Abreisen und ankommen – das ist das Geschäft, dem sich Petra Hubler-Schäfer widmet. Ihr Reisebüro «el travel» schickt Menschen in die Ferien. Nun hat sich das Unternehmen selbst auf eine Reise begeben: von Biberist nach Solothurn. Seit Kurzem ist Hubler zusammen mit ihren Mitarbeiterinnen Nathalie Schreier und Sybil Schweizer am Unteren Winkel zu finden.

Einerseits verkauft «el travel» als Retailer Pauschalreisen, wobei die Preise vorgegeben sind. Andererseits betreuen Hubler und ihr Team zu 80 Prozent Kunden, die Individualreisen buchen möchten.

Begonnen hat Hublers Reise aber vor 35 Jahren, als sie ihre KV-Lehrzeit in einem Reisebüro verbrachte. Nach der Ausbildung fasste sie den Entschluss, nie mehr in der Branche Fuss zu fassen, die bei vergleichsweise niederen Löhnen viel zeitliche Flexibilität abverlangte. Doch kurze Zeit später war sie wieder am selben Arbeitsplatz. Sehr wohl wusste Hubler nämlich um den Reiz der Reisebranche, und sie weiss es heute umso mehr: «Es ist ein schönes, spannendes Thema.»

Als sie dann vor 20 Jahren in kurzer Zeit zweimal Mutter wurde, kündigte sie, stieg aber bald wieder in einem lokalen Reisebüro ein – wo man ihr die Geschäftsführung anbot. Nach sieben Jahren im Spagat zwischen Arbeit und Familie wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete «el travel»: «Es gab schlaflose Nächte, aber Glück, Fleiss und Mut haben den Weg geebnet.» Es sei aber auch kein Selbstverwirklichungstrip gewesen, sagt sie, sondern lediglich die beste Lösung, um auch für die Familie da zu sein. «Ich sah mich als Löwin in der Wildnis, um der Arbeit als Mutter und im Beruf gerecht zu werden», erinnert sie sich.

Eine «wilde» Branche

Tatsächlich ist die Branche je länger je mehr zur Wildnis geworden, gerade auch angesichts grosser Marktplayer, die ebenso ihre Kämpfe auszutragen haben. Der Preisdruck schmälert bei Gross und Klein die Gewinnspannen. Und: Auf die Verheissungen der Digitalisierungen folgt in der Branche die Ernüchterung. Die durch die Orientierung am Onlinemarkt gestiegenen IT-Kosten haben die Personalkosten nicht im erwarteten Masse sinken lassen. «Vielfach müssen die Dienstleister deshalb einen Parallelkurs fahren.»

Das Erfolgsrezept in der Wildnis: «‹el travel› bewährt sich, indem wir die Kosten im Griff behalten.» Einerseits bei der Miete, weshalb man sich auch in der Vor- und nicht in der Altstadt angesiedelt habe: «An der Hauptgasse tummeln sich die Ladenketten, hier die Unternehmer», stellt Hubler schon heute fest. Weitere Betriebskosten spart sie bei sich selbst: Da die Mitarbeiterinnen im Fixlohn angestellt sind, beginnt für Hubler Genügsamkeit im eigenen Portemonnaie. Pro 100-Prozent-Pensum sei eine Million Umsatz nötig – gesamthaft wird «el travel» mit 200 Stellenprozenten am Laufen gehalten. Berufliche Zufriedenheit sei aber nicht nur mit Geld zu berappen. «So mache ich etwas, das mir Freude bereitet.»

Begegnung als Kernmotiv

Nicht nur der Verkauf von Reisen ist es, der für die Geschäftsführerin weit oben steht, sondern die Begegnung mit Menschen. Natürlich gibt es in der Beratung immer Handfestes zu klären: Wie sind die Einreisebestimmungen? Wie ist das Wetter? Was ist aus gesundheitlicher Sicht zu beachten? Aber nicht nur das: «Es geht um Kommunikation. Und darum, die Menschen zu spüren.»

Was will der Kunde? In welchem Zeitraum und zu welchem Preis? Wie lassen sich die Bedürfnisse aller Familienmitglieder unter einen Hut bringen? Möchte der Kunde eine Checkliste der Sehenswürdigkeiten abklappern? Oder lässt er Begegnungen mit Menschen zu, während er im Strassencafé sitzend innehält? So unterschiedlich, wie Destinationen und Reiseideen sind, so unterschiedlich sind die Kunden. Das «El» in «el travel» steht denn auch für «Einfach luxuriös» – womit das Reisebüro das Bedürfnisspektrum zwischen beiden Polen abdecken will.

Fokus auch auf junge Leute

«el travel» schickt sich aber auch an, junge Reisende abzuholen: So ist geplant, im Nebenraum Sprachreisen zu thematisieren. Ungezwungen und niederschwellig sollen sich Jugendliche austauschen und ihre Ferien oder ihren Sprachaufenthalt mit beratender Unterstützung planen. «So easy, wie das Reisen auf den ersten Blick scheint, ist es nämlich nicht», sagt Hubler. Auch Fragen wie zu allfälligen Visa und zu Familienbesuchen sind zu klären.

Wie aber kommt man mit dem chronischen Fernweh zurecht, wenn man den lieben langen Tag die Weltkarte vor dem inneren Auge hat? «So wie das Leben selbst eine Reise ist, sind wir auch im beruflichen Alltag auf Reisen», winkt Hubler ab. Im Geiste befinden sie und ihre Mitarbeiterinnen immer an einem schönen Fleck irgendwo auf dem Globus und reisen mit: «Die Kunden spüren und schätzen das.»