Plötzlich schiessen sie aus dem Altstadtpflaster und sähen bunte Farbtupfer auf den Kronenplatz - 70 kleine und grosse Fliegenpilze der Kinderkrippe Sunneschyn in Langendorf. «Die Eltern haben abends gebastelt, die Kinder in der Krippe», erzählt Leiterin Verena Roth. Zusehends füllt sich der Platz bis Peter Keller, Ober der Narrenzunft Honolulu, vom «Krone»-Balkon aus die närrische Proklenmazion verliest - und damit das Startsigenal für den Narrenochwuchsumzug gibt. Angeführt von den Jungtambouren sorg die Zunft-Lok Lulo 3 mit der Hilarimusig an Bord für den ersten Höhepunkt.

Am Narrenseil ziehen die historischen Zunftfiguren wie Casanova, der Postheiri, Pfarrer Michel und viele andere mehr Hilarius Immergrün und den Oberschessler durchs Getümmel. Guggen wie die Mamfi, Aarejätter, Guggeschränzer und Wybeeri spielen sich für die grossen Umzüge ein, bereichern aber auch die Farbenpracht des Umzuges. Die schräge Combo di Salsa, die Kindergugge Spriesseli und vor allem die sehr effektvollen Daltons-11-Schränzer mischen lautstark mit. Aber auch ein Trüpplein Ambassadonner oder die Schnitzelbankgruppe Spötterfunkä verstärkt als Jagdgesellschaft auf Bärenhatz sorgen für optischen Mehrwert.

Am Bieltor vorbeigezielt

Acht Nachwuchs-Gruppen haben sich zur Prämierung durch eine Jury der Vereinigten Fasnachtsgesellschaft Solothurn UNO angemeldet. Gleich zwei davon wählen die Ghüderverwertung über das Kehrichtsack-Kostüm: die Jugendarbeit Unterleberberg sowie die Tagesschule Vorstadt. Viel Detailarbeit steckt hinter den Ghüder-Fraueli und -Männli. Mit riesigen Strohhüten und ausgestreckten Armen holen sich dagegen die Bsetzischteibisser Applaus in den dichten Publikumsreihen.

Umzug des Solothurner Narrennachwuchses

Umzug des Solothurner Narrennachwuchses

Die «Notetschauper» sind eindeutig zu identifzieren, während die rotweiss gestreifte Familiengruppe mit dem Süschée «Wo ist Walter?» doch eher für Irritationen sorgt - wer um Himmelswillen ist Walter? Die «Bieutorspränger» aus Günsberg haben mit ihrem Pedalo-Gefährt ein ganz anderes Handicap: Ausgerechnet vor ihrem Objekt der Begierde, dem Bieltor, biegt nämlich der Umzug ab in die Schmiedengasse. Nichts also mit Sprengen...

Und ein Hauch von Venedig

Gäng wie gäng ausser Konkurrenz, aber bereits im Design für den grossen Umzug präsentieren sich die Gassefäger als Gondoliere und venezianische Damen - Kostüme der Extraklasse übrigens, gekrönt von kokett-abweisenden Masken. Damit dürfte die inzwischen 25-jährige Mütter- und Kindergruppe auch am Sonntag und Dienstag viel Applaus einheimsen. Solcher gebührt aber auch der organisierenden Narrenzunft Honolulu und den Tee spendenden Stedtligumslen unten im «Zielgelände» beim Landhaus.

Ein farbenprächtiger, kreativer Corso findet hier zwar sein Ende, doch drinnen ist jetzt die Bahn frei für die grosse Bööggli-Party der Kleinen. Diesen gehört nämlich der Nachmittag des Schmutzigen Donnerstags, ihnen gehört aber auch die Zukunft der Solothurner Fasnacht. Ohne Nachwuchs - das hatten die erwachsenen Zünftler Ende der 70er Jahre erkannt - könnten dereinst Traditionen verloren gehen, die Solothurn für eine Woche zur Fasnachtshochburg machen.

Das ist der Hintergrund des 1980 durch die Narrenzunft Honolulu lancierten Narrenochwuchsumzuges. Auch wenn die Beteiligung am Donnerstag wegen der Sportferien dünner als auch schon war - die Idee dahinter behält ihre Gültigkeit.