Langendorf
Langendorfer erteilen Fusion mit Solothurn deutliche Abfuhr

444 Fragebogen – so viele wie in keiner anderen Gemeinde – sind in Langendorf ausgefüllt worden. Das Verdikt ist deutlich: 73,3 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner möchten nicht mit Solothurn und fünf weiteren Regionsgemeinden fusionieren.

Rahel Meier
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Bellach, Langendorf, Solothurn, Zuchwil, Biberist, Luterbach und Derendingen ergäben eine neue Stadt mit 50 000 Einwohnern

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Peter Brotschi

Gemeindepräsident Hans-Peter Berger beantragt deshalb, dass der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am kommenden Montag den Ausstieg aus dem Projekt beschliesst. Dies, obwohl Berger das Projekt persönlich weiterhin unterstützt. «Ich finde ein Aussteigen aus diesem interessanten Projekt schade und empfinde es als verpasste Chance für unsere Gemeinde», schreibt Berger im Antrag an den Gemeinderat. «Meine persönliche Meinung deckt sich aber nicht mit der Meinung der Einwohner», so Hans-Peter Berger.

Gemeinderat eher negativ

Der Rücklauf der Fragebogen war hoch in Langendorf. Die Meinung einer Zweidrittel-Mehrheit klar: keine Fusion mit der Stadt Solothurn und auch keine weiteren Gespräche darüber. Die meist genanten Gründe für diese klar ablehnende Haltung sind in Langendorf die bereits gut funktionierende Zusammenarbeit mit Oberdorf und Rüttenen und der Steuersatz.

«Dazu kommt», so Berger, «Dass auch der Gemeinderat gespalten ist und nicht geschlossen hinter dem Projekt steht.» Schon die Einberufung der Informationsveranstaltung war ein Hürdenlauf, der mit 5:3 Stimmen, bei einer Enthaltung, die Stimmung im Gemeinderat deutlich wiedergibt.

Als bemerkenswert empfindet Berger die Tatsache, dass der weitaus grössere Teil der Einwohner, die den Fragenbogen zurückgeschickt haben, auch mit Namen zu den Antworten steht. «Und zwar vor allem diejenigen, die sich negativ äussern.» Ein grosser Teil dieser Votanten seien im Übrigen fleissige Gemeindeversammlungsbesucher. «Spätestens dort wird das Projekt endgültig gebodigt», ist sich Berger sicher. Er geht davon aus, dass der Gemeinderat am nächsten Montag den Ausstieg aus dem Projekt beschliessen wird. Eine ausserordentliche Gemeindeversammlung werde es wohl nicht geben, da die Meinungen gemacht seien.

Konzentration auf Bestehendes

«Wir werden uns nun auf unsere Gemeinde konzentrieren.» Es sei möglich, dass die bestehenden Zusammenarbeiten mit den Nachbargemeinden Oberdorf und Rüttenen verstärkt würden. Es gebe durchaus Bereiche, in denen dies Sinn machen würde. Tatsächlich können sich einige Langendörfer eine Fusion mit diesen beiden Gemeinden vorstellen und haben – obwohl diese Frage nicht Gegenstand der Umfrage war – sich positiv zu dieser Idee geäussert (siehe auch unten).

Keine Überraschung

Marin Blaser (Gemeindepräsident Biberist und Co-Präsident Projektrat) nimmt die Neuigkeiten aus Langendorf gelassen auf. «Das hat sich so abgezeichnet», meint er auf Anfrage. «Wir sind die erste Generation, die ein solch grosses Projekt diskutiert.» Dass nicht alle davon begeistert seien, sei normal. Im Kanton Solothurn sei es Tradition, dass eine Fusion von unten her wachse. So sei gerade erst eine Fusion mit zehn Gemeinden im Bucheggberg angenommen worden. Blaser geht davon aus, dass sich Biberist weiter am Fusionsprojekt beteiligt und hofft, dass weitere Gemeinden mitziehen werden.

Kurt Fluri (Stadtpräsident Solothurn, Co-Präsident Projektrat) bedauert diesen Entscheid, ist aber ebenfalls nicht überrascht. «Die Arbeit am Projekt war interessant, die Auswertung der Fachhochschule hat gezeigt, dass ein Mitgehen von Langendorf Sinn machen würde», meint Fluri. Für ihn ist zudem klar, dass das Thema damit nicht begraben ist. Die Siedlungspolitik mache eine enge Zusammenarbeit auch künftig unerlässlich. Kommentar rechts

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