Stadt Solothurn
Kunstmuseum stellt Sehnsuchtsorte für Heimweh-Solothurner aus

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt im Graphischen Kabinett «Ansichtssachen» heimische Veduten aus der Sammlung des Hauses. Im vergangenen 18. und 19. Jahrhundert erlebte die Vedutenmalerei ihre Hochblüte.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Franz Graffs «Stiegenlos» in der Veduten-Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn.

Franz Graffs «Stiegenlos» in der Veduten-Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn.

zvg

Während der Sommerzeit wird man im Graphischen Kabinett des Kunstmuseums Solothurn zum Touristen. In der von der wissenschaftlichen Assistentin Patricia Bider kuratierten Ausstellung mit dem Titel «Ansichtssachen» werden Veduten aus der Sammlung des Hauses wieder einmal hervorgeholt und damit auf eine frühe Form der «Ansichtskarte» oder des «Reisesouvenirs» hingewiesen.

Der kunsthistorische Begriff «Vedute» meint «Ansicht, Aussicht» und bezeichnet eine möglichst wirklichkeitsnahe Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbildes. Im vergangenen 18. und 19. Jahrhundert erlebte die Vedutenmalerei seine Hochblüte, in der die ersten «Bildungsreisenden» sich Andenken von ihren Sehnsuchtsorten beschaffen wollten. Auch aus der Schweiz sind viele solcher Bilder entstanden, und gar der Jura und die Stadt Solothurn wurden zu Traum-Orten. So hängen im ersten Saal im Graphischen Kabinett grossformatige Aquarelle und Stiche des «Kleinmeisters» Laurent Louis Midart (1733–1880). Der aus Lothringen gebürtige Kunstmaler kam im Zug der französischen Ambassade in die Ambassadorenstadt, um hier zu arbeiten. Die präsentierten Ansichten aus der Verenaschlucht oder der Einsiedelei gehören zu seinen wichtigsten Werken.

Ebenso idyllisch und fein gemalt sind Ansichten von Franz Graff (1803–1859), eigentlich Zeichnungslehrer am Gymnasium. Seine im Biedermeier entstandenen Ansichten überzeugen mit ihrer aussergewöhnlich romantischen Lichtführung. Weiter geht es durch die Kunstgeschichte mit Gemälden von Otto Frölicher, Martha Cunz, Alexandre Perrier, Albert Trachsel und Giovanni Giacometti. Weiterführend sind Postkarten von Dieter Roth (1930–1998) zu entdecken, die der Künstler am ganz normalen Kiosk seines Reisezieles kaufte und künstlerisch verfremdete.

Eine Ansichtskarte war wohl auch die Vorlage eines Gemäldes des Impressionisten Maurice Utrillo (1883–1955). Nach einer Ansichtskarte, die ihm Kunstmäzen Josef Müller schickte, malte Utrillo die Verenaschlucht, ohne je dort gewesen zu sein.

Rolf Spinnler und seine Stadtansicht und Reiseerinnerungen führen in die zeitgenössische Kunst. Die Vedutenmalerei wird jetzt eher zur inneren Angelegenheit der Künstler. Landschaften, wie sie vor dem geistigen Auge oder in der Erinnerung entstehen, werden zu Motiven. Marie-Theres Amicis Eigerwand-Malereien, Jan Hostettler mit Fotografien einer Italien-Wanderung, der Zeichner Ingo Giezendanner GRRR mit neu geschaffenen Solothurner Veduten, oder die Karton-Installation «Topologie der Erinnerung» aus dem Jahr 1986 von Felix Stephan Huber.

«Honoré» von Eva Aeppli. Das Kunstmuseum Solothurn ehrt die kürzlich verstorbene Künstlerin. hanspeter Bärtschi

«Honoré» von Eva Aeppli. Das Kunstmuseum Solothurn ehrt die kürzlich verstorbene Künstlerin. hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

Hommage and Eva Aeppli

Kurz nach ihrem 90. Geburtstag ist die Plastikerin, Malerin und Zeichnerin Eva Aeppli an ihrem Wohnort Honfleur in Frankreich gestorben. Zum Gedenken an die Künstlerin, welche Zeit ihres Lebens mit dem Kunstmuseum Solothurn und vor allem mit dem früheren Museumskurator André Kamber eine grosse Freundschaft verband, zeigt das Museum im Nordwestsaal des Obergeschosses einige ihrer Arbeiten. 1994 konnte Aeppli in Solothurn ihre erste grosse Retrospektive einrichten, die erste ihres Lebens. In der Solothurner Sammlung befinden sich dann auch mehrere Hauptwerke der Künstlerin, die von 1951 bis 1969 in zweiter Ehe mit Jean Tinguely verheiratet war.

Zu sehen sind drei ihrer «Livres de Vie», eine Art Tagebücher, oder eine ihrer Stoffskulpturen, die lebensgrosse, auf einem Stuhl sitzende «Honoré».

Daneben ist eine Anzahl von Werken von Künstlern zu sehen, die Eva Aeppli in oft jahrzehntelanger Freundschaft verbunden waren: Daniel Spoerri, Bernhard Luginbühl, Jean Tinguely oder Meret Oppenheim. (frb)