Solothurn
Konkurrenz für Hausärzte: Zentrum für Telemedizin plant Ärztezentrum

Medgate, der nach eigenen Angaben «führende Anbieter telemedizinischer Dienstleistungen in der Schweiz», hat seinen Hauptsitz in Basel und betreibt ein Telekommunikationszentrum in Lausanne.

Bruno Utz
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Im flachen Gebäude an der Luzernstrasse plant Medgate das Ärztezentrum. uz

Im flachen Gebäude an der Luzernstrasse plant Medgate das Ärztezentrum. uz

Jetzt kommt Medgate nach Solothurn: «Wir planen an der Luzernstrasse ein Ärztezentrum», bestätigt Cédric Berset die Angaben einer Baupublikation im Anzeiger dieser Woche. Es handle sich um ein Pilotprojekt, erklärt der Leiter Kommunikation. Beschäftigt würden etwa vier bis sechs Ärzte. Derzeit werde das Personal rekrutiert. Die Eröffnung finde noch dieses Jahr statt.

Das Ärztezentrum sei eine sinnvolle Ergänzung zur telemedizinischen Beratung und Behandlung. «Unser Ärzteteam wird die medizinische Grundversorgung anbieten.» Die Räume an der Luzernstrasse 5 bis 11 – es handelt sich um den flachen Anbau beim «Helsana»-Gebäude – würden mit modernster Infrastruktur ausgerüstet. «Auch Röntgenaufnahmen sind möglich», sagt Berset. Aus der Region Solothurn stammten viele Medgate-Patientinnen und -Patienten, erklärt er die Standortwahl. Der Standort gegenüber vom Bahnhof sei sowohl mit dem öffentlichen Verkehr als auch mit dem Auto gut erreichbar. Zudem sei die Region nicht mit ärztlichen Grundversorgern überdotiert. «Den integrierten Versorgungsmodellen gehört die Zukunft», betont Berset weiter.

Per «Buschtelefon» davon gehört

Wie reagieren die Hausärzte auf die neue Konkurrenz? «Mich stört das nicht», sagt Andreas Schoepke, der nur einen Steinwurf vom geplanten Medgate-Zentrum praktizierende Chiropraktiker, Arzt und Präsident der Hausärzte Region Solothurn AG (Hareso). Allerdings kenne er das Projekt nicht detailliert. «Ich habe bisher erst per ‹Buschtelefon› davon gehört.» Er wisse aber , dass Medgate eine Medizinische Praxisassistentin suche. Arbeiteten die angestellten Ärzte Teilzeit, so müssten die Patienten öfters mit anderen Ansprechpartnern rechnen. «Persönlich sehe ich in Solothurn keinen Bedarf für ein solches Ärztezentrum, sondern eher in Zürich oder Bern.» Ob das gewinnorientierte Medgate-Modell Erfolg haben werde, hänge auch vom Ausgang der Managed-Care-Abstimmung Mitte Juni zusammen. «Wird die Vorlage wider Erwarten doch noch angenommen, so stellt sich die Frage der Unabhängigkeit der ärztlichen Versorgung», sagt der Hareso-Präsident.

Pilot-Projekt mit Apotheken

Anfang April lancierten Medgate und der Krankenversicherer Helsana zusammen mit dem Schweizerischen Apothekerverband das Piloprojekt netCare. Dieses bietet der Bevölkerung die Möglichkeit, «unkompliziert und rasch», so die gemeinsame Medienmiteilung, gesundheitliche Fragen in der Apotheke abzuklären. «Die Beurteilung des medizinischen Problems erfolgt auf derselben Methode, wie man sie aus der Telemedizin kennt.» Neu sei, dass der Patient bei Bedarf per Video mit einem Medgate-Arzt verbunden werde. Zu den 200 am Piloprojekt beteiligten Apotheken gehört die Stadtsolothurner Hirsch-Apotheke: «Die Zusammenarbeit mit Medgate ist sehr gut», sagt die zuständige Apothekerin Franziska Sollberger. Allerdings befinde sich netCare noch in den Kinderschuhen. Die Nachfrage sei noch nicht riesig.

Die Pläne für das Ärztezentrum liegen noch bis 11. Juni auf dem Stadtbauamt Solothurn auf.

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