Stadttheater
Lampenfieber beim Theaterlen währte nicht lange

Das Kindercasting zu «Die Katze auf dem heissen Blechdach» fand diese Woche auf der Probebühne in Solothurn statt. Die Kinder boten der Jury eine spannende und witzige Vorstellung. Sie hatten Freude am Theaterspielen und gaben ihr Bestes.

Melanie Riedi
Drucken
Teilen
Was wird wohl beim Casting alles auf uns zukommen?
18 Bilder
Regisseur Dominik von Gunten gibt Anweisungen zum Casting
Den Mädchen und Buben steht ein Pantomimen-Part bevor
Dominik von Gunten zeigt eine Übung vor
Wer will mit der Übung beginnen?
Die wilde Rockband performt Happy Birthday
Ein Knabe tanzt ständig aus der Reihe
Mädchen gibt Vollgas beim Pantomimen
Nachwuchsschauspielerin wartet gespannt auf das Urteil der Jury
Was wollte die junge Kandidatin dem Publikum wohl vorzeigen?
Regisseur gibt Anweisungen
Wer wird wohl als erstes seinen Lieblingsberuf pantomimen?
Kindercasting beim Theater Biel-Solothurn
Die Gruppe wird beraten
Kinder und Eltern hören gespannt zu
DU kommst auch noch in diese Gruppe
Nachwuchsschauspieler schneidet eine Grimasse
Die Kinder laufen im Probelokal wild durcheinander

Was wird wohl beim Casting alles auf uns zukommen?

Hanspeter Bärtschi

24 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren treten an zwei Abenden zum Casting auf der Probebühne in Solothurn an. Pünktlich um 17 Uhr werden die Kinder und deren Eltern vom Basler Regisseur begrüsst. Dominik von Gunten und drei weitere Theaterschaffende sitzen in der Jury. Die meisten Buben und Mädchen wirken ziemlich nervös. Jedes Kind bekommt ein Namensschild und wird fotografiert. Nachdem alle Formulare ausgefüllt sind, erzählt von Gunten, worum es in Tennessee Williams Stück genau geht. «Ich finde, es ist ein wirklich tolles Theaterstück. Es ist aber auch traurig und heftig»: damit schliesst von Gunten seine Ansprache ab.
Der Regisseur informiert die Kinder und die Eltern, dass im Stück einige heikle Themen behandelt werden. «Mir ist es sehr wichtig, dass die Eltern mit ihren Kindern offen über diese Themen reden», sagt von Gunten. So geht es im Stück um Krankheit, Tod, Trinksucht, Verlogenheit und Habgier. Nun werden die Eltern freundlich gebeten, im Nebenraum auf ihre Kinder zu warten. Denn diese sollen sich beim bevorstehenden Casting so natürlich wie möglich verhalten und sich möglichst unbeobachtet fühlen.
Die Nervosität schwindet
Das Casting selbst beginnt mit einer Auflockerungsübung. «So, jetzt hüpfen wir einmal ein wenig im Kreis herum», ist von Guntens erste Anweisung. Schon nach kurzer Zeit verlieren die meisten Kinder ihre Nervosität und geben lachend Vollgas. «Macht einmal wie ein Pferd!», sagt der Regisseur. Das bereitet ihnen sichtlich Spass. Nun müssen die Kinder den Regisseur beschimpfen. Dabei verfliegen die letzten Hemmungen vollständig. «Nun gehen wir gemeinsam auf eine Reise», verkündet von Gunten und weist die Kinder an, sich nun alle Situationen bildlich vorzustellen.

Die Kinder spazieren im Raum umher. Sie tun so, als ob sie in tiefem Wasser waten würden oder versuchen zu inszenieren, wie man mit schmutzigen Schuhen durch den Schlamm geht. Ebenso wandern sie imaginär auf den Weissenstein. Einige scheinen alles um sich herum zu vergessen und leben in diesem Moment nur fürs «Theaterlen». Sie lachen fröhlich, sind sehr konzentriert und geben sich Mühe, die Aufgaben so gut wie möglich auszuführen. «Stellt euch vor es regnet und ist kalt...», sagt der Regisseur. Auf Anhieb stellen sich die Kinder auf die neue Situation ein. Die Mädchen und Buben machen «brrr» und ziehen sich die Kapuzen über den Kopf. Einige schlottern. «Jetzt gehen wir über ganz heissen Sand», fährt der Basler Regisseur fort. Die Kinder beginnen von einem Bein aufs andere zu springen und schreien «aua!». Zwischen den verschiedenen Übungen lobt von Gunten immer wieder: «Das macht ihr wirklich sehr gut!».
Luftgitarrenspiel und Schatzsuche
In Vierergruppen treten die Kinder nun auf wie in einer Rockband. «Happy Birthday» sollen sie singen und dazu Luftgitarre spielen. Die erste Gruppe verhält sich gemäss Vorgabe frech, stürmisch und energiegeladen. Die zweite hingegen sehr brav. Wenn der erste Versuch dem Regisseur jeweils noch etwas zu scheu daher kommt, wird die Gruppe zu einem zweiten, überzeugenderem Auftritt aufgefordert.
Nach einem Pantomimen-Part wird zu viert eine andere Situation dargestellt: Eine Mutter soll ihre vier am Boden liegenden Kinder morgens zum Aufstehen bewegen. «Du musst sie wecken!», ertönt es vom Regisseur. Vehement lehnen sich die Kinder gegen den mütterlichen Wunsch auf und weigern sich zu gehorchen.
«Stellt euch vor, ihr würdet einen vergrabenen Jahrhundertschatz finden», erklärt von Gunten. Als eingeborene Häuptlinge wehren sich zwei Mädchen gegen die fremden Schatzsucherinnen, die versuchen auf ihre Insel vorzustossen. Ganz im Element schreit eines der Mädchen: «Wir müssen die Eindringlinge auffressen!» darauf das andere: «Komm, hilf mir sie einzufangen!». Hilferufe, Kampfgeschrei, auf der Probebühne bricht ein wilder Verfolgungskampf aus.
Freude am «Theaterlen»
Nach dem Casting erzählt Julia Tobler aus Herzogenbuchsee: «Es hat mir viel Spass gemacht. Ich spiele schon seit acht Jahren bei Theateraufführungen von der Musikschule Langenthal mit. Wir führten bereits Jim Knopf, Heidi und Zora auf.» Auf die Frage, ob es den Eltern denn nichts ausmache ihre Kinder mehrmals zu den Theaterproben bringen zu müssen, ist die allgemeine Antwort: «Nein, für unsere Kinder machen wir das gerne.»
Die Kinder boten der Jury eine spannende und witzige Vorstellung. Sie hatten Freude am Theaterspielen und gaben ihr Bestes. Diejenigen, die schliesslich für das Theaterstück ausgewählt wurden, werden von Februar bis Mitte März dieses Jahres jeweils in Solothurn proben.