Solothurn

«Kofmehl» führt Maskenpflicht ein – und sorgt damit für emotionale Diskussion

Party mit Maske: Kofmehl in Solothurn führt die Maskenpflicht ein

Party mit Maske: Kofmehl in Solothurn führt die Maskenpflicht ein

Ab Donnerstag gelten im Kofmehl in Solothurn neue Corona-Regeln: Neben dem Contact-Tracing gilt im ganzen Lokal die Maskenpflicht. Mit dieser Massnahme sind einige Besucher jedoch gar nicht einverstanden, weil die Maske ein Stimmungskiller sei. Ausserdem führen die Massnahmen zu finanziellen Einbussen, weil deutlich weniger Besucher reingelassen werden dürfen.

Damit wieder Anlässe durchgeführt werden können, führt die Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn ab Oktober eine Maskenpflicht ein. Der Entscheid polarisiert.

Ende Februar war Ende Feuer in der Kulturfabrik Kofmehl. Corona kam und damit die Absage aller Anlässe. Erst im September konnte man wieder sehr behutsam in die neue Saison starten. «Süüferli» soll es auch weitergehen. Ab Oktober 2020 wird eine generelle Maskenpflicht eingeführt. Man setze alle Hebel in Bewegung, damit wieder unbeschwert Konzerte und andere Veranstaltungen genossen werden können, heisst es im Beitrag auf dem Sozialen Netzwerk Facebook und auf der Homepage des Lokals. 

Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Bis Dienstagnachmittag wurden knapp 200 Kommentare gepostet. «Unbeschwert und Maskenzwang, das geht nicht», schreibt ein User. Viele weigern sich, mit Maske an ein Konzert zu gehen. «Ich komme dann wieder, wenn es keine Maskenpflicht mehr gibt», stellen sie klar. Für einen Kommentator ist die Maskenpflicht ein Zeichen von Einknicken. «Statt sich dem Schwachsinn, der Willkür und der Obrigkeit zu beugen, wäre sich ernsthaft für eine Branche einzusetzen mal angebracht», kritisiert er. 

«Verkraftbarer als auf Livemusik zu verzichten»

Es gibt aber auch die Unterstützer. Jene, die dem «Kofmehl» dankbar sind, dass die Tore für Künstler und Fans geöffnet werden. Sie freuen sich einfach, endlich wieder einmal ein Konzert besuchen zu können. Es sei wichtig, dass die Kultur weiterlebe. «Maske zu tragen ist für mich verkraftbarer, als auf Livemusik zu verzichten», schreibt eine Userin. Die Stimmung sei zwar sicher nicht gleich, «aber wir machen das Beste draus!» Alle, die gegen die Maskenpflicht kommentieren würden, hätten leider nicht verstanden, «wie es um uns Kulturschaffende steht und was die Situation uns abverlangt», so eine offenbar selbst Betroffene.

Auch der ehemalige Booker Chrigu Stuber, der nun die Mühle Hunziken in Rubigen BE leitet und dort Anfang September Maskenpflicht einführte, mischt sich in die Diskussion ein. Das «Kofmehl» führe die Pflicht wohl kaum ein, weil sie Fan von der Maske sei. «Das ‹Kofmehl› will nach über einem halben Jahr Pause ganz einfach wieder Kultur machen können. Und zwar so, dass die kantonalen Verordnungen eingehalten werden und so, dass bei einem positiven Fall hoffentlich möglichst nicht alle Besucher zusammen in Quarantäne gesteckt werden.» In sozialen Medien laut zu brüllen und die enorm leidende Kulturbranche damit weiter abzustrafen, sei alles andere als Rock‘n‘Roll.

Für den maximalen Schutz entschieden

Masken würden auch im öffentlichen Verkehr oder beim Einkaufen polarisieren, meint Stefan Wigger, Booker im «Kofmehl» zur Gegenwehr. Es sei nicht möglich, dass der Abstand von 1.5 Metern zwischen den Personen jederzeit eingehalten werden könne, «deshalb setzen wir als Schutzmassnahme auf die Maskenpflicht». Ob eine solche eingeführt werde, sei immer ausser Frage gestanden. «Es geht durch bauliche Einschränkungen gar nicht anders.» Es sei nur fraglich gewesen, ob sie auch im Sektor gelten soll. «Hier haben wir uns für den maximalen Schutz aller Anwesenden entschieden», so Wigger.

Grundsätzlich müsste das «Kofmehl» eine solche für die einzelnen Sektoren gar nicht einführen. Man gehe aber zum Schutz aller einen Schritt weiter als die Vorgaben des Kantons dies vorsehen. «Aus unserer Sicht ist die Einschränkung durch die Maske weitaus kleiner als der Schutz, den das Tragen einer Maske mit sich bringt», so Wigger. 

Konsumation nur im Sektor

Kritiker werden bestimmt nicht dabei sein, wenn diesen Freitag Shakra als erste Band vor maximal 400 maskentragenden Leuten spielen wird. Das Kofmehl ist verpflichtet, bei über 100 Besuchern, mehrere Sektoren zu bilden. Die allgemeine Regel: Beim Eingang, an der Bar oder in den Toiletten ist es verboten, die Maske auszuziehen. Beim Konsumieren von Essen und Getränken darf die Maske kurz abgenommen werden. Dies ist aber nur im zugeteilten Sektor gestattet. 

Insgesamt entstehen in der Halle fünf Sektoren – drei mit 100 und zwei mit je 50 Personen. Damit ergibt sich gerade mal eine Auslastung von 40 Prozent der normalen Kapazität von etwa 1000 Besuchern. Mit Hilfe von Polizeigittern wird auch geschaut, dass die Abstände dazwischen gross genug sind. «Zu jedem Sektor gibt es nur einen Zugang, welcher durch unser Personal kontrolliert wird», erklärt Wigger. «Eine Durchmischung der Personen je Sektor wird so vermieden.»

Spass trotz Maske

Dass das Publikum nun eine Maske trägt, soll die Vorfreude nicht trüben. Man stehe im stetigen Austausch mit befreundeten Musikclubs in der ganzen Schweiz, so Stefan Wigger. So auch mit der Mühle Hunziken. «Die Erfahrungen dort zeigen, dass Besucher und auch Künstler trotz Maske grossen Spass haben vor Ort. Es werde geklatscht, getanzt und mitgesungen. «Das wollen wir im ‹Kofmehl› auch erreichen. Die Leute sollen glücklich und mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause gehen.»

Und lohnt sich denn das überhaupt? Wie sich das Ganze entwickelt, ist laut Stefan Wigger schwierig zu sagen. Zu gross seien die zusätzlichen Kosten, zu klein die Maximalkapazität und die entsprechenden Eintrittseinnahmen. «Wie sich die Maske auf die Konsumation der Leute auswirken wird, das müssen wir in den nächsten Tagen und Wochen herausfinden.»

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