Warum aber Bilder? Warum ein Künstler aus Kuba? «Bilder von Künstlern können Kraft ausstrahlen, Emotionen wecken», sagt Alexandra Flury-Schölch, Pfarrerin in Solothurn und Mitinitiantin der Ausstellung. Sie setzt deshalb seit einiger Zeit darstellende Kunst in ihren Gottesdiensten ein – Bilder, die nicht als Illustration, sondern als eigenständige Interpretation verstanden werden wollen. Der 22-jährige Richard Torres Martínez, der mit 15 Jahren eine Kunstakademie in Kuba besuchte und heute als Lehrer von dieser angestellt ist, ist in Solothurn kein Unbekannter: Schon 2010 konnte er in der Stadtkirche seine Bilder ausstellen. Derzeit sind auch in der PasquArt-Kirche in Biel seine Holzschnitte, die den Alltag in Kuba zeigen, zu sehen.

Freude und Sorge

Im Rahmen des diesjährigen Mottos «Mehr Gleichberechtigung – weniger Hunger» von «Brot für alle» und «Fastenopfer» war man über das Thema Frauen in aller Welt eben auch auf die Frauen aus der Bibel gekommen. Alexandra Flury-Schölch begegnete Richard Torres Martínez vor einigen Jahren während eines mehrmonatigen Kuba-Aufenthalts: «Ich sah seine Bilder in einem kleinen Dorfmuseum und erfasste durch sie spontan mehr vom kubanischen Alltag, als wenn man mir nur über diesen erzählt hätte.» Ob dies auch mit von ihm gemalten Frauenfiguren aus der Bibel so «funktioniert»? «Ja! Sie eröffnen überraschend neue Zugänge. Obwohl es andere Bilder sind als die, die wir von den Illustrationen einer Kinderbibel kennen. Eher: umso mehr», so Flury-Schölch.

Von den acht Frauenfiguren ist ihr die Sarah aus dem Alten Testament am nächsten. Sarah, die Abrahams Nachkommenschaft sicherstellen sollte und erst sehr spät schwanger wurde. «In ihrem Gesicht spiegeln sich Freude über die Schwangerschaft, aber auch Sorge darüber, ob sie die Erwartungen des Volkes erfüllen kann. Dieser Druck wird für mich durch die Häuserzeile symbolisiert, die ihr über Schulter und Rücken läuft.» Ähnlich machen ihr beide Aufgaben als Pfarrerin und Mutter grosse Freude, aber eine berufstätige Mutter muss sich stets auseinandersetzen mit den Erwartungen der Gesellschaft an beide Rollen und wie man sie erfüllt.

Mutige Frauen

Für Richard Torres Martínez war der Auftrag eine grosse Herausforderung. «Es wurden mir Vorschläge gemacht, auswählen und interpretieren konnte ich selber», sagt der Künstler, «erst war mir das Thema etwas fremd, bis ich in meinem Umfeld viele Frauen – wie etwa alleinerziehende, mutige, verantwortungsbewusste Frauen – erkannte, die viel mit den biblischen Frauen gemeinsam haben.» Beim Malen verzichtete er auf Aktmodelle – «sie sind mir zu perfekt», sondern verliess sich auf sein Gefühl, seine Innensicht, die beim Lesen der betreffenden Textstellen und den Assoziationen zu ihm bekannten Frauen entstanden.

Bildbetrachtungen «Biblische Frauen» am Sonntag, 18. März, 11 bis 17 Uhr in der reformierten Stadtkirche. Brückenschlag zwischen Stadtkirche und Kunstmuseum: Bildbetrachtungen in der Ausstellung «Haut und Haar» zum Thema «Nacktheit in der Kunst», Dienstag, 20. März, Kunstmuseum, 12.15 bis 13 Uhr. Am 23./24. März in Selzach und am 1. April in Riedholz siehe www.solothurnref.ch und www.presences.ch.