Stagediving
Konzertveranstalter: «Ein Verbot von Stagediving wäre kaum durchsetzbar»

Letzte Woche starb ein Konzertbesucher in Kofmehl nach einem missglückten Sprung von der Bühne. Andere Konzertveranstalter kennen sogar ein Verbot von Stagediving – oder schulen ihre Mitarbeiter so, dass sie sofort eingreifen könnten.

Joshua Villing
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In der Kulturfabrik Kofmehl kommt ein Konzertbesucher um, weil er sich bei einem missglückten Sprung von der Konzertbühne so stark verletzt, dass er zwei Tage später im Berner Inselspital an den Folgen stirbt. Was sagen andere Konzertveranstalter zum Vorfall?

Die Kulturfabrik Lyss kann dem Solothurner Kofmehl nichts vorwerfen. Leider liessen sich solche Vorfälle, auch bei Durchsetzung aller Sicherheitsmassnahmen, nicht verhindern, schreiben sie in einer Medienmitteilung.

Die Kulturfabrik habe ein Sicherheitskonzept, welches bei jedem Anlass konsequent umgesetzt werde. Sollte sich trotzdem ein Unfall ereignen, reagiere man den Umständen entsprechend und entscheide mit allen Beteiligten über die zu treffenden Notfallmassnahmen.

Keine Zuschauer auf der Bühne

Am Open Air Etziken sei die Gefahr, dass Stagediving betrieben wird klein, da nur selten «solche Bands» auftreten, sagt Yves Ammann, Pressechef des Open Airs. Das Stagediving sei schon immer verboten gewesen und dementsprechend haben sich bisher auch noch nie Personen durch Stagediving verletzt.

Durchgesetzt werde dieses Verbot durch Sicherheitsgitter und einem 1.5 Meter breitem Bühnengraben. Weiter gebe es Sicherheitspersonal, welches dafür sorgt, dass kein Zuschauer auf die Bühne kommt. Sollte es trotz allen Sicherheitsmassnahmen zu Verletzungen kommen, seien am Open Air Etziken ausgebildete Samariter vor Ort.

«Die Fans helfen sich gegenseitig»

Im Kiff in Aarau gibt es kein Verbot für Stagediving. «Ein Verbot wäre an solchen Konzerten im Kiff kaum durchsetzbar», sagt Simon Kaufmann, Geschäftsleiter des Kiffs. Zudem sei die Bühne im Kiff nur etwa einen halben Meter hoch, dies relativiere das Verletzungsrisiko beim Stagediving.

Reaktionen auf den Todesfall der Online-Nutzer:

«Mein Beileid allen Angehörigen. Sehr traurig und tragisch.»

«Unfall? Wie bitte? Das ist doch kein Unfall! Ein Mann springt freiwillig und ungesichert von der Bühne. Hielt sich wohl für einen Popstar. Zwar ein tragischer Fall, aber 100% selbst verschuldet.»

«Mein Beileid allen Betroffenen, speziell der Familie. Das Kofmehl ist gut organisiert und sicher. Ich bin überzeugt, dass aus diesem schrecklichen Unfall viel gelernt wird. Alles Gute.»

«Tja, das Leben ist echt Lebensgefährlich. Ob jetzt jemand von der Bühne springt oder von der einem Hausdach: man darf und soll sich nicht darauf verlassen das man aufgefangen wird. jeder ist am Schluss für sein Tun und Handlen selber verantwortlich. Die ganze Angelegenheit ist sehr tragisch, für die Hinterbleibenen aber auch für alle die sich jetzt ein Gewissen machen den jungen Mann nicht aufgehalten zu haben. Hoffe das so etwas NIE mehr passiert...»

Um sicherzustellen, dass die Dinge nicht aus dem Ruder laufen und niemand von der Menge nieder getrampelt werde, gebe es Sicherheitspersonal. Dieses müsse aber nur äusserst selten eingreifen, da die Leute aus der Hardrock- und Heavymetal-Szene meistens aufeinander Acht geben und sich gegenseitig helfen.

Trotzdem werde an Konzerten, die ein grösseres Gefahrenpotential für Verletzungen bieten, mehr Sicherheitspersonal aufgeboten, als an anderen Konzerten oder Partys.

Kleinere Blessuren gebe es im Gemenge an solchen Konzerten immer, «zu ernsthaften Verletzungen ist es aber noch nie gekommen», so Kaufmann. Medizinische Versorgung, abgesehen von Erster Hilfe, könne man im Verletzungsfall nicht bieten, das Kantonsspital Aargau sei aber nur wenige Minuten entfernt.

Geschultes Personal im Bierhübeli

«Im Bierhübeli gibt es kein Stagediving-Verbot», so Pascal Rötheli stellvertretender Geschäftsführer des Bierhübelis in Bern. Es werde aber jeder Anlass aus sicherheitstechnischer Sicht beurteilt und je nach Bedarf werden verschiedene Sicherheitsmassnahmen getroffen. Bis heute habe es im Bierhübeli noch keine Verletzungen durch Stagediving gegeben.

Um Verletzungen vorzubeugen, werde das Personal des Bierhübelis regelmässig geschult. So soll gewährleistet werden, dass das Personal in entsprechenden Situationen korrekt reagieren kann. Weiter kommen an einigen Konzerten Absperrgitter zu Einsatz, um das Publikum von der Bühne fernzuhalten.

Verletzungen können aber trotz allen Vorsichtsmassnahmen vorkommen. Sollte sich doch eine Person verletzen, kann vor Ort geholfen werden, an manchen Anlässen ist sogar ein Notarzt vor Ort. In schlimmeren Fällen können die Verletzten ins Inselspital gebracht werden, dies mit dem Auto nur fünf Minuten entfernt.