Unschöne Fluchworte gehen einem Bauern über die Lippen, wenn die Krähe hinter seinem Rücken über die frische Aussaat herfällt. Dass man sich im urbanen Umfeld mit einem Ärgernis derselben Urheberschaft rumschlagen muss, zeigt sich am Kreuzackerquai.

Alljährlich nisten in den Baumkronen der Platanen Saatkrähen und sprenkeln einige Meter weiter unten mit ihren Hinterlassenschaften den Asphalt weiss. Gerade heuer sind die Vögel witterungsbedingt früh mit Nisten dran, respektive: Sie sind damit schon fertig.

Zwar wissen Berufsschüler, wo sie ihr Zmittag ausbreiten können, um dem Bombardement zu entgehen. Und die sauberen Stellen zeigen dem Passanten, wo er sich hinsetzen sollte und wo nicht.

Die Krähen machen Lärm im Solothurner Kreuzackerpark

Die Krähen machen Lärm im Solothurner Kreuzackerpark

Betroffen sind aber auch die Autos auf den 58 stadteigenen Parkplätzen im Kreuzackerpark. Wie Finanzverwalter Reto Notter betont, seien von diesen jedoch zurzeit bloss zwei unvermietet.

«Den Mietern ist die Situation mit den Krähen bewusst», so Notter. Schliesslich würden Bewerber für einen Parkplatz darüber auch in Kenntnis gesetzt. Mieterwechsel gebe es regelmässig - aber unabhängig von der Jahreszeit und von den Saatkrähen.

Dennoch: Ein Ärgernis - und für viele auch der akustischen Art - bleiben die Tiere allemal. Zum Beispiel für eine Anwohnerin, deren Garten von bis zu 40 Saatkrähen belagert wird.

Und nicht nur das: «Die Vögel greifen auch die Wasserschildkröten an, die wir im Biotop haben.» Ihre Beobachtung: «Die Krähenplage ist massiver als im letzten Jahr.»Ihr Fazit: «Ich werde mich wohl bei der Stadt beschweren.»

Wie handlungsfähig ist der Kanton?

Doch was nun tut die Stadt dagegen? Die Frage müsste anders lauten, wenn man den kantonalen Jagd- und Fischereiverwalter Marcel Tschan danach befragt: Was kann man im Kanton Solothurn generell dagegen tun?

Die Antwort ist ernüchternd, aber wenig überraschend: gar nichts. «Es gibt zurzeit keine Massnahmen, welche Saatkrähen erfolgversprechend vergrämen könnten», so Tschan.

Wobei: Massnahmen gäbe es schon, aber keine, die im Kanton Solothurn erlaubt sind: Seit der Änderung der eidgenössischen Jagdverordnung vor zwei Jahren darf die Saatkrähe zwar offiziell gejagt werden, mit der Einschränkung einer Schonzeit vom 16. Februar bis 31. Juli.

Nichts von alledem gilt im Kanton Solothurn, wo die alte Gesetzgebung verbietet, Saatkrähen ins Visier zu nehmen. Wer Selbstjustiz übt, muss mit einer Anzeige und rechtlichen Konsequenzen seitens Staatsanwaltschaft rechnen, sagt Tschan.

Bald könnte alles anders sein: Wie Tschan ergänzt, soll die Saatkrähe mit der derzeit laufenden Totalrevision der Jagdgesetzgebung auch im Kanton Solothurn dereinst jagdbar gemacht werden.

Dereinst heisst: «Unter optimalen Bedingungen wird die Revision im vierten Quartal 2015 fertig sein und per 1. Januar 2016 in Kraft treten.» Die Jagdfreigabe würde dann natürlich lediglich für jagdberechtigte Personen gelten, sowie für Landwirte, die bereits heute mit Bewilligung die Rabenkrähe erlegen dürfen.

Zu Plastik-Uhus, wie sie im Kanton Bern zur Abschreckung im Einsatz standen, meint Tschan nur: «Versuchen kann man vieles, ob es nützt, steht auf einem anderen Blatt.»

Faktisch scheint die Berner Methode nun eben (noch) keine berauschenden Erfolge zu verzeichnen. Letztes Jahr nutzte der städtische Werkhof die periodischen Baumpflegemassnahmen, um gleichzeitig die Krähennester auszumerzen.

Auch diese Methode fruchtete kaum, wie Werkhof-Chef Patrick Schärer bestätigt: «Eine Woche später hatten die Krähen ihre Nester wieder hergerichtet.» Sisyphus lässt grüssen.

Zumindest eins verschafft Linderung: Der Putzwagen des Werkhofs kommt während der intensiven Belagerung zweimal wöchentlich am Quai vorbei. Und die Parkbänke werden öfters gereinigt als sonst, ebenso wie die Kehrichtkübel bei erhöhter Passantenfrequenz häufiger geleert werden.

Menschgemachte Probleme

Womit das nächste Problem angeschnitten ist: Bis zu einem gewissen Grad ist das Krähenproblem nämlich auch menschgemacht: Während es Hinterlassenschaften von den Bäumen auf die Köpfe, den Boden und dereinst in Biergläser regnet, sind es ihrerseits die Hinterlassenschaften der Litteringsünder, die den Kreuzackerquai nicht nur für Menschen zu einem Ort zum Verweilen machen.

Oder, wie die befrage Anwohnerin bestätigt, ist es umso mehr das bewusste Ausstreuen von Brotkrumen für Vögel. Den Tieren - ob Krähe oder Taube - ist auch diese Futterquelle willkommen, so unnatürlich sie auch ist.

Haben Sie eine Idee, wie man die Krähenplage loswerden könnte? Dann teilen sie uns ihren Schlachtplan in einem Kommentar, per Mail, oder auf Facebook mit.