Cercle Romand Soleure
Knackpunkt neue Mitglieder finden: Trotzdem blickt diese Gruppe optimistisch in die Zukunft

Die 140 Mitglieder der französischsprachigen Solothurnerinnen und Solothurn sind ein geselliges, aktives Völkchen. Diesmal führte sie ein Theaterstück zusammen.

Katharina Arni-Howald
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Vizepräsident Philippe Choffat und Präsidentin Françoise Barras freuen sich über die Aktivitäten, die der Cercle Romand in Solothurn entwickelt.

Vizepräsident Philippe Choffat und Präsidentin Françoise Barras freuen sich über die Aktivitäten, die der Cercle Romand in Solothurn entwickelt.

Hanspeter Bärtschi

1901 gründeten in Solothurn ansässig gewordene Westschweizer den Cercle Romand Soleure. Das hatte seine Gründe: Bereits 1860 waren die ersten französisch sprechenden Uhrmacher aus den jurassischen Hochebenen in die Ambassadorenstadt gekommen, um hier ein Handwerk auszuüben, das sich später zu einer blühenden Industrie entwickelte und Solothurn zu Weltruhm verhalf. Später folgten tüchtige Feinmechaniker und Bankfachleute aus der Romandie, die vor allem in den Finanzinstituten der Stadt einen Arbeitsplatz fanden. Die Kundenpflege in französischer Sprache war damals ein wichtiger Bestandteil im Bankenwesen und die Neuzuzüger willkommene Arbeitskräfte. Nach dem 2. Weltkrieg schliesslich bot der wirtschaftliche Aufschwung jungen, französisch sprechenden Arbeitern, kaufmännischen Angestellten, Technikern und Ingenieuren in der Elektronikbranche zahlreiche Arbeitsstellen.

Immer wieder aktiv

«Das Bedürfnis war von Anfang an gross, sich mit anderen Welschen in der eigenen Sprache unterhalten zu können», blickt Vizepräsident Philippe Choffat auf die Anfänge der Vereinigung zurück. Noch immer steht das gesellige Zusammensein im Vordergrund, angereichert durch öffentliche Vorträge und Theatervorstellungen in französischer Sprache sowie Museumsbesichtigungen, Wanderungen und kulinarische Höhepunkte.

Seit langem werden auch fruchtbare Beziehungen mit dem Begegnungszentrum Schloss Waldegg gepflegt. Angesichts der jahrzehntelangen, von Frankreich geprägten Vergangenheit der Stadt spielen auch historische Begebenheiten immer wieder eine wichtige Rolle. Noch immer zählt der Verein an die 140 Mitglieder. Dies wiederum dank französisch sprechenden Neuzuzügern und den eigenen Kindern, die die Traditionen weiterpflegen. Neue Mitglieder zu finden ist aber auch für den Cercle Romand nicht einfach. Trotzdem ist Vereinspräsidentin Françoise Barras zuversichtlich, dass es den Cercle Romand, der vom Kulturfonds und der Gemeinde immer wieder finanziell unterstützt wird, auch künftig geben wird. «Bisher hat es immer funktioniert und das wird hoffentlich auch so bleiben.»

Französisches Theater

Bereits seit 64 Jahren organisiert der Verein regelmässig öffentliche Theatervorführungen, die jeweils auch bei Nichtmitgliedern auf grosses Interesse stossen. Dies war auch am Freitagabend so, als an die 200 Personen, darunter zahlreiche Kantonsschülern, in der Aula der Pädagogischen Hochschule mit dem «Théâtre Pérolles» französisches Ambiente geniessen konnten.

Das 2012 geschriebene Fünf-Personen-Stück «Der Vorname» von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière, das zurzeit auch auf der Kinoleinwand zu sehen ist, ist eine entlarvende Gesellschaftskomödie in einer gereizten Atmosphäre, die vom Publikum schon vom Tempo her einiges abverlangte. «Ist man bescheuert, wenn man seinen Sohn Adolf tauft?» Und wie, befanden vier der fünf hervorragend spielenden Laien-Schauspieler, als der bald Vater werdende Vincent beim Familientreffen die Namensgebung seines künftigen Kindes zur Sprache bringt. Aufgepeitscht durch die Absurdität und Wucht dieses Ansinnens und der heiss geführten Diskussion lief der Abend bei den Gastgebern rasch aus dem Ruder und endete mit Gezänke, skandalträchtigen Enthüllungen und gegenseitigen Vorwürfen, die die Ausgangsfrage weit in den Hintergrund rückte.

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