Amtsgericht
Kokain für Killer: Mordabsichten bleiben umstritten

Die Staatsanwaltschaft fordert neun Jahre Haft für Peter W.*, der Anstiftung zur Anstiftung zum Mord, Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Diebstählen, Hehlerei und Einbrüchen vor Gericht steht. Die Mordabsichten bleiben umstritten.

Beatrice Kaufmann
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Der Sitz des Amtsgerichts Solothurn-Lebern. Hier findet die Verhandlung statt. Archiv

Der Sitz des Amtsgerichts Solothurn-Lebern. Hier findet die Verhandlung statt. Archiv

Oliver Menge

Peter W.* steht derzeit wegen versuchter Anstiftung zur Anstiftung zum Mord, Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Diebstählen, Hehlerei und Einbrüchen vor Gericht. Auf die Befragungen vom Montag folgten am Dienstag umfangreiche Plädoyers, die mit völlig unterschiedlichen Forderungen schlossen. Während Staatsanwalt Jan Gutzwiller neun Jahre Haft verlangt, fordert Anwältin Franziska Ryser für ihren Klienten Freisprüche in den meisten Anklagepunkten.

Mord oder Abzocke geplant?

Den Tatbestand der versuchten Anstiftung zur Anstiftung zum Mord erfülle ihr Klient nicht, so Ryser. Weder Peter W. noch sein Kollege Simon C.* hätten jemals jemanden töten wollen. «Es ging immer nur ums Geld», betonte die Anwältin. Gutzwiller hingegen führte diverse Fakten auf, die darauf hindeuten, dass die Männer einen Mord geplant hatten und Peter W. seinen Kollegen zur Suche nach einem Killer anstiften wollte. So sei aus Befragungen hervorgegangen, dass ein Verkehrsunfall hätte fingiert werden sollen, um die «lästig gewordene Ehefrau» des Kollegen Niklas D.* zu töten.

Weiter habe Peter W. seinen Auftraggeber um nähere Informationen über dessen Frau gebeten. Dies unterstreiche die Entschlossenheit von Peter W., einen Mord auszuführen, so Gutzwiller. Ryser hingegen stellte sich auf einen anderen Standpunkt: ihr Klient habe nur das Geld von Niklas D. gewollt. Mit der Bitte um besagte Informationen habe er ihn glauben lassen wollen, dass er einen Killer gefunden hatte, den er bezahlen musste.

Hat W. Dormicum gestohlen?

Bezüglich der Mengen Drogen, mit denen Peter W. von 2005 bis 2008 gehandelt hat, wurden sich die Parteien nicht einig. Das gut 3,5 kg Kokaingemisch, das W. laut Staatsanwaltschaft eingekauft hatte, reduzierten Ryser und ihr Klient wesentlich. Damit, so Ryser, sei auch der Tatbestand der Gewerbsmässigkeit nicht erfüllt, denn dafür habe W. einen zu kleinen Umsatz erzielt. Wie Gutzwiller erläuterte, waren die Angaben der gekauften Mengen aufgrund von Befragungen anderer Dealer zustande gekommen, die mit Peter W. gehandelt hatten. Deren Aussagen seien glaubwürdig, im Gegensatz zu jenen des Beschuldigten, der sich im ganzen Strafverfahren unkooperativ gezeigt habe. Ryser betonte diesbezüglich, ihr Klient habe sich lediglich gegen falsche Anschuldigungen gewehrt.

Peter W. wird weiter zur Last gelegt, er sei Ende 2006 und Anfang 2007 zwei Mal bei einem Pharmagrossisten eingebrochen und habe insgesamt fast 56 000 Dormicum-Tabletten gestohlen. Davon, wie auch vom grösseren Handel mit dem gefährlichen Medikament, distanzierte sich Peter W. Hingegen gab der Beschuldigte zu, einem Freund 1 kg Koffein verkauft zu haben. Der Abnehmer verwendete dieses, um Betäubungsmittel zu strecken. Davon will Peter W. aber nichts gewusst haben.

Im Laden des Beschuldigten wurde aber nicht nur mit Drogen gehandelt. Auch Hehlerware hat Peter W. laut Anklageschrift in den Jahren 2006 bis 2008 erworben. Davon distanzierte sich der 58-Jährige aber teilweise. Er habe nicht gewusst, dass es sich bei der Ware, die ihm ab und an günstig verkauft wurde, um Diebesgut gehandelt hatte.

Das Verfahren blieb also bis zuletzt von widersprüchlichen Aussagen geprägt. Das Gericht steht nun vor der schwierigen Aufgabe, aufgrund dieser ein adäquates Urteil zu fällen.

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