Vortrag
«Lache nicht, leide» – Was löst Lachen aus und wieso?

Im «Tertianum» hielt der Literaturwissenschaftler Helmut Bachmaier einen Vortrag über das Lachen und die Frage, ob dieses wirklich so gesund ist.

Gundi Klemm
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Wie gesund ist lachen tatsächlich? Darum ging es in dem Vortrag von Helmut Bachmaier.

Wie gesund ist lachen tatsächlich? Darum ging es in dem Vortrag von Helmut Bachmaier.

Aline Ilk

Nicht wie in der Fasnacht, wo eine lustige Pointe die nächste jagt, sondern mit Blick bis in evolutionsbestimmtes Verhalten zeigte der Literaturwissenschaftler Helmut Bachmaier in seinem 70-minütigen Vortrag, wozu Lachen dient und was es auslöst. Bei unseren Primaten-Vorfahren bedeutete das Zähnefletschen noch eine eindeutige Drohgebärde.

Doch das heutige Zähnezeigen im Lächeln und Lachen dient Kontakt und Kommunikation mit dem Gegenüber. Grundsätzlich sind Lachen und Weinen menschliche Signale, die Lust, Freude und Trauer ausdrücken. Der an den Universitäten in Konstanz, Zürich und Wien lehrende Bachmaier unternahm mit seiner Zuhörerschaft einen Streifzug durch Ursachen und Formen des Lachens von der Antike bis zur Gegenwart.

Er definierte dabei die verschiedenen Ausdrucksweisen wie sie durch Humor als «charakterbestimmtes, grundsätzliches Verhalten zur Welt» oder durch Komik als «intellektuelle zwischenmenschliche Inszenierung» hervorgerufen werden. Gemäss Homer lachten schon die Götter auf dem Olymp und zeigten damit ihre Fähigkeit zur Transzendenz. Ironie und Spott gaben den altgriechischen Bühnenstücken die fürs Publikum anregende Würze.

Die christliche Geschichte war laut Referent lange Zeit eine Geschichte des Lachverbots: «Lache nicht, leide». Denn Lachen, das heute noch in fundamentalistischen Auslegungen des Islam, in dem bekanntlich Satiriker gefährlich leben, gebrandmarkt wird, sei heidnisch. Das Neue Testament ersetzt Lachen begrifflich durch «Freude».

Gelingt Leben mit Lachen besser?

Bachmaier verwies auf Untersuchungen, die ergaben, dass humorvolle Menschen erstaunlicherweise keine höhere Lebenserwartung haben. Ob sie gelegentlich zu leichtfertig mit gesundheitlichen Indizien umgehen, mag spekuliert werden. Doch mit Humor lässt sich das Dasein grundsätzlich besser aushalten, weil der Mensch lernt, mit Schwierigkeiten umzugehen und sich selber nicht zu wichtig zu nehmen.

Bachmaier analysierte die im Auge des Betrachters unterschiedlichsten Komponenten, die zum befreienden Lachen reizen können: Kontraste, Absurditäten, Ungereimtheiten, Überraschungselemente, Überlegenheitsgefühle und Albernheiten als Bausteine vergnüglicher Witze. Seine Theorie machte Bachmaier immer an passenden Episoden fest.

«Fragte jemand die schon betagte Agatha Christie, wie sie mit dem Älterwerden zurecht komme, antwortete sie: «Oh, für meinen Mann werde ich immer reizvoller. Er ist nämlich Archäologe.» In der Komik lasse sich eben alles auf den Kopf stellen, kommentierte der Referent an weiteren Beispielen.

Erwiesen ist aber, dass Lachen in der Schmerztherapie messbar mithilft und Wirkungen in der Konfliktbewältigung erzielt, wenn in der Parodie gegenseitige Provokationen deutlich werden. Ob allerdings das Immunsystem gestärkt wird, ist nicht so erwiesen wie gemeinschaftsbildende Effekte, die identitätsstiftend sind. Man denke an Emil Steinberger.

Gute Witze, die innerlich stark machen, haben gemäss Sigmund Freud eine wesentliche Stabilisierungsfunktion für den psychischen Haushalt. Und ein Leben ohne Humor sei unerträglich, bekräftigte auch der zitierte Bert Brecht.

Literatur dazu: Helmut Bachmaier «Texte zur Theorie der Komik», erschienen bei Reclam.

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