Solothurn

Kofmehl hat das Ende der Welt zelebriert - Erde dreht dennoch weiter

Das ominöse Datum, der 21. Dezember 2012, ist Geschichte. Und mit ihm die Spekulationen über das Ende der Zivilisation. Das «Kofmehl» hat aus dem Maya-Hype ein stimmungsvolles Fest für die Zuversichtlichen geschustert: Die «Weltuntergangspoardy».

Wenn Sie diese Zeilen lesen, verehrte Damen und Herren, dann ist es überstanden. Falscher Alarm. Dann war die kofmehlianische Party zu Ehren des Weltuntergangs umsonst. Nun ja, vielleicht nicht umsonst - gute Feste feiert man immer gerne -, aber zumindest sozusagen ihrer Grundlage beraubt. Denn die Welt, wie wir sie kennen, ist weder versunken noch hat sie sich fundamental verändert. Keine Maya sind auferstanden, keine UFO gelandet, keine apokalyptischen Reiter übers Land gezogen.

Drehen wir das Rad der Zeit zurück auf Freitagabend: Vor der Kulturfabrik Kofmehl hat sich eine Schlange von beachtlicher Länge gebildet. Alle wollen an die «Weltuntergangspoardy» - und sind zuversichtlich, dass für Mutter Erde nicht wirklich das letzte Stündchen geschlagen hat. Denn es ist der 21. Dezember, 22.30 Uhr. Und wenn die Welt bis jetzt nicht untergegangen ist, dann wird sich an diesem Umstand wohl auch in den nächsten anderthalb Stunden nicht mehr viel ändern.

Grund zum Feiern hat man trotzdem - oder gerade deshalb. Und für all jene, die gern wissen möchten, was jenseits des Jüngsten Tages auf sie wartet, hat das «Kofmehl»-Team den Rostwürfel zum Hades gemacht, der sämtliche irdischen Klischees bedient. Im Foyer steht ein kleiner Dschungel mit Maya-Ruinen; plüschige, obwohl ausgestorbene Dinosaurier streifen umher. In der grossen Halle ist der Himmel, die «Raumbar» wird zur Hölle.

Das Paradies oder eben die himmlische Halle ist - man staunt - ab 16 freigegeben. Aus den Lautsprechern dröhnen Electro und Hip-Hop. Auch das kommt eher unerwartet. Ein als Engel verkleidetes menschliches Wesen gleitet durch die Menge. So viele Teenager, alle im Himmel, wie dieser «Teen Angel» aus jener steinalten Fernsehserie. Kennt den noch jemand?

Die Hölle darf erst ab 20 Jahren betreten werden. Sie ist anfangs noch etwas desolat leer. Die wenigen Gestalten, die schon rumstehen, sind die, die man an einem Ort wie der Hölle erwarten würden: zwei, drei Musiker, ein langhaariger Typ in schwarzen Klamotten, eine attraktive Bardame.
Dann füllt sich der Raum allmählich und gegen Mitternacht platzt er bereits aus allen Nähten. Es wird gerockt, in der Hölle. Von Creedence Clearwater Revival über Meat Loaf und die Spin Doctors bis Franz Ferdinand läuft alles, was stromgitarrenschwanger klingt.

Die beiden DJs vom Rosaroten Steckenpferd Soundsystem sorgen für einen stimmungsvollen Übergang in den Morgen nach dem Jüngsten Gericht. Kurz vor Mitternacht spielen sie «Two Minutes to Midnight» von Iron Maiden, darauf lassen sie konsequenterweise den AC/DC-Klassiker «Hells Bells» folgen. Und auch nach dem letzten Ton des Gitarrenriffs steht sie noch immer, die Welt, um uns herum.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1