In den Reihen der Stadt- und Gewerbevereinigung SGSo ist es das Dauerbrennerthema: Ladenöffnungszeiten. Wie erschöpfend soll das gesetzlich Mögliche ausgereizt werden? Und wem schaden die Empfehlungen des Ladenkalenders mehr, als sie nützen? Rund 20 hiesige Gewerbetreibende fanden sich zum Gedankenaustausch, moderiert von SGSo-Geschäftsführer Willy Reinmann.

«Junge wollen längere Öffnungszeiten»

Als «Pulsgeber» zum Einstieg kamen Manor-Direktor Jürg Bächli und Toni Löffel, Inhaber der Drogerie Zeller, zu Wort - als Antipoden der «Grossen» respektive der «Kleinen». «In der 24-Stunden-Gesellschaft ist Solothurn stehen geblieben», befand Bächli und monierte, dass die gesetzlichen Möglichkeiten zu wenig ausgeschöpft würden. Längere Öffnungszeiten würden gerade von den Jungen gewünscht.

«Und was tagsüber weniger an Umsatz hereinkommt, wird durch die Einnahmen am Abend längst wieder wettgemacht», so Bächli. So appellierte er: «Schneiden wir uns ein Stück vom Kuchen ab, an dem sich die Geschäfte jenseits der Kantons- und Landesgrenzen schon bedienen.» Gerade auch vermögende Kunden würden beweisen, dass sie bei entsprechenden zeitlichen Möglichkeiten auch mehr ausgegeben würden.

«Wir sind nicht die Dekoration auf dem Kuchen»

Eine ganz andere Meinung legte Toni Löffel an den Tag. «Hinter längeren Öffnungszeiten stehen Personalkosten, die sich nicht rechnen.» Punkto Überstunden gelte insbesondere im Drogistenbereich die Problematik, dass es stets 100 Prozent Konzentration braucht. «Letztlich kann man von uns Kleinen nicht fordern, für die Grossen die Dekoration auf dem Kuchen zu machen.»

So seien die Öffnungszeiten auch nicht der einzige Faktor, an dem sich der Geschäftserfolg festmachen lässt: «Die Leute verweilen am Abend halt gerne an der Aare mit einem Bierli, daran kann die ganze Stadt - und auch Manor - nichts ändern.» Im Winter hingegen laufe dafür der Abendverkauf besser. Insgesamt sei aber der Montagmorgen, an dem ebenfalls einige Geschäfte geschlossen haben, wichtiger, als der Abendverkauf.

Verwirrung in Sachen Öffnungszeiten

Urs Gysin (Leder und Möbel) hat selbst bisher auch kaum von den Abendstunden profitiert. «Und unser Umsatz erlaubt auch keinen Personalausbau.» «Nicht nur die Zeit kann bloss einmal genutzt werden, auch der Franken kann nur einmal ausgegeben werden», befand Beatrice Ruch vom Modegeschäft Schild. Und für sie ebenso wie für Idda Wirz von «C&A» bringe die letzte Stunde an Heiligabend und Silvester. «Ab 16 Uhr herrscht tote Hose», so Wirz.

Für Ivan Pfister (Rosengarten-Coop) wäre die Ausdehnung der regulären Öffnungszeit auf 19 Uhr wünschenswert: «Oft müssen wir ab 18.30 Uhr die Leute bitten, das Geschäft zu verlassen», gleichzeitig bringe ihm der Abendverkauf in der Vorstadt standortbedingt weniger. Längere Öffnungszeiten zahlen sich dafür in der Coop-Filiale am Westring aus, wie Heidi Fink informierte: «Wir haben eher das Problem, dass wir unseren Kunden kaum Auskunft geben können, welches Geschäft wie lange offen hat.»

Man schlage ihnen dann halt vor, einfach mal von Laden zu Laden zu gehen, um es selbst herauszufinden. So plädiert Peter Kräuchi (Intercoiffure Team Kräuchi) für Kernöffnungszeiten: «Für uns hat sich die Mittagszeit und eben auch die Zeit gegen Abend hin bewährt. Aber es dauert halt eine Zeitlang, bis es in die Köpfe geht.»

«Die Quadratur des Kreises»

«Die Quadratur des Kreises werden wir heute nicht erfinden», meinte Löffel zusammenfassend: «Über dieses Thema wurde schon vor 20 Jahren diskutiert, als ich als junger Geschäftsführer nach Solothurn kam.» Was die Zukunft der Ladenöffnungszeiten ebenfalls in der Schwebe lässt, ist das Wirtschafts- und Arbeitsgesetz, das in der nächsten Kantonsrats-Legislatur behandelt wird. Zwei Varianten stehen zur Diskussion: Montag bis Freitag von 5 bis 20 Uhr und am Samstag um 17 Uhr. Der Abendverkauf würde entfallen. Oder: Alles bleibt gleich - mit einem Abendverkauf pro Woche.

«Natürlich hoffen wir, dass mit dem heutigen Anlass die künftigen Diskussionen über die Ladenöffnungszeiten wieder ein wenig zurückgehen, und wir Luft für andere Themen finden», so Reinmanns frommer - vielleicht zu frommer - Wunsch zum Abschluss der Veranstaltung.