Ausstellung

Kunst gegen die Nebenwirkungen des modernen Lebens

Georges Wenger befasst sich mit dem Fleischkonsum. Hansjörg Sahli

Georges Wenger befasst sich mit dem Fleischkonsum. Hansjörg Sahli

Neun Künstler aus Solothurn, Basel, Zürich und Hamburg thematisierten in der Rothus-Halle die Themen Verschwendung und den Umgang der Menschen mit den Ressourcen. Die Installation zeigt eine WC-Schüssel mit symbolischen Charakter.

Zum Essen gehört irgendwann auch die Toilette. Und dort spült der Mensch mehr runter, als er denkt: Medikamentenreste, Pestizide, Chemikalien. Der Mensch hat sie gegessen. Im Abwasser werden Forellen wegen der Antibabypille geschlechtslos – Nebenwirkungen des Lebensstils. «public toilet» heisst die Installation von Curt Walter, die den Chemikaliencocktail in Lebensmitteln thematisiert. Die Installation, eine weisse WC-Schüssel steht in der Rothus-Halle in der Solothurner Vorstadt. «Wir haben einen Wasserüberfluss. Die WC-Spülung funktioniert mit Trinkwasser», sagt Kurator Peter Lukas Meier. Er steuert die Halle seines Rothus-Verlags zur Ausstellung bei. In dieser stellen sich ab morgen Sonntag drei Künstlerinnen und sechs Künstler die Frage: «Wann ist genug genug?» Sie thematisieren die Themen Nachhaltigkeit, Verschwendung oder Überfluss.

Künstler wollen sich einmischen

Es sind neun sehr unterschiedliche Künstler. Sie stammen aus Basel, Zürich und Hamburg. Aus der Region ist einzig Pavel Schmidt dabei. Im Frühling 2011 trafen sich die Künstler zum ersten Mal. Eingeladen hatte sie der Journalist und Kulturvermittler Urs Heinz Aerni. Gemeinsam haben sie das Thema erarbeitet. Meier betont, dass zuerst das Thema da war und dann die Ausstellung kam. Man habe nicht einfach im Nachhinein eine Klammer um neun Künstler gelegt. «Die Künstler wollen sich in die Diskussion einmischen», sagt Meier.

Ganz unterschiedlich – und mit mehr oder weniger offensichtlichem Zusammenhang zum Thema – haben sich die Künstler ans Werk gemacht. An Marronitüten erinnern Juliane Plögers Vögel. Die Hamburgerin hat Tüten aufgehängt, in denen auf dem Markt in Bologna Einkäufe verpackt werden. Jsabella Gnos wiederum befasst sich bei der Performance «Hommage an das Schweizer Trinkwasser» erneut mit der Toilette.

Gegen Monokulturen

Wer die Rothus-Halle betritt, blickt auf einen Zuckerberg, den Georges Wenger aufgebaut hat. 160 Kilogramm liegen am Boden, so viel wie eine vierköpfige Familie jährlich konsumiert. Transparente hängen über dem Zuckerberg. «Die Monokultur ist ein Rezept, mit dem man die Menschen aushungert, nicht ernährt», steht auf dem einen. «Wollen Sie uns bei der Lösung helfen, oder gehören Sie zum Problem», fragt ein weiteres Transparent den Besucher. Wer nimmt zwei Tage länger frei, damit er nicht mit dem Flugzeug, sondern mit dem Zug nach Wien reisen kann, fragt Initiator Urs Heinz Aerni im Ausstellungskatalog.

Besuch aus der ganzen Schweiz

Für Ausstellungskurator Peter Lukas Meier ist es die erste richtige Kunstausstellung in der Rothus-Halle, die sonst für den Kunstsupermarkt bekannt ist. Er möchte seiner Halle so ein weiteres Standbein geben und sie schweizweit promoten. Meier hofft, dass die Künstler ihr Publikum mitbringen und Auswärtige nach Solothurn locken. Abgerundet wird die Ausstellung mit Performances und Diskussionen. Nächsten Donnerstag fragen sich etwa Wirtschaftsjournalist Philipp Loepfe und Nationalrat Oskar Freysinger (SVP), wann genug genug ist.

«Mahlzeit!» Vernissage: Morgen Sonntag, 16 Uhr, in der Rothus-Halle an der Schöngrünstrasse. Geöffnet bis 7. April jeweils Do-So nachmittags.

Ausstellung mit Michael Wyss, Georges Wenger, Curt Walter, Juliane Plöger, Pavel Schmidt, Nadine Seeger, Jsabelle Gnos, Adrian Bütikofer, Wyndham Boulter.

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