Solothurn

In der Kulturfabrik Kofmehl ist es wegen Corona-Lockdown still, aber nicht ruhig geworden

Die Kulturfabrik Kofmehl musste seit dem Stillstand vor vier Wochen 50 Anlässe absagen.

Die Kulturfabrik Kofmehl musste seit dem Stillstand vor vier Wochen 50 Anlässe absagen.

Die Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn ist schon seit einem Monat zur Zwangspause verurteilt. Doch was äusserlich rostet, rastet innen nicht – die Verantwortlichen Pipo Kofmehl und Rolf Studer im Interview.

Pipo Kofmehl, Leiter der Kulturfabrik Kofmehl, und Rolf Studer als Präsident der Stiftung zur Förderung der Jugendkultur im Kanton Solothurn sehen sich durch den Stop des Kulturbetriebs vor riesige Herausforderungen gestellt.

Seit gut vier Wochen ist die Kulturfabrik Kofmehl dicht. Gibt es inzwischen auch gute Nachrichten?

Pipo Kofmehl: Es waren vier sehr turbulente Wochen auch in der Kulturfabrik Kofmehl – wir waren ja als Publikumsmagnet quasi als Erste betroffen. Die guten Nachrichten: Wir können auf viel Unterstützung und Verständnis von allen Seiten zählen sowie geben die Massnahmen von Bund und Kanton doch ein wenig Sicherheit und Ruhe in den Betrieb. Auch die inhaltliche Programmierung für die nächste Saison läuft weiterhin gut.

Aber die Saison 2019/20 ist wohl so gut wie gelaufen?

Vorerst läuft das Veranstaltungsverbot bis am 30. April. Was bis dahin alles noch passiert, werden wir sehen. Wir planen aber sicher und auf jeden Fall aufgrund neuer Anweisungen, die von Bund und Kanton kommen. Was ab dem 1. Mai möglich ist und wie dann die Befindlichkeiten sind wird man sehen. Es ist aber vergleichsweise eine lange Zeit, in der vieles auf alle Seiten passieren kann, wenn man bedenkt, in welchem Tempo die Corona-Walze in den letzten vier Wochen hier gepoltert hat.

Pipo Kofmehl und Rolf Studer

Die Beiden stehen weiterhin gemeinsam hinter der Kulturfabrik Kofmehl. (Archivbild)

Die Beiden stehen weiterhin gemeinsam hinter der Kulturfabrik Kofmehl. (Archivbild)

Das hinterlässt sicher auch tiefe Spuren in der Rechnung?

Ja sicher! Im März und April haben in der Kulturfabrik rund 50 Anlässe nicht stattgefunden – den genauen Schaden können wir noch nicht abschliessend beziffern. Allerdings ist der Betrieb gut aufgestellt – wir haben sehr schnell reagiert und das Haus quasi in einen Winterschlaf versetzt, dass heisst: Kostentreiber möglichst schnell und fest reduziert, so, dass wir mit minimalen Kosten den Betrieb weiterlaufen lassen können – eine grosse Herausforderung, weil das alles in sehr kurzer Zeit passieren musste. Weiter ist es so, dass sehr viele Kosten sehr variabel sind – intensiver Betrieb generiert hohe Kosten und bei einem reduzierten Betrieb können die Kosten tief gehalten werden. Und hier hilft auch das ganz wichtige Instrument in dieser Krise: Die Kurzarbeit! Allerdings: Reduzieren wir den Betrieb hat das natürlich und leider auch Auswirkungen auf all unsere Lieferanten, Partner und Personen, die hier stundenbezogen mitarbeiten.

Wie sieht Rolf Studer als Präsident der Eigentümer-Stiftung die aktuelle Situation?

Rolf Studer: Die Stiftung zur Förderung der Jugendkultur im Kanton Solothurn steht als Inhaberin der Liegenschaft Kulturfabrik Kofmehl den Betreibern selbstverständlich mit Goodwill zur Seite. Wir sind eine Familie. Gleichzeitig hat die Stiftung den Rostkübel dem Kanton und auch der Stadt Solothurn für alle gesundheitlichen Belange und Nutzungen zur Verfügung gestellt.

Wer konnte zwischenzeitlich noch arbeiten und was war zu tun?

Pipo Kofmehl: Das Kofmehl-Team hat wahre Höchstleistungen erbracht: Programminhalte verschoben, Anlass-Produktionen und das ganze darum herum storniert und natürlich die Planung von Tag zu Tag in den letzten fast vier Wochen mit immer neuen Situationen sehr gut gemeistert. Eine sehr intensive Zeit, in der wir uns befinden, auch weil sie kaum planbar war. Seit dem 9. März herrscht bei uns Kurzarbeit, was heisst: Acht Menschen, die über ein Teil- oder Vollzeitpensum verfügen arbeiten voll reduziert und auch sonst wuseln im Haus keine Menschen mehr aus den vielen Teams herum – auch ein Novum. Unter normalen Bedingungen kommt das an vielleicht maximal vier Tagen pro Jahr – besonders in der letzten Juli-Woche – vor.

