Solothurn

«Krone» ist kein Einzelfall: Der «Krach ums Dach» gehört zum Geschäft

Was der Heimatschutz beim Leistflügel des Hotels Krone bemängelt ist ein Dauerbrenner. So kam es zum Beispiel 2008 beim Umbau des Hauses Misteli-Gasche am Friedhofplatz ebenfalls zu einem «Krach ums Dach».

Die Zusatznutzung und die Dachaufstockung beim Leistflügel des Hotels Krone sticht dem Solothurner Heimatschutz in die Nase. Er hat deshalb Einsprache erhoben. Und ist damit nicht allein. «Insgesamt gabs vier Einsprachen gegen die Umbaupläne der ‹Krone›, wovon ein Einsprecher wohl nicht legitimiert sein dürfte», meint Gaston Barth, Leiter des städtischen Rechts- und Personaldienstes, befragt zum Stand der Dinge.

Aktuell seien die Einsprachen noch beim ihm zur rechtlichen Abklärung. Sicher werde die Einsprache des Solothurner Heimatschutzes dann von der kantonalen Denkmalpflege überprüft, «sie ist als vorgesetzte Fachstelle wegweisend für den Entscheid der städtischen Baukommission.» Der bestimmt erst im nächsten Jahr fallen wird, womit eine Verzögerung des Bauprogramms schon jetzt feststeht. Ursprünglich wollte man anfangs Jahr mit dem Umbau beginnen.

Liberalere Haltung als auch schon

Sonderbewilligungen für einen Dachausbau sind möglich, doch zuvor nimmt die Altstadtkommission solche Pläne genau unter die Lupe. Das sei auch im «Fall Krone» so gewesen, betätigt die damalige und inzwischen zurückgetretene Kommissionspräsidentin Jacqueline Heim. Viel mehr lässt sie sich angesichts des laufenden Verfahrens nicht entlocken.

Doch der Satz «Der Haupttrakt der ‹Krone› sehr stark und erträgt einiges», verrät doch, dass eine Neugestaltung des Leistflügels nicht eine derartige Konkurrenzierung des benachbarten Barockbaus bedeuten würde, wie dies der Heimatschutz befürchtet. Das jetzige, leicht geneigte Satteldach des Leistflügels wurde übrigens erst 1943 bei der letzten Gesamtsanierung des «Krone»-Ensembles angebracht. Bei der letzten und zweiten Aufstockung des Leistflügels in den 1890er Jahren hatte man ein Flachdach gewählt, das wahrscheinlich nach wenigen Jahrzehnten undicht war.

Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass genau gegenüber der «Krone» in den letzten Monaten zwei neue Lukarnen auf dem Dach der vormaligen Raiffeisenbank entstanden sind. Darauf angesprochen meint Jacqueline Heim: «Früher versuchte man, die Dachlandschaft der Altstadt streng zu schützen und beizubehalten. Doch zuletzt wurde der Schutz gelockert, um Dachraum im Estrich für neue Altstadtbewohner nutzbar zu machen. Dies erfordert eben den Einbau von Lukarnen und Dachfenstern.»

Neues Leistflügel-Dach gibts schon

Das geplante Erscheinungsbild des Leistflügels mit der Fensterfront im steilen Mansardendach (vgl. oben) lehnt sich nicht nur am prominenteren Haupttrakt der «Krone» an, sondern hat in Solothurn bekannte Vorbilder: Dieselbe Dachtypologie weisen die Raiffeisenbank gegenüber, das «Salzhaus», der «Alte Stephan» sowie der «Adler» und das Bürgerhaus in der Vorstadt auf. Die heutige Raiffeisenbank hatte übrigens früher kein Mansardendach, erst 1916 wurde aufgestockt. Und beim jüngsten Totalumbau natürlich nicht – wie es der historische Purismus früher erfordert hätte – zurück-, sondern wieder exakt gleich aufgebaut. Ohne denkmalpflegerische Nebengeräusche notabene.

Dass durchaus gewagtere «Würfe» auf Solothurns Altstadt-Dächern möglich sind, beweist übrigens auch das speziell aufgesetzte Dach des Uferbaus, realisiert vor gut zwölf Jahren. Es weicht mit seinen zwei langen, schräg gestellten Oberlichtern, klar vom ursprünglichen Dach des Schlachthauses ab, das just zu jener Zeit entstand, als der jetzt heiss diskutierte Leistflügel letztmals aufgestockt wurde.

«Das war ein Fehler»

Wie sehr um jedes Fenster in Solothurns Oberstübchen gerungen wird, zeigte sich beim Umbau des historisch bedeutenden Hauses Misteli-Gasche am Friedhofplatz. Nach dem aufwendigen Umbau mit erneuerten Lukarnen wurde festgestellt, dass gegenüber den eingereichten Plänen ein Fenster zuviel eingebaut und der Kamin nach hinten versetzt war.

Zum «Krach ums Dach» wurde im Sommer 2008 gar ein gerichtlicher Augenschein verfügt. Der damalige kantonale Denkmalpfleger Samuel Rutishauser verteidigte damals vehement die Erhaltung der Dachlandschaft in der Altstadt von Solothurn und wies Einwände, dass man das zusätzliche Fenster von unten gar nicht sehe, harsch ab. Auf den Hinweis aber, dass der Wiederaufbau der ehemaligen Handelsbank mit dem hellroten «Wachturm-Dach à la DDR» – 2005 viel diskutiert – viel schlimmer sei, räumte Rutishauser zerknirscht ein: «Das war ein Fehler.»

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