Ära bald zu Ende

Kneubühler Herrenmode war drei Generationen lang ein Begriff in Solothurn

Bald ist die Ära Kneubühler an der Hauptbahnhofstrasse in Solothurn Geschichte.

Bald ist die Ära Kneubühler an der Hauptbahnhofstrasse in Solothurn Geschichte.

Nach 85 Jahren geht die Geschichte des Modehauses in der Vorstadt bald zu Ende. Patricia Kneubühler schliesst das Geschäft, nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Hans Ueli. Die Suche nach einem Nachfolger für das Herrenmodegeschäft blieb erfolglos.

«Riesig» sei der Ansturm am Samstag gewesen. Der Grund, warum das Modegeschäft Kneubühler an der Hauptbahnhofstrasse derart brummte: In einem Brief hatte Patricia Kneubühler der Stammkundschaft mitgeteilt, dass sie sich nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes Hans Ueli «schweren Herzens» entschieden habe, sein Herrenmodegeschäft Kneubühler Mode zu schliessen. «Er war die Seele des Geschäfts, nun ist sie gegangen», meint seine Frau weiter zum plötzlichen Hinschied des erst 62-jährigen Geschäftsmannes Anfang Jahr nach einem Herzversagen.

An sich wollte Patricia Kneubühler nur noch bis Ende Juni in der Vorstadt geschäften, doch sei dieser Termin wegen des noch laufenden Mietvertrags unklar, vielleicht bleibe das Haus auch noch bis Ende Jahr geöffnet. Die Eigentumssituation ist insofern komplex, als sich fünf Parteien die grosse Eckliegenschaft teilen, die lange Jahre im Familienbesitz gewesen war. Fest steht aber für die jetzige Firmeninhaberin, dass sie ihr Geschäft für Cocktailmode im Haus Aimée an der Schmiedengasse weiterführen werde.

Nachfolge gesucht, aber ...

Schon ihr Mann habe noch zu Lebzeiten einen Nachfolger für das Herrenmodegeschäft gesucht, allerdings erfolglos. «An sich hat das Geschäft schon Potenzial», verweist Patricia Kneubühler auf die treue Stammkundschaft, die sich über die Geschäftsaufgabe doch recht erschrocken gezeigt habe – so nach dem Motto: «Wo kaufen wir denn jetzt unsere Kleider?» Umso mehr, als Kneubühler für seine Sonderausstattungen wie Uniformen, unter anderem auch für die Singknaben der St.-Ursen-Kathedrale, bekannt gewesen war.

Sollte sich doch noch eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger für das Modegeschäft finden, wäre die Inhaberin nicht abgeneigt, dieses zu übergeben. Erste Sondierungen in der regionalen Modeszene seien allerdings erfolglos geblieben. Und auch Patricia Kneubühler bestätigt, was ringsum in der Branche zu hören ist: Die Zeiten im Modeverkauf seien nicht gerade die besten. Offen ist auch die Zukunft der noch fünf Angestellten, die teilweise seit Jahrzehnten ihre Kneubühler-Kunden beraten und die «mich unterstützten, wo sie nur können», so die Chefin.

Einst 60 Angestellte

Ein Foto aus der Firmengeschichte zeigt 1956 hinter dem Begründer von 1931, Charles Kneubühler und dessen Gattin Margrit, mehrere Reihen Angestellte. «Bei Kneubühler waren einst bis zu 60 Leute angestellt», erinnert sich eine Mitarbeiterin an die Boom-Zeiten vor einigen Jahrzehnten, als Kneubühler Mode noch auf allen Stockwerken des Hauses zu haben war – speziell bekannt war das Haus für Hosen, Spezialgrössen und seine Dienstleistungen der Schneiderei. Nach Charles Kneubühler hatte dessen Sohn Iwan das Modehaus in der Vorstadt weitergeführt, und er zeichnete offenbar auch noch für die Planung des grossen Umbaus von 1989 bis 1992 verantwortlich. Von seinen beiden Söhnen führte dann Hans Ueli Kneubühler das Geschäft alleine weiter, nach dem Umbau war auch vorübergehend Damenmode ein Thema im angestammten Herrenausstatter-Geschäft gewesen.

Auch engagierte sich Kneubühler jahrzehntelang an der Herbstmesse Solothurn HESO. Ein Höhepunkt, an den sich auch Patricia Kneubühler noch heute gut erinnert, war die grosse HESO-Modeschau 2002 im Rahmen der damaligen Messe-Sonderschau gewesen. Da schien die Solothurner «Textiler-Welt» mit traditionellen Namen wie Marbach, Sperisen, Brühweiler, Jeker und eben Kneubühler noch in Ordnung zu sein – heute, 2016 geht nun diese Ära definitiv zu Ende.

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