Kunstmarkt
Kunstverkauf in Solothurn: Der Neuling muss noch kämpfen

In Solothurn kann derzeit an zwei Orten Kunst erworben werden. Ein Vergleich der «Konkurrenten» Kunstsupermarkt und «Kunst findet Stadt» fördert Unterschiede bei Preis und Kundschaft zu Tage.

Beatrice Kaufmann
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Haus an Haus für die Kunst: Kunstsupermarkt (rechts) und «Kunst findet Stadt» (links).

Haus an Haus für die Kunst: Kunstsupermarkt (rechts) und «Kunst findet Stadt» (links).

Hansjörg Sahli

Ob Kunstfreund oder Dekofreak, am Samstagnachmittag nutzten viele das schlechte Wetter, um Kunstwerke zu betrachten und vor allem auch zu erwerben. «Die Bilder sind auch für Normalsterbliche erschwinglich», so Erich Lerch, einer der Kunden im Kunstsupermarkt, der damit dessen Attraktivität auf den Punkt bringt. Grosse Auswahl, kleine Preise, ungezwungene Atmosphäre, all das schätzen die befragten Kunden.

Etwas für jeden Geschmack

Die Besucherfrequenz bleibt an diesem Nachmittag konstant hoch. In der ansonsten grauen Halle des Rothus-Verlages herrscht reges Treiben. Man wühlt sich durch die vielen Kisten, die an den CD-Verkauf im Musikladen erinnern, oder bleibt vor der collagenartigen, mit verschiedensten Bildern behängten Wand stehen und versucht mitunter vergeblich herauszufinden, von wem die Werke stammen. Es ist ein Kommen und Gehen, Letzteres in der Regel mit einem der schwarzen Plastiksäcke in der Hand. Es finde sich halt schon für jeden etwas, so die einstimmige Meinung der befragten Kunden.

Die Stimmung im Kunstsupermarkt ist angenehm, sie erinnert aber an den Sommerschlussverkauf. Dies, obwohl die Saison erst gerade begonnen hat. «Viele Leute kommen gleich zu Beginn, weil sie befürchten, später eine kleinere Auswahl zu haben», so Organisator Peter-Lukas Meier. Dabei sei gar nie alles im Verkauf. «Es werden immer neue Werke nachgeliefert.» Mit dem Saisonauftakt sei er zufrieden. «Der Verkauf ist so gut angelaufen wie noch nie.»

«Kunst findet Stadt»

Vielleicht wegen des Wetters? Oder des Konkurrenzangebots vis-à-vis? Wohl eher nicht. Die befragten Kunden haben davon nämlich noch gar nicht Wind bekommen. Tritt man vom Rothus-Verlag durch das herbstliche Grau ins Volkshaus, so kann man dort «Kunst findet Stadt» entdecken. Ist die Grundidee auch dieselbe, die Atmosphäre lädt eher zum ruhigen Betrachten und zum längeren Verweilen ein als im hektischeren Ambiente gegenüber.

Eine Duftkerze beim Eingang, sanfte Musik im Hintergrund und – auch wenn quantitativ noch ausbaubar – übersichtlich aufgehängte Bilder; all das bringt Galerieatmosphäre in das Supermarktkonzept. Für Organisator Roland Wittwer ein Balanceakt: «Ich finde die Grundidee des Kunstsupermarkts gut. Kunst soll bezahlbar sein und von nahe betrachtet werden können. Wir wollten das Ganze aber gepflegter und sympathischer präsentieren.» Man habe ein gewisses Niveau angestrebt, auch wenn die Bilder bezahlbar sein sollen. Den «Discounterpreisen» des Kunstsupermarkts wurde entgegengewirkt, indem die Künstler die Preise selber bestimmten. So sind die Werke teils günstiger zu erstehen als vergleichbare bei der Konkurrenz. Die Preise reichen dafür aber auch hoch in den vierstelligen Bereich. Der Unterschied liegt in der Heimat der Künstler. Wer Kunstschaffende aus der Region kennenlernen und unterstützen möchte, ist hier am richtigen Ort.

Intellektuellere Kundschaft

«Seine» Kundschaft schätzt Wittwer im Durchschnitt intellektueller ein. Auf jeden Fall machen die Besucher aber einen gelasseneren Eindruck als im Kunstsupermarkt. Dazu tragen die infrastrukturellen Unterschiede bei. Der Raum ist kleiner und übersichtlicher gestaltet und nicht so menschengefüllt wie die Rothus-Halle. Hier kann man sich Zeit nehmen, die Werke zu betrachten, muss nicht gleich dem nächsten Interessierten wieder Platz machen.

Als Konkurrenten werden der Kunstsupermarkt und «Kunst findet Stadt» nicht wahrgenommen, wie sich im Gespräch mit den Kunden zeigte. Einige glaubten, es handle sich bei Letzterem um eine Erweiterung des Kunstsupermarkts. Auf jeden Fall fanden die Kunden, ob nun kunstbegeistert oder nicht, für beide Angebote anerkennende Worte.