Gibt es angesichts des kommerziellen Desasters überhaupt Garantien, dass die Kulturfabrik weiter bestehen kann – und wer sorgt dafür?

Garantien sind etwas schwierig, aber der Wille, dass unsere Lieblingshütte weiter besteht, ist ungebändigt vorhanden – klarer Fall! Die aktuelle Situation ist eine grosse Herausforderung und auch diese gehen wir mit viel, viel Herzblut an. Und: Diese Krise ist auch eine Chance! Finanziell helfen die Instrumente von Bund und Kanton und wenn es dann doch länger geht, braucht es unkonventionelle und kreative Ideen.

Gegen 200 Jugendliche engagieren sich ehrenamtlich fürs Kofmehl – wie bleiben sie mit dem Haus verbunden?

Aktuell ist es etwas schwierig, dass man sich live vor Ort sieht. Aber es rattern viele Whatsapp-Chats und Video-Telefonie-Sessions.

Dramatisch ist die Situation ja für die Künstler ohne Auftrittsmöglichkeiten. Welches Feedback bekommt ihr dazu?

Nun, für Künstlerinnen und Künstler ist diese Situation sehr, sehr schwierig, wie wahr – auch weil Live-Auftritte für viele mittlerweile das Haupteinkommen generieren. Absagen sind aktuell höhere Gewalt – Gagen müssen so nicht bezahlt werden – das ist natürlich bitter. Wir hören sehr vieles, von Künstlern und von befreundeten Veranstaltern aus der ganzen Schweiz. Die Branche wurde regelrecht wie von einem Tsunami durchgeschüttelt. Wir sind gespannt, wie sich das ganze weiterentwickeln wird, gehen aber davon aus, dass diese Coronakrise wahrscheinlich noch länger nachhallt.

Die nächste Saison steckt bereits in der Pipeline – im Herbst sind schon etliche Acts gebucht. Was ist, wenn auch im August der Betrieb noch ruhen müsste?

Nun, im Juli und August haben wir eine durch die Baubewilligung verordnete Sommerpause. Acts vom März und April konnten zum Glück grösstenteils ins Herbst-Programm verlagert werden. Die Frage ist natürlich, welche Bedingungen im Herbst herrschen werden. Wir machen uns auch Überlegungen, wie das dann als Konzertbetreiber sein wird, nach Corona! Aber das und viel mehr werden wir sehen – wie gesagt: Es ist eine grosse Herausforderung. Corona hat die Welt innerhalb von paar Tagen aus den Fugen gekickt – Wahnsinn!

Wer hat bis anhin mehrheitlich draufgelegt beispielsweise bei schon oder eben noch nicht bezahlten Gagen?

Nun, diese Corona-Krise ist höhere Gewalt und somit sind Gagen nicht zu bezahlen. Zum Glück mussten wir bisher nur wenige Absagen machen und konnten vieles ins Herbstprogramm verschieben. Für die Künstlerinnen und Künstler kommt das Ganze aber natürlich trotzdem einem Ausfall gleich.

Sind Versicherungsleistungen ein Thema?

Nein, eine Pandemie wie die aktuelle kann man in unserer Branche nicht absichern. Aber: Hier dürfen wir auch mal ein grosses Dankeschön aussprechen an all unsere Partner und Lieferanten, die sehr kulant sind in der aktuellen Situation. Das hilft natürlich sehr fest den Kahn über Wasser zu halten! Yeah!

Im April vor genau 15 Jahren wurde die neue Kulturfabrik Kofmehl nach einer beispiellosen Solidaritätswelle eröffnet. Eine solche wird wohl wieder gefragt sein – ist sie schon in Bewegung?

Wie gesagt, von dieser Krise wurden so ziemlich alle unerwartet und fest überrollt. Aktuell geht es nun mal darum, die aktuelle Situation so gut es geht im Griff zu behalten. Es wird wohl noch vieles folgen, und man wird sehen, was daraus alles entstehen wird und kann. Eine spannende und intensive Zeit – aber wir sind und bleiben positiv!

Die gute Fee erfüllt Pipo Kofmehl drei Wünsche. Die da wären?

Tja… eigentlich ist es nur ein Wunsch, nämlich, dass alle diese schwierige Krise gut meistern können und dabei gesund bleiben!

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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