Solothurn
Kurt Fluri könnte Ultimatum zurückziehen, wenn sich Wagabunten den Forderungen fügen

Die Wohnkommune lehnt Forderungen der Stadt Solothurn ab und provoziert die Räumung. Wenn die Wagabunten die Bedingungen akzeptierten, könnte das Ultimatum zurückgezogen werden.

Andreas Kaufmann
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Kurt Fluri würde das Ultimatum zurückziehen, wenn die Wagabunten den Forderungen nachkommen

Kurt Fluri würde das Ultimatum zurückziehen, wenn die Wagabunten den Forderungen nachkommen

ww/bar

Lange waren die «Wagabunten» mit ihrem alternativen Lebensstil von Stadtpräsident Kurt Fluri geduldet, ja gar akzeptiert.

Nun hat sich das Blatt gewendet: Die «Wagabunten» werden aufgefordert, ihr «Dörfli» bis zum 11. April aus der Stadt zu entfernen oder einen legalen Standort – konkret den Campingplatz – zu beziehen. Ansonsten würden rechtliche Schritte eingeleitet.

Fluri wollte auf Anfrage die besagten rechtlichen Schritte nicht genauer ausführen. Andererseits könnte er sich vorstellen, das Ultimatum zurückzuziehen, würden sich die «Wagabunten» den ursprünglichen Forderungen fügen. Wie diese nun weiter vorgehen werden, haben die Betroffenen nach eigenen Angaben noch nicht entschieden.

Wo der Feldweg der Oberhofstrasse von der Grabackerstrasse abzweigt beginnt das Camp der Wagabunten.
8 Bilder
Vor den Hochhäusern des Sonnenparks ducken sich die Wohn- und anderen Wagen.
Der Frühling bringt ein Ulitmatum der Stadt.
Keine Mauer, aber eine Stoffbahn dient als Sichtschutz.
Das Wagendörfli der Wagabunten an der Oberdorfstrasse
Gas ist neben der Sonne eine eingesetzte Energiequelle.
Das Wagendörfli von Westen her.
Unterschiedliche Wohnformen in der Weststadt.

Wo der Feldweg der Oberhofstrasse von der Grabackerstrasse abzweigt beginnt das Camp der Wagabunten.

Wolfgang Wagmann

Verpflichtung statt Goodwill

Unverständnis äusserte auf der anderen Seite Franziska Roth. Die SP-Gemeinderätin reichte zusammen mit Ratskollegin Sylvia Sollberger vergangenen Sommer eine Motion ein, um eine Zwischennutzung für die «Wagabunten» zu ermöglichen – und zwar für einen Standort im Weitblick-Areal.

Die Motion wurde damals für nicht erheblich erklärt: Mit einer vertraglichen Verbindlichkeit würde für die mehrheitlich akzeptierten «Wagabunten» der bisherige Goodwill wegfallen. Stattdessen müsste die Baukommission ein Baugesuch der «Wagabunten» beurteilen, das laut Stadtpräsidium klar abgelehnt würde. Roth findet nun, dass ein Vertrag die Situation entschärft hätte. «Auch mir ist klar, dass das ‹Wagabunten›-Dorf nicht auf 50 Wagen anwachsen kann», sagt sie.

«Aber gerade mit einem Zwischennutzungsvertrag hätte man den Rahmen der Toleranz abstecken und der Situation, wie wir sie jetzt haben, zuvorkommen können.» Gerade wenn man etwas nur dulde statt bewillige, sei es klar, dass die Gegenseite ihre Grenzen auslote. Zudem habe sich Fluri nie darum bemüht, mit den «Wagabunten» an den Tisch zu sitzen und Spielregeln auszuhandeln.

«Diese müssten nicht einmal in der formaljuristischen Form eines Zwischennutzungsvertrags daherkommen», so Roth weiter. Der jetzige Entscheid des Stadtpräsidiums gehe in eine ganz andere Richtung als das, was bisher an Kulanz gewährt worden sei.

Fluri kontert die Vorwürfe: «Es hat zwei Treffen mit den ‹Wagabunten› gegeben. Dort seien die Spielregeln für die jeweiligen Aufenthalte definiert worden.» Ausserdem habe er den «Wagabunten» erläutert, dass eine definitive Lösung erst mit der Ortsplanungsrevision möglich wäre. So könnte dannzumal eine Zone alternativen Wohnens definiert werden.