Die Leiter treppauf und treppab, bis die Rothus-Halle förmlich mit Bildern tapeziert ist. «Bilder-Tetris» wird das Ritual zuweilen genannt, mit dem die Helferinnen und Helfer alljährlich dem Start des Kunst-Supermarkts entgegenfiebern. Kunst-Fieber dürfte auch all jene Besucher treffen, die den Anlass kennen oder kennenlernen wollen. Zum 19. Mal entsteht hier ab Donnerstag eine Einkaufshalle der Kunst. Einmal mehr wird die Rothus-Halle zum Treffpunkt, wo es sich über Geschmack und Geschmäcker so schön streiten lässt wie sonst kaum irgendwo.

Auch heuer warten 4000 Werke von 96 Künstlern aus der Schweiz und zwölf weiteren Nationen mit altbekannten knallroten Preisschildern in den Auslagen auf ihre Abnehmer. Weitere 3000 lagern als Nachschub. Peter Lukas Meier, geistiger Vater des Kunst-Supermarkts, weiss um die Provokation, die sein Anlass in den Augen der Kunstszene darstellen mag. «Dabei wird es zunehmend schwieriger, mit Kunst zu provozieren.» Und letztlich ist es nicht nur der Kunstverstand, um den sich bei der Kaufentscheidung alles drehen muss. «Im Kunst-Supermarkt entscheidet auch das Bauchgefühl», sagt er. Oder anders: was gefällt.

Werke mit Regionalkolorit

Platz haben Kassenschlager, Ausgewähltes oder Experimentelles. «Es gibt schon Künstler, bei denen man spürt, dass sie vor allem verkaufen wollen», weiss Meier. Aber viele wiederum lassen sich vom Anlass selbst inspirieren. Und einige erschaffen gar Werke mit Solothurner Regionalkolorit wie Milos Petkovic aus Zürich, Chanti Shannon Schmitt aus Oberbuchsiten oder der heimische Künstler Eric Müller, der sich mit der Natur der Heimat auseinandersetzt. Das Spektrum reicht aber weit über die Bilder mit «Solothurness» hinaus: von streng bis verspielt, von organisch bis geometrisch, in Aquarell oder knalligen Farben. Einige erinnern an Altmeister, muten avantgardistisch an oder stechen als noch nie gesehene Bildexperimente ins Auge. Augenweiden fürs Wohnzimmer, Sinnliches fürs Schlafzimmer oder Kunterbuntes fürs Kinderzimmer.

Neben den vier regulären Preiskategorien von 99 bis 599 Franken stehen auch Sonderexponate bereit. Abgerundet wird das Angebot durch Grossformate oder andere Kunstwerke wie Stefan Bucher-Twerenbolds Fledermaus. Von den Kunst-Supermarkt-Machern provisorisch «Flugimir» genannt, schwebt die Skulptur mit der Leichtigkeit eines Fluggeräts aus Da Vincis Atelier über den Köpfen der dereinstigen Kunst-Supermarkt-Besucher. «Beflügelt» werden die Fans des Anlasses heuer auch durch die Möglichkeit, sich vor dem Eingang als Engelsfigur oder Flügelgestalt ablichten zu lassen.

Bewährt sind zudem die Künstlerateliers, die an den Wochenenden im Dezember die Gelegenheit bieten, den Künstlern über die Schultern zu schauen. Und nach dem ersten Ansturm will Meier der Halle mit einem Café-Angebot auch ein wenig Bistro-Flair einhauchen.

Das Erfolgsrezept

Seit jeher hält Meier an eisernen Regeln fest: In den Auslagen findet sich nur Kunst von lebenden Künstlern, keine von Estrichstaub befreiten Trouvaillen verstorbener Künstler, und keine Resteverwertung: Die Werke dürfen also nicht älter als fünf Jahre alte sein. Mit diesem Grundsatz und dem gezielten Ansprechen eines breiten Publikums zieht Meier sein Erfolgskonzept weiter. Zwar setzt er immer mehr auch die Sozialen Medien zur Bewerbung des Anlasses ein – über Landesgrenzen hinaus. Noch besser aber ist, dass sich der Name des Kunst-Supermarkts seit 19 Jahren von alleine rumspricht.

Kunst-Supermarkt vom 9. November bis 6. Januar. Vernissage: 8. November, 18 Uhr, Rothus-Halle. Infos: www.kunstsupermarkt.ch