Heisser HESO-Stuhl

Kurhaus-Betriebsleiterin: «Seit dem 1. August hatte ich noch keinen freien Tag»

Stadtredaktor Andreas Kaufmann im Talk mit Andrea Schlumpf, Betriebsleiterin des Hotels Weissenstein.

Stadtredaktor Andreas Kaufmann im Talk mit Andrea Schlumpf, Betriebsleiterin des Hotels Weissenstein.

Seit dem 1. August stehen das Hotel und Restaurant Weissenstein offen. Betriebsleiterin Andrea Schlumpf zeigte am HESO-Behördentag auf dem heissen Stuhl auf, wo sie noch der Schuh drückt bei der alltäglichen «Challenge» auf dem Solothurner Hausberg.

Wie viel sie inzwischen pro Nacht schäft? «Jetzt sind es schon vier Stunden». Zu Hause war sie seit der Weissenstein-Eröffnung noch nie gewesen – seit dem 1. August habe ich noch keinen freien Tag gehabt.» Die 36-jährige Andrea Schlumpf wirkt aber keineswegs abgekämpft, sie spricht von einer «Challenge», die der Solothurner Hausberg für sie mit sich bringt. «Und ich bin auch keine, die nach zwei Jahren wieder geht, weil sie ein Haus eröffnet hat.»

Die Behördenmitglieder im Schwingerzelt, darunter Landammann Roland Fürst, die Regierungsratsmitglieder Brigit Wyss und Roland Heim sowie zwölf Kandidierende für den Nationalrat erhalten Einblick in eine harte Bergwelt - das Hotel Restaurant Weissenstein, wo Andrea Schlumpf mit 70 Angestellten, den Betrieb dorthin führen will, wo sie ihn gerne hätte. Zu einem Ziel, auf das sie schon seit dem 1. November 2018 neun Monate lang hingearbeitet hatte.

Endlich etwas Ruhe in dem Sturm?

Sie wirkt locker auf dem «Heissen Stuhl», lässt sich von Moderator Andreas Kaufmann, Stadtredaktor der «Solothurner Zeitung», nicht aus der Ruhe bringen. Auch nicht, als er einige Internet-Kommentare zum Weissenstein verliest, die nicht nur schmeichelhaft sind. Dem müsse man sich stellen und Kritik ernstnehmen. «Aber», meint die Hotelfachfrau, «man darf auch nicht alles an sich heranlassen.»

Offen räumt sie ein, dass es noch einige Baustellen im Haus gebe, und noch nicht alles so klappe, wie sie es gerne hätte. «Das ist das Wichtigste für mich. Dass die Abläufe funktionieren, damit alle in Ruhe so arbeiten können, wie es sein sollte.» Doch noch muss offenbar vieles improvisiert werden. Das Schlimmste sei der Mangel an Fachkräften in der Küche - ein schier unlösbares Problem der Branche auch in Deutschland oder Österreich. «Ich stehe deshalb oft ebenfalls in der Küche, schliesslich habe ich das ja gelernt. Aber ich frage mich, wo all die Köche sind, die ich ausgebildet habe.» Es brauche eben nicht Hilfskräfte, sondern gelernte Leute, «denn wir stellen alles in House selbst her.» Deshalb habe man auch das Angebot der Karte reduzieren müssen - «denn ich habe lieber 300 zufriedene als 600 unzufriedene Gäste».

«Von null bis hundert»

Massentourismus sieht Andrea Schlumpf nicht als probates Mittel für den Solothurner Hausberg. «Busreisen im grossen Stil sind nichts für mich, da kann ich nicht mehr Gastgeberin sein.» Ansonsten sollen alle auf dem Weissenstein willkommen sein, «von null bis hundert», vom Wanderer bis zum Manager im Anzug. Dass man mit der neuen Halle diese Klientel anspricht, sei richtig und wichtig, denn «man hat hier oben ja über Jahrzehnte gesehen, dass es mit Pommes und Wurstsalat allein nicht funktioniert.» Produkte aus der Region würden nach Möglichkeit berücksichtigt, erklärt die Wein-Liebhaberin und -Kennerin. «Wir haben zwei geschlachtete Ochsen aus Gänsbrunnen in unserem Dry-aged-Schrank.»

Und zur wunderbaren Aussicht auf dem Berg? «Die nimmt man im Alltag gar nicht mehr wahr.»

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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