätte ich den Artikel abliefern sollen.» Sie holte den damaligen Konservator Walter Künzler in Aeschi aus den Federn. «Du meinst aber nicht, dass ich jetzt den Artikel schreiben soll?», habe Künzler gefragt. Doch er tat es.

«Von Tuten und Blasen keine Ahnung»

Katharina Arni war immer in Solothurn zu Hause – bis auf ein Jahr Anfang der Sechziger, als sie in Paris und London weilte. Der kaufmännischen Angestellten sollten ihre Sprachkenntnisse später noch von Nutzen sein. «Es herrschte dort eine Aufbruchstimmung, die mir sehr gefallen hat.» Juliette Greco oder Jazzer Chris Barber, der gleich nebenan wohnte, waren ihre künstlerischen Idole. «Und gerne hätte ich in Florenz noch Italienisch gelernt.»

Doch es sollte anders kommen. Ihr Vater hatte Beziehungen zur Roamer Watch und «verkuppelte» seine Tochter an die dortige Werbeabteilung. Sie gehorchte und trat die Anstellung an. Ein interessanter Job, hatte sei doch unter anderem die Hauszeitung der Uhrenfirma zu betreuen. Fünf Jahre lang, dann arbeitete sie für die inzwischen kriselnde Roamer von zu Hause aus weiter – sie wurde erstmals Mutter. «Das war damals halt so.» Eine weitere Tochter und ein Sohn sollten folgen, doch nun fand sie ihre neue Berufung. «Ich war als einzige Frau im Verband der Schweizer Hauszeitungen dabei». Und dort hatte sie Kontakt mit Heinz Bürki, inzwischen als Stadtredaktor bei der «Solothurner Zeitung» angestellt. «Er fragte mich 1972, ob ich nicht für die Zeitung Artikel schreiben möchte.» Ihr erster Einsatz: Ein Podiumsgespräch zum Thema Schwangerschaftsabbruch. Katharina Arni: «Ich hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung.»

«Ich habe gerne recherchiert»

Doch sie schrieb. Und der Erfahrungsschatz wuchs. Sie konnte es auch nicht lassen. «Wenn man älter wird, muss man aktiv bleiben.» Ihr Jahrgang bleibt Katharina Arnis Geheimnis - «aber inzwischen gehöre ich zur Hochrisiko-Gruppe», scherzt sie. Ihre Stärke war der Umgang mit Menschen. «Ich habe stets gerne recherchiert», erinnert sie sich vor allem auch an Kolumnen wie das samstägliche Porträt «Namentlich aufgefallen» in Zusammenarbeit mit dem 1993 verstorbenen Zeichner José Mercier. Oder an den «Märetbummel» und vor allem den allwöchentlichen «Koch-Tipp.» Dafür habe sie zuletzt alles kontaktiert, «was kochte. Und dabei oft die ganze Biografie der Gesprächspartner erfahren.»

Ihre ganz grosse Leidenschaft war jedoch die Stadtgeschichte. Jahrelang hatte sie auf der Denkmalpflege mit Experten wie Georg Carlen, Benno Schubiger oder Markus Hochstrasser, kurz «Maho», zusammengearbeitet. «Obwohl dieser nicht ganz einfach war.» Aber das angeeignete Wissen floss in manche historische Serie über Solothurns Bauten, Hinterhöfe, Gassen und Quartiere ein. Viel Feedback habe sie dazu erhalten, so auch zur «Couronne»-Serie anlässlich der Wiedereröffnung 2017.
Kaum ein Thema war ihr fremd, ob Theater, Fasnacht, Soziales oder auch Wirtschaftliches; stets war die Text-Qualität garantiert «ka»-like – so auch ihr Kürzel. Nur mit der Politik, mit der wurde sie nie richtig warm. «Parteiversammlungen der SP waren meist chaotisch, die der CVP brav.»

Immer auf der Höhe ihrer Zeit

Die 48 Jahre haben viele technische Veränderungen gebracht – einiges blieb Katharina Arni. «Ich brauche noch heute die einst erlernte Stenografie. Und immer wieder fragen mich Leute: Steno? Was isch das?» Sie lacht. Im Garten hinter dem Reihenhaus bricht eine zweite Gesprächsstunde an. Ja, das Französisch habe ihr stets bei Artikeln zum Cercle romande geholfen. Dann der Umstieg auf den Computer. Nächtelang habe sie deswegen mit der Olivetti-Zentrale in Zürich telefoniert. Doch vorher waren die Zeiten noch exotischer: «Jeweils am Sonntag stieg ich aufs Velo und brachte das mit der Schreibmaschine getippte Manuskript in die Vogt-Schild runter. Dort schrieben die Erfasserinnen das Ganze nochmals ab.»

Tempi passati. Die Zeitung hat ihr Leben mitgeprägt, viel von ihrer Zeit beansprucht. Und doch – Katharina Arni hat sie stets gehabt. Merci!

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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