Stadtbummel

Lästern zum Pflästern – oder wenn Solothurn den schwarzen Teppich ausrollt

Das «Teer- Gräbli» mitten in der Hauptgasse.

Das «Teer- Gräbli» mitten in der Hauptgasse.

Pflaster gibts in unzähligen Variationen und Redewendungen. Solothurn ist in mancher Beziehung ein teures oder auch hartes Pflaster. Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Stimmt für Solothurn nur bedingt.

Wir haben uns ganze drei Prozentpunkte mehr vom Label Steuerhölle entfernt. Nochmals zwei Punkte wären ein guter Vorsatz gewesen, waren aber nicht mehrheitsfähig. Pflästerlipolitik kennen wir leider auch bei uns. Statt grosse Würfe kleine Pflastersteine, die Grosses vorgaukeln. Nur nicht nachdenklich werden, jetzt, wo das Jahr sich wendet.

Gepflästert ist die Solothurner Altstadt in allen Variationen. Gebogen mit kleinen, rötlichen Steinen vom Baseltor bis zum Klosterplatz, gröber in rotem Porphyr die berühmte Stiletto-Killermeile vor der Jesuitenkirche, das gleiche Material zementiert auf dem Märetplatz, grau und fein in der Schmiedengasse, grobklobige Katzenköpfe auf dem Zeughaus- und hinteren Klosterplatz. Dazu noch einige Spezialvarianten und dazwischen viel, viel Asphalt.

Nicht nur der leidige Teerfleck in der Theatergasse ist uns erhalten geblieben, sondern neu rollt Solothurn im Gegensatz zu vielen Geschäftsleuten mit ihren roten Läufern zentralst vor dem Zytgloggeturm noch einen schwarzen Teppich aus. Trauerflor für die verlorene Grillwurst beim «Bistraito» oben?

Zugepflastert war am Dienstagabend eine Etage der St. Ursentreppe mit lodernden Finnenkerzen. Davor ein riesiger, ausgestopfter Keiler. Eine gespenstische Szene. Bewaffnete Militärs überall, die vor einem Redepult mit Schweizer Flagge stramm standen. «Wir sind die einzige verfügbare Truppe zwischen Weihnachten und Neujahr», klärte mich ein junger Wehrmann auf. Terrorgefahr.

Aha. Er sei als Nichtsolothurner im «Öufi», das als Bataillons-Maskottchen stets seinen Keiler Bruno mitführe. Aha. Und als später der mehr- strahlige «Flabscheinwerfer» des Circus Go in Solothurns Nachthimmel stach, roch es definitiv im Krieg.

Trostpflaster sind uns Solothurnern ja so vertraut. Etwas Geschichtsunterricht: Als die Trottoirs in der Altstadt wie die Schanzen hundert Jahre zuvor geschleift wurden, musste in der neu geschaffenen Fussgängerzone eine Pflästerung her. Das war in den Siebziger Jahren.

Also entschied man sich für den besagten Porphyr in den Varianten gefüllte und ungefüllte Ritzen. Leider reichte schon damals das Geld nirgends hin, jedenfalls nicht bis in die Gurzeln- und westliche Hauptgasse. Anstelle der verschwundenen Trottoir-Ränder wurde dort immerhin ein Entwässerungsstreifen aus dem roten Porphyr gezogen und das tumbe Volk vertröstet: Damit könne die Pflästerung im östlichen «Ypsilon» jederzeit völlig unproblematisch fortgesetzt werden.

Das einzige Problem: Es fehlte ständig das Geld. Und später der Wille, fortzufahren. Denn Geld haben wir inzwischen ja genug, mit unseren 41 Millionen auf der hohen Kante. Und so entpuppten sich die damaligen «Streifeli» an den Gassenrändern als eigentliches Trostpflaster. Vielleicht sollte man die nicht goutierten zwei Prozentpunkte Steuerreduktion jährlich zweckgebunden in die Restpflästerung der Altstadt stecken. Oder wollen wir diese gar nicht mehr?

«Pflastitüden». Mehr nicht. Wir haben ja schon grössere Langzeit-Probleme in ähnlichen Dimensionen gelöst. Denken wir nur an die neue Weihnachtsbeleuchtung. Ein Generationenwerk. Es hat sich gelohnt. Doch in wenigen Tagen wird sie bereits wieder abgehängt. Und schafft Raum für neue Betrachtungsweisen im jungen Jahr 2017. Ein Blick in den derzeitigen Sternenhimmel bringt uns weiter: Solothurn und seine Probleme sind so uuuunendlich munzig klein. Einfach nur klein.

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