Kommentar
«Kult Fluri»!

Kurt Fluri wird am Sonntag zum siebten Mal zu Solothurns Stadtpräsident gewählt. Zudem taucht sein Name als Favorit unter den Bundesratskandidaten für die Nachfolge von Didier Burkhalter auf.

Theodor Eckert
Theodor Eckert
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«Mit der erneuten Wahl hat Kurt Fluri definitiv Kultstatus erlangt»

«Mit der erneuten Wahl hat Kurt Fluri definitiv Kultstatus erlangt»

Hansjörg Sahli

Gestern hat die Sonntagspresse FDP-Mann Kurt Fluri zu einem der fähigsten Bundesratskandidaten für die Nachfolge von Didier Burkhalter gemacht. So einfach ist die Sache allerdings nicht, liebe Journalistenkollegen. Die Solothurner Bevölkerung möchte ihren Stadtpräsidenten nämlich nicht verlieren. Sie hat ihn klar und deutlich zum siebten Mal gewählt. Wen denn sonst. Eine unmissverständliche Botschaft, auch an die Adresse einer (anfangs) euphorisierten SP.

In keiner Partei sind derzeit ernsthafte Fluri-Nachfolger auszumachen. Solche, deren Kopf wenigstens im Ansatz über das Mittelmass hinausragt. Mit dem Amt liebäugeln zwar einige. Ihnen traut man indes nicht wirklich zu, über das nötige Rüstzeug zu verfügen. Und die wenigen, die es tatsächlich hätten, sind anderweitig beschäftigt. Eigentlich bitter für eine rundum attraktive Kleinstadt wie Solothurn – eine gut gebettete Kleinstadt und zweifellos mit ein Grund, am Bewährten festzuhalten, sich nicht auf Experimente einzulassen.

Die gestrige Wahl hat darüber hinaus noch weitere Erkenntnisse gebracht. Zum Beispiel, dass man einen engagierten, gradlinigen und gewieften Politiker wie Kurt Fluri auch nach 24 Jahren nicht mit Links aus dem Stadtpräsidentensattel wirft. Dazu hätte es mehr gebraucht als eine kämpferische SP-Frau. Immerhin, diese Eigenschaft kann man Franziska Roth nicht absprechen. Doch allein damit ist es nicht getan.

Sie hat zwar auf Schwachpunkte der Fluri-Ära hingewiesen, den monierten Unzulänglichkeiten folgten jedoch keine griffigen Lösungsvorschläge. Solche hätte man von einer angehenden Exekutivpolitikerin erwarten können. Kein Wunder, gelang es ihr nicht, weder vom Frauenbonus noch vom allgemeinen Linkstrend in Schweizer Städten zu profitieren. Kurt Fluri weiss indes auch bei Frauen und Linken zu punkten, wie die diversen Unterstützungsbotschaften gezeigt haben.

Mit der erneuten Wahl hat Kurt Fluri definitiv Kultstatus erlangt – es würde nicht überraschen, wenn «Kult Fluri» es auch in vier Jahren nochmals richten müsste ... und könnte.

theodor.eckert@azmedien.ch