Wenn hinter vier Meter dickem Gemäuer die Post abgeht, dann muss man die Werbetrommel schon ein wenig lauter rühren, um Gehör zu finden. Dies ist auch die Erfahrung der Macher im «Kulturm». Als vergangenen Herbst die unterdessen letzte Etappe der Umbauarbeiten abgeschlossen werden konnte, leitete man in der altehrwürdigen Bastion eine neue Ära ein.

Der «Kulturm» hatte durch einen architektonischen und organisatorischen Umbau ein neues Gesicht erhalten. «Dadurch konnten die Nutzungsmöglichkeiten erweitert und zusätzlich die Organisationsstruktur professionalisiert werden», so Rafael Waber, Vorstands- und Betriebsleitungsmitglied im Verein Muttiturm.

Verein erhält einen Partner

«Dass das Gebäude Potenzial hat, war schon immer klar. Immer mehr Leute interessierten sich nach der Neueröffnung 2008 dafür, die Lokalität für private Feiern, Firmenapéros, Bankette oder Sitzungen zu mieten», erinnert sich Waber. Nur hätte diese zusätzliche Nutzung nicht auch noch durch die Ehrenamtlichen des Vereins bestritten werden können. So entschloss sich der Verein 2009, diese Dienstleistung an einen Partner zu übertragen: «Dies vor allem, um die steigende Anzahl privater Anlässe zu bewältigen, die Ressourcen der Vereinsmitglieder für den Kulturbetrieb zu bündeln und den Verein finanziell abzusichern.» So gründete Waber zusammen mit Ivo Hutzli und Jürg Wirz die Wirk GmbH.

Für diesen Bereich wird den Helfern unter Federführung der GmbH ein Lohn ausbezahlt – im Gegensatz zu den öffentlichen Kulturanlässen im «Kulturm», die von rund 25 Freiwilligen des Vereins Muttiturm mit viel Herzblut und Engagement bestritten werden: «Einzelne arbeiten hier bis zu 50 Prozent ehrenamtlich.» Obschon es nach einem halben Jahr für ein Fazit noch zu früh ist, hat sich die neue Organisationsform positiv ausgewirkt. So konnte sich der «Kulturm» finanziell teilweise auffangen. «Der Verein ist aber nach wie vor stark auf Unterstützung von Gönnern und Sponsoren angewiesen», fügt Waber an.

Mit Liebe zum Detail

Doch nicht nur organisatorisch hat der «Kulturm» einen Neuanstrich erhalten. Mit dem Umbau wurde der Plan ins Auge gefasst, die vier Etagen gezielter zu nutzen und dabei Funktion und Design miteinander zu verbinden. Dabei gingen die Initianten der GmbH mit Liebe zum Detail an den Umbau. Alle drei stammen aus der Privatwirtschaft: «Da hat man gewisse Vorstellungen, nach welchen Qualitätskriterien ein Betrieb beschaffen sein sollte», sagt Waber.

Im Fokus des Umbaus stand vorwiegend das oberste Stockwerk – neu «KuppelSaal» genannt. «Dass wir dort die roten Kinosessel rausgenommen haben, war natürlich ein riskantes Unterfangen: Schliesslich waren diese für viele das Markenzeichen schlechthin.» Neu wurde neben einem Beheizungssystem ein Parkettboden eingebaut und diverses Mobiliar für verschiedenste Anlassformen angeschafft.

Der «KuppelSaal» wird so vielseitig verwertbar: als Bankettsaal, Theater- und Konzertraum oder als Dancefloor. Die unteren Stockwerke beherbergen die «GalerieEtage», den «FoyerBereich» und die «LoungeBar». Weitere Aus- und Umbauschritte sind konkret geplant, einzig der Zeitpunkt ist noch unklar.

Plattform für lokale Artisten

Und gerade mit ausverkauften Partyformaten wie «Nox» und «Beatz» erhalten die ambitiösen Pläne Wind in die Segel. Doch auch beim «Elderly People Dancing»-Anlass fürs reifere Partyvolk oder bei den diversen Kleinkunstanlässen stimmen die Verkaufszahlen. «Einzig die Anlässe in der Lounge-Bar müssen noch gefördert werden», stellt Waber fest, was er damit begründet, dass in Solothurn eine Kultur der Loungekonzerte bislang eher fehle. Auch darauf haben die «Kulturm»-Macher eine Antwort: Ab diesen Frühling wird das Format der monatlich stattfindenden Loungekonzerte auf die lokalen Bands ausgerichtet. «Wir bieten diesen so eine Auftrittsplattform – und dies ist ganz in unserem Sinne», so Waber. Der «Kulturm» will sich der Öffentlichkeit vermehrt sicht- und hörbar präsentieren – auf dass die dort gelebte Kultur auch durch die dicksten Mauern sickert.