Solothurn
Laien begeistern im Stadttheater mit einem sozialkritischen Märchen

Drei Clochards und eine stattliche Entourage: Die Liebhabertheater-Gesellschaft (LTG) begeistert im Solothurner Stadttheater mit «Hinter den sieben Gleisen» das Publikum.

Katharina Arni-Howald
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Hochbetrieb am Bahnhof Solothurn (v.l.): Paul Eberhart (Stefan Huber), Barbarossa (Markus Bomonti), Marie (Alexandra Hauser), Clown (Fredi Salvisberg), Dürst (Kurt Egger), Frau Herzog (Renée Michel), Frau Eberhart (Trix Hasler)

Hochbetrieb am Bahnhof Solothurn (v.l.): Paul Eberhart (Stefan Huber), Barbarossa (Markus Bomonti), Marie (Alexandra Hauser), Clown (Fredi Salvisberg), Dürst (Kurt Egger), Frau Herzog (Renée Michel), Frau Eberhart (Trix Hasler)

Daniel Lüscher

Barbarossa, Clown und Dürst, drei arbeitsscheue Clochards, leben in einem Schuppen hinter den sieben Gleisen am Bahnhof. Ein Tag gleicht dem anderen, auch wenn zwischendurch die Fetzen fliegen. Trotz fehlenden Einkünften mangelt es nicht an der nötigen Menge Alkohol. Falls der letzte, irgendwie ergaunerte Rappen ausgeht, bietet sich immer noch der Bananenwagen eines geschäftstüchtigen Italieners an, der sich ständig mit der Schlitzohrigkeit der drei Landstreicher auseinandersetzen muss.

Doch auf einmal ist Schluss mit dem süssen Nichtstun. Wie aus dem Nichts taucht plötzlich das Dienstmädchen Marie auf, das vom Sohn seiner Arbeitgeberin geschwängert wurde. Ihre aussichtslose Situation hat sie per Zufall zum Schuppen der drei Clochards geführt. Verzweifelt hofft sie, bis zur Niederkunft bleiben zu können. Diese lässt nicht lange auf sich warten. Innert kürzester Zeit setzen die Wehen ein und Marie wird Mutter eines Sohnes, den sie nach kurzem Nachdenken Paul nennt.

Solides Theater von Laien

Unfähig, mit der Situation klar zu kommen suchen die drei Pennbrüder bei der Barrierenwärterin Hilfe, die sie antreibt, für die junge Frau zu sorgen. Und das tun sie auch: sie schleppen gegen ein Entgelt für den Bananenverkäufer Holzkisten und machen den Vater des Kindes ausfindig. Welche Rolle der junge Lokomotivführer in diesem berührenden Märchen spielt, sei an dieser Stelle nicht verraten.

Mit grossem Engagement und Erfolg zeigt die LTG zurzeit im Stadttheaters einmal mehr, dass auch Laien fähig sind, solides Theater auf die Beine zu stellen und das Publikum abendfüllend zu unterhalten. Auf der Bühne stehen zehn Amateurschauspieler, die allesamt ihren Rollen gerecht werden. Als Vagabund Barbarossa überzeugt Markus Bomonti mit einer hervorragenden Leistung. Clown, der Bananenliebhaber (Fredi Salvisberg), der sich am meisten um das Wohl des Dienstmädchens Marie kümmert, und Dürst (Kurt Egger), dessen goldene Uhr aus besseren Zeiten stammt, tun es ihm gleich. Marie (Alexandra Hauser) gewinnt durch ihre sanfte und ausgleichende Art.

Frau Herzog (Renée Michel), der bestimmt handelnden Barrierenwärterin, gelingt es, selbst schwer zu fassende Burschen in den Griff zu bekommen. Auch der gebürtige Italiener Colona (Martin Hobi), muss die drei immer wieder zurechtstutzen, zeigt aber auch Herz, und Lokomotivführer Hartmann (Marius Schneitter) punktet durch seine Fürsorge. Als misstrauisch aber auch gutmütig entpuppt sich Polizist Meier 11 (Emanuel Gfeller), der die Fischerei und die Gesellschaft mag. Paul Eberhard (Stefan Huber), der Fabrikantensohn und Vater des Sohnes von Marie handelt vor allem um sein Gesicht zu wahren, während seine Mutter (Beatrix Hasler) von einer guten Partie träumt. Die Maske besorgt Sabina Vitelli, und für die Technik verantwortlich ist Mathias Trummer. Perfekt an den Ort des Geschehens angepasst ist das Bühnenbild.

Aus der Feder von Kurt Flüh

Der Bühnenklassiker «Hinter den sieben Gleisen» basiert auf dem gleichnamigen Film des 1979 verstorbenen Filmregisseurs Kurt Flüh, der 1933 an die Zürcher Volksbühne ging, um als Schauspieler, Autor und später auch Regisseur zu reüssieren. Aus seiner Feder stammen berühmte Filme wie «Polizischt Wäckerli», «Oberstadtgasse» und «Dällebach Kari». Das schweizerische Kleinbürgerdrama «Hinter den sieben Gleisen» erschien 1959 und wurde auf Anhieb zu einem Grosserfolg. 2004 adaptierte Frühs Tochter Katja das Drehbuch für die Bühne, wo das ungezwungene und sozialkritische Werk ebenfalls Erfolg über Erfolg feiert.

Weitere Vorstellungen: Di, 12. und Di, 19. März, je 19.30 Uhr; Sa, 23. März, 19 Uhr; Mi, 1. Mai, 19.30 Uhr; So, 5. Mai, 17 Uhr; Di, 7. Mai, 19.30 Uhr.