Wie die Veranstalter betonen, nahm jeder Besucher durchschnittlich an dreieinhalb verschiedenen Anlässen teil. Ab 17 Uhr bis tief in die Nacht zirkulierten rund 3500 Personen zwischen den 31 verschiedenen Austragungsorten. Mit dem Besuch der Nischenangebote zeigte vor allem das Stammpublikum, dass es offen für Neues ist.

Es ist vier Uhr nachmittags. Im Kunstmuseum stehen rund zehn Kinder vor dem Bild «Wilhelm Tell» von Ferdinand Hodler. Ihr Blick ist auf die Armbrust gerichtet, die der zu allem entschlossene Volksheld in seiner linken Hand hält. «Wer kennt diesen Mann?», fragt die Museumspädagogin Claudia Leimer. Die einen zögern, die anderen wissen auf Anhieb, wen sie da vor sich haben. Neben dem Bild steht ein Schaukasten. Dort kann eine Armbrust im Detail betrachtet werden. Mitgebracht haben sie die Museumspädagoginnen aus dem zurzeit geschlossenen Alten Zeughaus.

Nur wenig später kauern die Kinder im daneben liegenden Saal und pausen die Rückseite eines Fünflibers ab. Wer hat gewusst, dass Wilhelm Tell sogar auf einem Geldstück verewigt ist? Ausschneiden und aufkleben, und schon ist der rote Museumspass fertig. Viel schwieriger ist es später im Freien mit einer modernen Armbrust auf eine Scheibe zu zielen. Der arme Walterli hätte wohl mehrere Male sein Leben lassen müssen. Selbst die Erwachsenen tun sich schwer damit, die Mitte zu treffen. Einen Apfel vom Wallierhof haben sich trotzdem alle Schützen verdient.

«Beeil dich, wir gehen jetzt ins Naturmuseum», drängt eine Mutter ihre Kinder. Dort warten Hausmeister Winterberg alias Uwe Schönbeck und der Biologe Dr. Christian Kropf. Unter dem Titel «Kleine Helfer - Tiere im Dienste des Menschen» versucht Kropf das Publikum zu überzeugen, dass alle Haushunde vom Wolf abstammen - auch Barry vom Grossen St. Bernhard, der in Japan einen Bruder hat. Doch Kropf hat Schwierigkeiten, sein Wissen an die Kulturnacht-Besucher weiterzugeben. Immer wieder wird er von Winterberg unterbrochen, der nicht bloss für Lacher sorgt, sondern auch dem Thema angepasste Gedichte rezitiert.

Während die Kinder langsam aus den Zuhörerrängen verschwinden, übernehmen mehr und mehr Erwachsene deren Platz ein. Im Kreuzsaal treffen sich die Schriftsteller Erhard von Büren, Silvia Tschui und Jens Nielsen, um einen Vorgeschmack auf die kommen-den Literaturtage zu geben. Die Rundgänge durch Solothurns Quartiere, die von Büren in Worten nachzeichnet, kommen den gespannt lauschenden Besuchern bekannt vor. Es sind die poetischen Töne, die hier angesprochen werden und den Zuhörern ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Während man im Kreuz eher etwas unter sich ist, herrscht im Künstlerhaus in der Schmiedengasse Hochbetrieb. Es geht um Ephémère Kunst, ein Mann und sein Akkordeon und eine Musikerin, die irgendwo zwischen Jazz skandinavischer Lyrik zuhause ist. In der Gasse stehen Leute mit Weingläsern. Es ist offensichtlich - hier wird gefeiert.

Eine Besucherin hält das Programmheft und einen Kugelschreiber in der Hand. «Ich glaube wir gehen jetzt ins Kino im Uferbau, dort werden Kurzfilmperlen aus dem Programm der Filmtage gezeigt.», sagt sie zu ihrer Begleiterin. Ob sie aus Solothurn stammt? «Nein, nein», antwortet sie. «Wir kommen aus Biel, aber kulturell ist Solothurn einmalig.»

Proppenvoll ist auch der Kultturm. Prominente Gesichter aus der näheren Umgebung. Die erfolgreichen Kleinkünstler Valsecchi und Nater gehören zu den Highlights der Nacht aller Nächte. Der schweizerische Mittelstand wird aufs Korn genommen, aber auch ein Klassentreffen vollgestopft mit Erinnerungen. Poesie und Satire reichen sich die Hand.

Längst gehören die «Acoustic Nights» im Alten Spital zu einer der bedeutendsten schweizerischen Plattformen für Songwriters. Dass sich die Institution für die Kulturnacht einen besonderen Leckerbissen ausgedacht hat, war zu erwarten. Die zehn feinen Folksongs des sympathischen Walliser Liedermachers Tiziano Zandonella und seiner Band erhalten viel Applaus. Für die einen ist dies ein würdiger Abschluss, der sie sanft in den Schlaf wiegen wird, während andernorts die Abschiedspartys für unentwegte Nachtschwärmer beginnen.