Mit 256 digital bearbeiteten Fotos zeigt der Künstler Franco Müller derzeit im Kulturm eine ganz neue Sicht auf Orte und Dinge. Es lohnt sich, die überwiegend postkartengrossen Fotos in aller Ruhe zu betrachten, weil Veränderungen bei manchen Aufnahmen sich erst auf den zweiten Blick erschliessen. Das Betrachten kann durchaus Spass machen, und Vergleiche mit Vexierbildern oder surrealer Kunst drängen sich auf.

Seit 2008 werden in diesem im Parterre des Buristurms gelegenen Raum Fotos mit Bezug zu Solothurn ausgestellt. So konnten in den letzten Jahren Arbeiten renommierter Fotografen wie Götz Diergarten oder André Albrecht besichtigt werden. Ausserdem hatten noch wenig bekannte Talente die Möglichkeit, an dieser Stelle ihr Können zu zeigen. Franco Müller indessen ist vor allem als Kunstmaler bekannt. Er hat aber schon immer fotografiert, aber bevor digitale Bearbeitungen möglich waren, bewusst unscharf.

Der Blick des Malers sieht Farben und Umrisse, denn die Realität eins zu eins wiederzugeben ist eben doch Aufgabe des Fotografen. So hat Müller auch bei diesen Sujets zuerst das Gemälde verinnerlicht und ist von daher an die Bearbeitung der Fotos gegangen. Während des Bearbeitungsprozesses ist es öfters auch zu spontanen Änderungen gekommen. Sein malerisches Werk kennzeichnet sich durch eine Vorliebe für flache Striche. Diese Vorliebe wird auch in den Fotos sichtbar, wenn beispielsweise der Blick vom St. Ursenturm auf flache Dächer fällt.

«Inspiriert durch fehlerhafte Grafiken beim Betrachten von Street-View-Ansichten oder Spielanimationen am Computer habe ich meine eigenen digitalen Bilder verfremdet und abgeändert. Mit der Zeit habe ich bemerkt, dass ich mich damit in das Spannungsfeld aktueller Bildproduktionen vertieft habe. Selbst mit einem geübten Auge ist es oft schwierig, die digitale Nachbearbeitung zu bemerken. Wenn man sie jedoch erkannt hat, erfolgt eine faszinierende Wirkung», erklärte Franco Müller an der Vernissage.

Einstürzende Wände

Einige Stadtansichten sind so bearbeitet, dass beim Betrachten das Gefühl aufkommt, dass das abgelichtete Gebäude auf die Seite kippt und demnächst zusammenstürzt. Auch kleinere Objekte werden verfremdet, so das Tischtelefon, welches an der Wand hängt. Die straff gezogenen Linien am Boden der Turnhalle des Hermesbühl sind gebogen und ergeben ein Bodenmuster. Die Aare in eine Art Schlucht zwischen Anhöhen eingeklemmt, weckt Assoziationen, dass der Name Solothurn auf einen Engpass der Aare zurückgeht. Ein Bahngleis, das kurz vor dem Bildrand in die Tiefe abfällt, weist auf Abgründe – landschaftliche oder seelische – hin.

Doch Franco Müller sagt: «Keine Mahnmale in einer kaputten Welt, aber bedenkenswerte visuelle Erinnerungsfetzen, dass es Spass macht, stets aufmerksam zu bleiben.» Es ist zu empfehlen, wachen Sinnes dieser Fotoleiste zu folgen, dann und wann zu schmunzeln, aber letztlich die künstlerische Umsetzung und Müllers Ideenreichtum zu bewundern.

Bis 16. April. Offen bei Veranstaltungen im Kulturm oder auf Anfrage unter Tel. 079 616 30 24.