TOBS
Kurt Fluri über Sparauftrag aus Biel: «Wir springen nicht in die Lücke»

Der Stadtpräsident Kurt Fluri missbilligt die Bieler Sparrunde. Auf wie viel Geld das Theater Orchester Biel Solothurn verzichten muss und wer Ersatz dafür beschaffen kann, steht noch offen. Die Stadt Solothurn wird auf jeden Fall nicht einspringen.

Andreas Kaufmann
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Solothurn als einer der Bühnenstandorte beteiligt sich mit einem Beitrag von 31 Mio. Franken an dem im Leistungsvertrag festgelegten Betriebsbeitrag fürs Tobs.

Solothurn als einer der Bühnenstandorte beteiligt sich mit einem Beitrag von 31 Mio. Franken an dem im Leistungsvertrag festgelegten Betriebsbeitrag fürs Tobs.

Andreas Kaufmann

Was aus Sicht der Stadt Biel als unumgängliche Sparmassnahme anmutet, könnte man im prosperierenden Solothurn als Demontage eines bewährten Kulturbetriebs auffassen: Wie bereits berichtet, schnallt der Bieler Stadtrat dem Theater Orchester Biel Solothurn (Tobs) den Gürtel enger: 360 000 Franken sollen eingespart werden.

Nun ist aber Biel nicht die einzige Trägerin des Theater- und Orchesterbetriebs: Vielmehr wurde der Tobs-Leistungsvertrag zwischen der Stadt Biel, dem Kanton Bern, der regionalen Kulturkonferenz Biel und der Stadt Solothurn vereinbart.

Während sich Biel zu 36 Prozent, der Kanton Bern zu 28,8 Prozent, die regionale Kulturkonferenz zu 7,2 Prozent und Solothurn zu 28 Prozent an einem Gesamtbetrag von 11,1 Mio. Franken beteiligen, bringt der Entscheid aus Biel die Finanzierung in Gefahr.

Ein Rattenschwanz: Fahren alle Vertragspartner nun ihren Teil an den Subventionen ebenfalls zurück, also gesamthaft 9 Prozent, so geht dem Tobs-Betrieb rund eine Million Franken verloren. Alternativ müsste der Verteilschlüssel zulasten der anderen Vertragspartner revidiert werden.

Kein Verständnis aus Solothurn

«Für den Entscheid aus Biel habe ich kein Verständnis», sagt Kurt Fluri, Stadtpräsident von Solothurn. Er sieht auch nicht, woher ein Ersatz für dieses Geld zu beschaffen wäre. «Die öffentliche Hand wird diese Lücke nicht ausfüllen. Und auch wir springen nicht für einen Partner ein, der ins eigene Portemonnaie arbeitet», so Fluris Antwort nach Biel.

Die Stadt Solothurn zahlt – zuzüglich Beiträgen aus den Gemeinden und des Kantons – zurzeit 3,1 Mio. Franken in den Tobs-Topf.

«Der Kulturdirektor wird uns wohl kontaktieren, wie sie das umsetzen wollen», sagt Fluri und weiss aber gleichzeitig, dass gegen den stadträtlichen Entschluss nichts auszurichten ist. Der Leistungsvertrag der Finanzierungsträger mit dem Tobs ist befristet.

«Zu befürchten wäre, dass das Ensemble des Sprechtheaters zusammengekürzt wird – oder dass man zur unsäglichen Idee zurückkehrt, das Orchester zu einem Projektorchester zurückzustufen.»

Zur Erinnerung: Genau dies hatte der Bieler Gemeinderat, also die städtische Exekutive, im April erreichen wollen – um damit ebenselbige 360 000 Franken zu sparen. Doch unter dem Druck der Kulturliebhaber und dank einer Unterschriftensammlung der Initiative «Pro Orchester», rückte der Bieler Gemeinderat Cédric Némitz, zuständig für Kultur, von der faktischen Auflösung des festen Sinfonie-Orchesters wieder ab.

Damals wurde Solothurn als Vertragspartnerin ebenfalls nicht über die Pläne informiert. «Im Gegensatz zum Gemeinderat können wir nun aber vom Stadtrat nicht erwarten, in die Entscheidung einbezogen zu werden», ist sich Fluri bewusst.

Dennoch nimmt er die Nachricht aus Biel missgünstig entgegen: «Jetzt haben wir die Geschichte mit dem Orchester geregelt. Und jetzt kommt wieder ein neues Theater ...»

Der aktuelle Leistungsvertrag erstreckt sich bis Juni 2019. Laut Tobs-Intendant Dieter Kaegi erlaube eine Klausel im Vertrag den Ausstieg aber bereits per 2018. «Wir werden mit Biel eine Lösung zu finden versuchen», gibt sich Kaegi noch optimistisch.

Er könnte sich vorstellen, Fremdmittel zu mobilisieren und sie der Stadt zukommen zu lassen, um so die formelle Reduktion des Beitrags zu verhindern.

Ihm ist aber auch der schlimmstmögliche Ausgang bewusst: «Geht dem Betrieb durch alle Vertragspartner gesamthaft eine Million verloren, so wäre es das Ende des Tobs in dieser Form.» Eine Spartenschliessung wäre unumgänglich. Aktuell seien konkrete Massnahmen aber erst greifbar, wenn man wisse, wie hoch die Kürzung definitiv sein wird.