20.30 Uhr. Licht aus, Musik an. Bühne frei für Krokus. Ohrenbetäubende Gitarrenklänge füllen die Halle. Die Altrocker sind zurück in Solothurn. Zurück mit dreckigem, ehrlichem und vor allem lautem Hard Rock. «Hallelujah Rock n' Roll», vom neuen Album «Dirty Dynamite», ist auch gleich der erste Song, den die Band zum Besten gibt. Mit viel Unterstützung von Lichteffekten und Rauchwerfern landet Krokus von Anfang an einen Volltreffer.

Keine Sekunde müde

Leadsänger Marc Storace weiss noch immer, wie man eine Bühne rockt. Zu Anfang noch die Mütze tief ins Gesicht gezogen, taut der Meister von Minute zu Minute auf. Eigentlich scheinen alle sechs Musiker (Sänger Marc Storace, Bassist Chris von Rohr, die Gitarristen Mark Kohler, Fernando von Arb und Mandy Meyer sowie der neue Drummer Flavio Mezzodi) keine Sekunde müde geworden zu sein. Gekonnt animiert Storace das Publikum zum Mitklatschen. Das Publikum übrigens besteht nicht nur aus Fans von damals. Immer wieder blitzt überraschenderweise auch ein junges Gesicht zwischen den alten Rockern auf. Das Krokus-Konzept funktioniert also doch auch bei einigen jüngeren Rockern. Dass die Stimme von Storace ab und an zwischen den Gitarrenklängen untergeht, tut der Stimmung keinen Abgang.

«Welcome to another great night of Krock n' Roll», schreit Storace ins Publikum. Natürlich in Englisch, wie es sich für eine internationale Band halt gehört. Die Fans scheints nicht zu stören. Die grinsen weiter um die Wette und können wohl noch immer nicht recht fassen, dass ihre Helden endlich wieder in ihrer Heimat auftreten. So mancher von ihnen hat wohl für diesen Abend zur verstaubten Lederjacke gegriffen, um dann schnell zu merken, dass sie in der Bauchgegend irgendwie nicht mehr so recht passt.

Krokus rockt mit «Dirty Dynamite» das Kofmehl

Krokus rockt mit «Dirty Dynamite» das Kofmehl

«Rest in Peace Easy Rockers»

Doch auch das spielt an diesem Abend keine Rolle. Es geht schliesslich um die Musik und um die Lieder, die Krokus Schlag auf Schlag dem Publikum um die Ohren wirft. Egal ob sie Klassiker wie «Fire» aus dem Jahr 1979 oder neue Songs wie «Dirty Dynamite» spielen, das Herz des alternden Rockers schlägt so oder so höher, wenn Krokus auf der Bühne steht. Vor allem bei einfachen Refrains wird die Halle mit Gesangsergüssen aus dem Publikum erfüllt. Auch Chris von Rohr richtet immer wieder einige Worte ans Publikum, als Pendant zu Storace aber in Schweizerdeutsch. Besonders emotional wird es als er vor einem Song zum Mikrofon greift und ankündigt: «Der nächste Song ist eine Widmung an zwei Freunde. Dani Crivelli und Tommy Kiefer, die zu früh von uns gegangen sind. Rest in Peace Easy Rockers.» Das Publikum hält für einen kurzen Moment inne und applaudiert während Krokus das Intro zu dem Song «Easy Rocker» spielt.

«Dir sit aues geili sieche!»

Der neue Drummer Flavio Mezzodi scheint sich übrigens gut ins Team eingelebt zu haben. Während des Abends verlassen für einmal alle im Vordergrund die Bühne und Mezzodi beginnt mit seinem Drummer-Solo. Das Publikum weiss dies zu schätzen und heisst ihn mit tobendem Applaus Willkommen in der Krokus-Familie.

22.10 Uhr. Licht an, Musik aus. Nach mehreren Zugaben, unter anderem mit «Bedside Radio», bei dem das Publikum noch selber mitsingen durfte, ist das Konzert auch schon wieder vorbei. Arm in Arm zu dem Song «Always Look on the Bright Side of Life», verabschieden sich die Rocker vom Publikum und Leadsänger Storace brüllt ein letztes Mal ins Publikum: «Dir sit aues geili sieche!»