Schlangestehen vor den Sommerferien. Ein gängiges Bild nicht nur an Gateways zu sonnigen Feriendestinationen. Auch im flughafenlosen Solothurn erinnern sich Gross und Klein an das Brauchtum, sich zu einem besonderen Anlass anzustellen. Zudem es für besagten Anlass ein Gradmesser seines Erfolgs war, wenn diese Schlange besonders lang wurde. Die Rede ist vom Ferienpass, der jeweils Hunderte von Mamis, Papis mitsamt Schützlingen veranlasste, sich für die coolsten und lehrreichsten Kurse anzumelden und bei Sonnen und Regen auf den besten «Fang» zu hoffen.

Auch wenn besagte Zielgruppe seit drei Jahren nunmehr lediglich auf der digitalen «Schlussgeraden» Schlange steht und sich per Internet anmeldet: Der Erfolg des Solothurner Ferienpasses hat sich über gesamthaft 40 Jahre seit 1978 gehalten. Aber auch hier gilt: Aller Anfang ist schwer, was die Ferienpass-Pionierinnen heute bestätigen. Die Gründerinnen waren Elisabeth Reinhard, Gaby Egger, Madlen Simmen und Marlis Wallner – und der eigentliche Initialfunke zum Ferienpass wurde im Club junger Mütter (heute: Club junger Eltern) gezündet, mit Blick auf andere Städte wie Bern, Basel und Luzern, die bereits ähnliche Angebote kannten. «Es lag gewissermassen in der Luft, auch in Solothurn so etwas zu gründen», ergänzt dazu Reinhard. Und gleich loszulegen: Am 5. Mai 1978 riefen die vier Gründerinnen mit tatkräftiger Unterstützung weiterer Frauen den Solothurner Ferienpass ins Leben – doch leider auf noch unbeackerten, wenig fruchtbaren Untergrund.

Drei der Pionierinnen: Gaby Egger, Madlen Simmen und Elisabeth Reinhard

Drei der Pionierinnen: Gaby Egger, Madlen Simmen und Elisabeth Reinhard 

Planung auf Hüslipapier

Doch beirren liess man sich nicht: Nach einer Planung in Windeseile legten die Initiantinnen im gleichen Jahr los – mit null Franken und einer Portion Elan. Programme wurden auf Schreibmaschinen getippt und mit Grafiken beklebt, sodass sich auch die Kinder vor dem Leseralter einen Reim aufs Angebot machen konnten. Natürlich wurde auch die Ferienpass-Logistik über handgezeichnete Tabellen abgewickelt, «auf Hüslipapier», sagt Reinhard.
Als man die Sommeraktivität in den Schulen bewerben wollte, stiess man auf Ablehnung. «So was gehöre nicht zur Schule, hiess es seitens der Direktion. Und so war es ganz am Anfang unerwünscht, Infos in den Schulzimmern zu verteilen», sagt Reinhard. Erst später erkannten auch die Schulen die Bedeutung des Ferienpasses. Also wich man auf Stadtgeschäfte aus, wo die einzelnen Kurse thematisch passend zum jeweiligen Laden beworben und deren Anmeldungen entgegengenommen wurden. «Die Idee hat sich allerdings nicht bewährt», weiss Reinhard.

Anfängliche Skepsis

Und bis auf die Sportvereine, die schon damals eifrig nach Nachwuchs Ausschau hielten, war es sonst schwierig, an Kursleiter zu gelangen. Auch dort schlug den Initiantinnen Misstrauen entgegen. «Noch nie gehört. Ist das was Seriöses?», hiess es oft. Doch bereits nach dem ersten verhaltenen Jahr fanden sich Unterstützer der Idee. Der damalige Tourismusdirektor Erich Egli bot den Frauen eine Verkaufs-Plattform an. «Also stellten wir ein Camping-Tischli vor dem Von-Roll-Haus auf», sagt Reinhard. 1981 folgte eine Anerkennung des Kantons: Damals, als sich dessen Zugehörigkeit zur Schweiz zum 500. Mal jährte, wurde der Ferienpass mit einem «Zustupf» von 5000 Franken gewürdigt.

Darüber hinaus erwies sich das Sammeln von Unterstützungsgeldern als Knochenarbeit, wie Egger anhand eines Stapels an «Bettelbriefen» zeigt. «Rückblickend aber müssen wir sagen, dass unser Erfolg unheimlich vielen Leuten zu verdanken ist, auch Kursleitern, Eltern oder anderen Helfern», so Egger.

Ursprünglich war der Ferienpass darauf ausgerichtet, vor allem daheimgebliebenen Kindern aus schlechter situierten Familien eine Ferienaktivität zu bieten: «Allerdings stellte sich heraus, dass gerade Eltern dieser Kinder schwer zugänglich waren», sagt Reinhard. Dafür zeigte sich der Erfolg querbeet durch alle sozialen Schichten: 1979 konnten so schon rund 180 Pässe verkauft werden – zum damaligen Preis von zwölf Franken. Ein Dauerbrenner der ersten Stunde – bis heute: ein Besuch bei der Feuerwehr – mit «Brevettierung». Notabene: Brenzlig sei es bei der Durchführung der Kurse nie geworden. «Ausser Pflaster» habe man nie etwas aus dem Erste-Hilfe-Kasten holen müssen, erinnert sich Reinhard.

Als dann wurde der Verkaufsstand zur Jesuitenkirche gezügelt. Wiederum später waren die mittlerweile angewachsenen Menschenschlangen vor dem Landhaus und seit 2006 vor dem Konzertsaal zu finden. Und 2011 wurde das Anmelde-Prozedere digitalisiert. Mit Startschwierigkeiten zwar, weil einerseits technische Komplikationen auftraten, andererseits weil sich die Eltern an die neuen Vorgänge gewöhnen musste. Doch mittlerweile hat sich die neue Form des «Schlangestehens» gut etabliert.

Wie es weitergeht

Nachdem 13 Jahre lang Céline Gantenbein den Verein als Ferienpass-Präsidentin prägte, übernahmen 2016 Cornelia Schwaller und Bettina Schönberg zusammen das Präsidium. Und der Erfolg hält an: «Wir haben dieses Jahr fast 900 Teilnehmer für 145 Anlässe mit gesamthaft 292 Durchführungen», sagt Schwaller. Aus nicht weniger als 45 Gemeinden haben sich Kinder für die vielfältigen Angebote angemeldet.

Die Arbeit geht aber nicht aus, betont Schwaller: «Mit dem Jubiläumsanlass am 4. Juli und der Umstellung auf die neue bedienungsfreundliche Plattform ist 2018 ein arbeitsreiches, ereignisvolles Jahr.» Und noch heute beschäftigen Sponsorensuche und Mittelbeschaffung das zehnköpfige Team zentral. Dennoch: Neben der monatelangen Arbeit haben die Helferinnen vor allem viel Spass an ihrer Mission, nämlich: «den Kindern weiterhin coole, interessante und spassige Kurse für wenig Geld anzubieten», so Schwaller.