Solothurn
Kostümverkauf im Stadttheater: Von Hüten und Engelsflügeln

Von weit her kommen die Besucher des Kostümverkaufs des Solothurner Stadttheaters. Erstaunlich, was sich in einem Theaterfundus mit den Jahren ansammelt. Von Hüten bis zu Bademäntel ist alles vorhanden.

Katharina Arni-Howald
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Vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen
19 Bilder
Unbemerkte Superheldin
Streichelzoo
Professionelle Modeberatung wurde dieser Dame zuteil
Ob Mami ihr wohl den Schleier gekauft hat?
Ob sie ein Indianerkostüm sucht?
Kostüm- und Fundusverkauf Stadttheater Solothurn
Kostüm- und Fundusverkauf Stadttheater Solothurn
Hereinspaziert
Hüte aus vergangenen Zeiten
Emsig wurden Kostüme verkauft und liebevoll eingepackt
Gut behutet verliess mancher den Kostümverkauf
Eine Shoppingtour, die nicht nach aktuellen Modetrends fragt
Die Übersicht hatten nur die kleinsten Besucher
Kostüm und Fundusverkauf Stadttheater Biel Solothurn
Die Auswahl an Kostümen war riesig
Auch an Accessoires fehlte es nicht
Bereit für die Fasnacht 2016
Auch die Herren waren am Shoppen

Vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen

Fotomtina

Extravagante Hüte, mehrere Kilogramm schwere Prachtsroben, die einst auf der Bühne für Furore sorgten, warme bis zum Boden reichende Wintermäntel, Träume aus Tüll und Stickereien, wärmende Felltiere und Muffe für kalte Wintertage und vieles mehr, was sich in einem Theaterfundus mit den Jahren ansammelt. Selbst ein blauer Bademantel hat sich zwischen den zum Teil ausgefallenen Kleidungsstücken verkrochen. Sorgfältig gebündelte Stoffreste, Fadenspulen in einer Grösse, die in keiner gewöhnlichen Nähmaschine Platz haben, und jede Menge Schrägbänder lassen das Herz von Hobbyschneiderinnen höher schlagen.

Die Villa Gibelin gleicht an diesem Samstagmorgen einer Schatztruhe für Schnäppchenjäger, Fasnachtsbegeisterte und Kinder, die sich gerne verkleiden. «Alles was hier hängt passt platzmässig nicht mehr ins neue Haus», sagt Gabriele Gröbel, die Leiterin der Theaterschneiderei im Stadttheater Solothurn. Und: «Es geht uns nicht darum, die Sachen teuer zu verkaufen, sondern Freude bereiten.»

Wie ausmisten im Schrank

Mit der Eröffnung des umgebauten Theaters vor einigen Monaten verliessen auch die Theaterschneiderinnen die provisorische Bleibe in der Villa Gibelin – zum Teil mit einem lachenden und einem weinenden Auge, weil, wie eine Mitarbeiterin betont, dort auch wunderschöne Feste gefeiert werden konnten.

Vergleichbar ist der Kostümflohmarkt am ehesten mit dem Ausmisten eines übergrossen Kleiderschrankes. Alles musste aus den Kisten ausgepackt, aussortiert und mit einem Preisetikett versehen werden. Nun haben die fünf Theaterschneiderinnen alle Hände voll zu tun. Vor dem Eingang stehen die Menschen Schlange. Sie sind teils von weit her gekommen und verlassen das Haus mit grossen, weissen Plastiksäcken.

Wie von Beatrice Studer zu erfahren ist, ist die Veranstaltung auch für kleinere Theater, die sich selbst einen Kostümfundus anlegen, interessant. «Ich gehöre zu einer Gruppe, die Märchennachmittage veranstaltet», sagt die fröhliche junge Frau aus Deitingen, die mit ihrer Kollegin auf der Suche nach einem Prinzenkostüm ist. Elena Gisiger aus Lattrigen am Bielersee hat sich einen weissen Schleier ergattert. Sie ist bereits im Besitz eines passenden Krönchens, aber nun hat sie noch zwei Engelsflügel entdeckt, die sie unbedingt haben möchte. Das Mami winkt ab: «Du besitzest zuhause ja bereits solche Flügel.» Elena kontert: «Aber es sind nicht dieselben.» Im «Militärstübli» gestikulieren zwei Männer miteinander. Schliesslich entscheiden sie sich für die alte Militäruniform mit dem grossen Schweizerkreuz. Ob sie an der Fasnacht trumpfen werden? Die Blicke sind nicht nur auf die grossen Spiegel im geräumigen Haus gerichtet, sondern schweifen hie und da auch ins Freie zu dem verwilderten Garten mit den alten Bäumen. Ein Mann sucht seine Frau, die zwischen den vollgestopften Kleiderstangen verschwunden ist. «Kein Geld mehr und keine Frau», witzelt er.