Solothurn

Konzertchor Solothurn singt glanzvolles Auftaktskonzert

Konzertchor Solothurn sang am Wochenende im Konzertsaal. (Archivbild)

Konzertchor Solothurn sang am Wochenende im Konzertsaal. (Archivbild)

Der Konzertchor Solothurn, Solisten und die Philharmonie Baden-Baden unter der Leitung von Adalbert Roetschi spielten C-Dur Messe und Klavierkonzert Nr. 5.

Ludwig van Beethoven wurde 1770 in Bonn am Rhein geboren. Die 250 Jahre seither machen das kommende Jahr 2020 zu einem besonderen Festjahr für den «Titanen» der klassischen Musik.

Als Sohn einer aus Flandern eingewanderten Musikerfamilie fiel schon früh seine ungewöhnliche musikalische Begabung auf. Er erhielt Unterricht im Orgel-, Klavier-, Geigen- und Bratschenspiel. Seine Lehrer eröffneten ihm Zugang zu Bach, zu Singspielen und vor allem zum damaligen zeitgenössischen Schaffen. 1787 unternahm der junge Mann eine erste Studienreise nach Wien. Zurückgekehrt hörte er Vorlesungen an der Universität in Bonn und lernte Haydn, der ihn inspirierte, kennen. Als 22-Jähriger übersiedelte er ganz in die Kaiserstadt an der Donau und suchte sich dort weitere Lehrer.

Beethoven wurde als Pianist und vor allem als Improvisator in den Salons des Adels bewundert. Seine weitere Entwicklung als Künstler und Mensch stand auch unter den Zeichen der Französischen Revolution. Seine Kompositionen in vielfältigen Musik-Gattungen machten ihn schon damals zu einem der populärsten Tonschöpfer in Europa. 1816 ertaubte Beethoven völlig, was Gesundheitszustand und Schaffenskraft lähmten. Und dennoch schuf dieser «Gigant» Werke, welche Musikgeschichte und Menschheit prägten. Zu nennen sind die nach der Ertaubung geschriebene «Missa solemnis» und die 9. Sinfonie. Beethoven starb 1827. Unvergessen ist sein Ausspruch: «Ich will dem Schicksal in den Rachen greifen, ganz niederbeugen soll es mich gewiss nicht.»

Virtuose Evelyne Grandy und Philharmonie Baden-Baden

Das Es-Dur Klavierkonzert op. 73 mit Beinamen «Emperor» wurde 1810 in Leipzig unter dem Jubel der Musikwelt uraufgeführt. Aus ihm sprechen festliche Freude und heroischer Charakter. Evelyne Grandy gestaltete gemeinsam mit der federleicht und rhythmisch pointiert aufspielenden Philharmonie Baden-Baden dieses dreisätzige Werk, das in kraftvollen Haupt- und Nebenthemen Klangbilder von unvergleichlicher Schönheit aufweist. Dramatisch-majestätische und träumerisch-lyrische Melodiepassagen, vom Orchester mit Flöten, Oboen, Klarinetten, Hörnern, Trompeten, Pauken und Streichern mal geheimnisvoll, mal signalartig begleitet, vermittelten dieser Aufführung mit ihrer Fülle an musikalischen Gedanken grosse Brillanz . Das Publikum feierte die völlig auswendig und virtuos spielende Evelyne Grandy, die Instrumentalisten und den Gesamtleiter Adalbert Roetschi.

Vertonung eines Messetextes als musikalische Offenbarung

Dass der im Geist der Aufklärung lebende Beethoven sich der Vertonung eines Messetextes widmete, zeigt sein Wissen um den Wert von Religiosität. Wie er aber die Komposition fast schon unkonventionell für seine Zeit in konzertant-sinfonischer Entwicklung anlegt, lässt spüren, dass er sich von zuvor geltenden Riten und Mustern der geistlichen Musik kaum mehr leiten lässt. Entstanden ist in der Messe C-Dur op. 86 zu den lateinischen Texten der Messordnung ein üppig ausgemaltes Klanggemälde, das mit instrumentalen Effekten eine begeisternde Wirkung entfaltet. Stets präsent und tonrein verleiht der zahlenmässig grosse Konzertchor der Stadt Solothurn mal in strahlendem Forte bis zu flüsternd vorgetragenen seelischen Akzenten dem Werk eine über das Hier und Jetzt hinausgehende Bedeutung. Das dialogisierende Ineinanderfliessen der Chorstimmen mit den vier schönstimmig interpretierenden Solisten (Lucie Kankova, Sopran, Roswitha Müller, Alt, Nino Aurelio Gmünder, Tenor, und Marc-Olivier Oetterli, Bass, ist Beispiel für eine bewegende Kompositions- und erst recht eine geglückte Aufführungskunst.

Das Publikum erlebte eine echte musikalische Offenbarung, die im «Dona nobis pacem» einen erneut immer wieder aktuellen Bezug aufweist. Viel Beifall fanden das träumerische Klavierrezital und der abschliessende Auftritt von Solisten, Chor und Orchester mit ihrem Loblied auf die Kunst.

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