Solothurn

Konkurrenz belebt das Geschäft: Immer mehr Stände verkaufen am Samstagsmarkt Käse

Immer mehr Käseproduzenten und Käsehändler bieten am Solothurner Samstagsmarkt ihre Spezialprodukte an.

Wie vieles andere hat sich auf dem Solothurner Markt auch die Käseszene markant verändert. In den vergangenen Jahren drängten immer mehr Käseproduzenten und Käsehändler auf den Markt. Zudem ist die Sortenvielfalt rasant in die Höhe geschnellt. Rarer geworden sind dagegen die Frühaufsteher, die die Käsestände schon früh morgens belagerten. Dies hatte zur Folge, dass zwischen 10 und 12 Uhr eine richtige «Rushhour» entstanden ist.

Der Schaf- und Geisskäsespezialist Peter Blaser aus Wangen an der Aare stellt zudem fest, dass die Kundschaft gestresster ist als früher. «Es muss alles immer schneller gehen.» Aufgefallen ist ihm auch, dass es – vor allem im Winter – immer weniger Gemüse- und Blumenstände gibt. «Wenn Lücken entstehen, ist das auch für unser Geschäft nicht gut.» Trotzdem kommt Peter Blaser jeden Samstag gerne auf den Solothurner Markt. «Im Gegensatz zu den Grossverteilern haben wir direkten Kundenkontakt, und das tut gut.»

Konkurrenz belebt

Auch Michel Reichmuth aus dem Berner Jura, der mit seinen Spezialitäten viele Marktbesucher anlockt, hat festgestellt, dass die Konkurrenz gewachsen ist und sich ein Generationenwechsel anbahnt. Und trotzdem: «Der Markt ist nicht mehr wie früher, aber wir dürfen nicht jammern. Wir verarbeiten wie auf der Alp alle Milch selbst und müssen von Zeit zu Zeit aus dem Tal heraus.»

Und was macht den Solothurner Markt für Marie-Therese Rotschy so attraktiv, dass sie seit 19 Jahren auch am Mittwoch vom freiburgischen Courtepin nach Solothurn fährt? «Die Distanz ist nicht so gross», sagt sie. Und sie weiss: Ihre Kunden, die ein GA besitzen, kommen von weit her. «Sie schätzen das Ambiente, die schönen Stände, und die sympathischen Leute auf dem Solothurner Markt.» Und sie lieben selbstverständlich ihre Freiburgerspezialitäten und die französischen Käsesorten, die sie in ihrem Angebot hat. Was die Konkurrenz betrifft, nimmt sie es gelassen: «Man muss zufrieden sein. Ich mag es jedem gönnen, der neu auf den Markt kommt.»

Seit 11 Jahren steht am Samstag auch Nikolaus Leuenberger aus Wangen bei Olten auf dem Märetplatz. Über 50 Sorten Rohmilchkäse, hauptsächlich aus der Schweiz, bietet er seinen Kunden an. «Die Konkurrenz spüren wir nicht», sagt er mit Überzeugung. Im Gegenteil: «Der Umsatz ist gestiegen – dank einer treuen Stammkundschaft.»

Grössere Wertschöpfung

Hart gekämpft für einen Standplatz hat Marc Jakob von der gleichnamigen Spezialitätenkäserei im bucheggbergischen Kyburg-Buchegg. Vor anderthalb Jahren war es soweit. «Es durfte doch nicht sein, dass Käseverkäufer aus anderen Kantonen bevorzugt werden», hadert er noch immer ein bisschen. Die Käserei Jakob gehört zu den beiden letzten Käsereien im Kanton Solothurn. Beliebt sind die fruchtigen Joghurts, ihre Milch und verschiedene Halbfett- und Hartkäse aus eigener Produktion. Und weshalb hat es Marc Jakob so sehr auf den Solothurner Markt gezogen? Einer der Gründe ist: «Die Wertschöpfung ist grösser, wenn wir direkt zu den Konsumenten gehen.»

Der Grund, weshalb Koni Misteli von der «Stadt-Chäsi» in der Gurzelngasse im Gegensatz dazu keinen Stand auf der Gasse anstrebt, ist rasch erzählt. «Wir sind bereits an der Front und brauchen deshalb keinen Kühlwagenladen und ein Aushängeschild draussen.» Die wachsende Konkurrenz? Der Solothurner winkt ab: «Ein Markt muss leben und ist eine Bereicherung. Wenn die Leute in die Stadt kommen, geht es auch uns gut.» Zudem sei die «Stadt-Chäsi» nicht bloss ein Käseladen, sondern ein Spezialitätengeschäft. Und zudem: «Man muss leben und leben lassen.»

«Wir sind auf den Solothurner Markt gekommen, um unsere Produkte an die Leute zu bringen», sagt auch Beat Marro vom «Cheeselädeli» beim Bieltor, der mit einem rezenten Greyerzer auftrumpft. «Gegen die Konkurrenz können wir nichts machen», weiss auch er, «ein Markt ist ein Markt.» Wer im Winter von Käse spricht, denkt auch an ein Fondue oder Raclette. Hat vielleicht dieses im kalten Januar den Umsatz angekurbelt? Nein, heisst es reihum. Die einen geben der Kälte die Schuld, die die Leute abgehalten habe, auf den Markt zu gehen, andere sprechen vom Januarloch.

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