Solothurner Stadttheater
Lachen verboten – geht bei diesem Stück gar nicht

An der Premiere von «Lachen verboten», dem neuesten Streichs am Stadttheater Solothurn, hielt man sich die Bäuche vor Lachen.

Fränzi Zahlen-Saner
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Max Merker (l.) und Aaron Hitz haben das Stück konzipiert, inszeniert und spielen beide Buster Keaton.

Max Merker (l.) und Aaron Hitz haben das Stück konzipiert, inszeniert und spielen beide Buster Keaton.

Ilja Moss

Eine Hommage an Buster Keaton, den Stummfilmstar, stand als Untertitel des neuesten Regiestreichs des Duos Max Merker und Aaron Hitz am Stadttheater Solothurn. Doch «Lachen verboten» blieb ein frommer Wunsch – es ging gar nicht.

Klar: Das Lachen kann einem beim eigentlich tragischen Leben des Stummfilmstars Buster Keaton (1895–1966) schon vergehen. Zu tragisch endete der Mann mit dem sogenannten «Stoneface», dem Gesicht, das nie lachte, als verarmter Alkoholiker. Zu spät noch wurde er halbherzig gewürdigt von der Cineasten-Welt.

Buster Keaton stand schon als Kind auf der Vaudeville-Bühne, zusammen mit seinen Eltern. Sie nahmen das Kind schon mit auf die Bühne. Zweifelhaften Ruf erarbeitete sich die Familie damals mit Buster als «menschlichem Mopp». Der Vater pflegte, mit dem Jungen in ihrer Show jeweils den Boden aufzuwischen. Das brachte den Eltern in den 1910er-Jahren eine Kindsmisshandlungsanzeige ein – aber nichts weiter. Wahrscheinlich erarbeitete sich aber der junge Keaton in diesen Jahren seine Masche, bei jedem Schicksalsschlag – sei es auf der Bühne oder im wahren Leben – stoisch weiterzumachen, keine Miene zu verziehen, jeden Hauseinsturz unbeschadet zu überstehen.

Früh war er erfolgreich in der Stummfilm-Ära, doch später wurde Keaton – wie so mancher seiner Stummfilmkollegen – nach dem Aufkommen des Tonfilms und der Studiobosse in Hollywood kaltgestellt. Er wurde zum Alkoholiker, übernahm später auch Fernseh- und Werbeaufträge, um zu überleben, und starb vereinsamt 1966.

Dieses tragische Schicksal zu einem Abend voller Keaton-ähnlicher Slapstick-Einlagen stimmungsvoll, lustig, aber doch auch menschlich-tragisch auf die Bühne zu bringen, das schafften Max Merker und Aaron Hitz. Sie beide haben das Stück konzipiert, inszeniert und spielen beide den Part des Buster Keaton. Beide sind sich aber gegenseitig auch Slapstick-Partner, Geliebte, Kollege – und der Tod. Dieser begleitete Buster Keaton sein ganzes Leben lang. Immer wieder sprang er ihm von der Schippe. Ob als Schauspieler, dem eine ganze Hausfront über dem Kopf zusammenbricht, der vom Ast fällt, den er sich absägt, oder als alter Mann, der trinkt, raucht und hustet; der sich keinen Deut um seine Gesundheit kümmert.

Mit keinem einzigen gesprochenen Satz erklären Merker und Hitz das Leben des Buster Keaton. Dafür mit viel Körpersprache, mit Blicken, akrobatischen Einlagen, Situationskomik und -tragik und immer wieder mit Musik (ab Band oder real). Kurze Affichen über der Bühne erklären Lebensstationen oder Statements von Buster Keaton. Das ist jetzt möglich, dank der neuen Technik im Stadttheater. Das im Ambiente des Stummfilms gehaltene Bühnenbild stammt von Martin Dolnik.

Man wähnt sich im Stummfilm und bekommt doch so viel fürs Auge wie im Theater. Und damit ist «Lachen verboten» ein Augenschmaus für alle Sinne, ein lustig-trauriges Spektakel, das den Zuschauer 75 Minuten lang im Bann behält.

Nächste Vorstellungen: Solothurn: 11. 3., 17. 3., 23. 4., 9. 5., 15. 5. In Biel: 25. 3. Premiere, 27. 3., 11. 4., 14. 4.